Super Mario 3D All-Stars Test - Mario forever, wie es scheint...

Eine Galaxie für sich.

Mario 64 und Sunshine sieht und merkt man das Alter an. Aber Mario Galaxy? Wie ein guter Wein, der nie zu Essig wird.

Wenn das eine Feier ist, dann hat das aber keiner dem Ehrengast rechtzeitig gesagt. Ganz offensichtlich hatte er keine Zeit mehr, um sich richtig vorzubereiten... Erst mal das Gute: Es ist nicht eine weitere 8- und 16-Bit Sammlung. Obwohl diese Games zumindest zum Teil auch dazu gehört hätten. Für 60 Euro. Dann wird auch mal Mario Sunshine beachtet und erfährt ein klein wenig Liebe. Davon bekam es über die Jahre wenig genug. Aber sonst? Ja, die Soundtracks dazuzupacken ist nett. Vor allem, wenn die in einem funktionalen Player solide benutzbar sind.

Aber sonst ist das hier ehrlich gesagt das absolute Minimum. Es ist kein Remake, das ist klar. Aber ich weiß nicht mal, wie weit ich mit dem Begriff Remaster gehen würde. Das heißt doch eigentlich, dass irgendwas passiert ist. Aber das hier? Ist das Starten eines N64-Spiels in einem Emulator auch schon ein Remaster? Denn das ist das hier. Mit dem Unterschied, dass der Emulator eine deutlich höhere Auflösung und bessere Textur-Optionen bietet.

Die zeitlosen Qualitäten von Mario 64, aber die Kamera zählt nicht dazu

Womit wir bei Mario 64 wären. Gute Güte hat das Spiel Glück, dass es so dermaßen verdammt gut ist und so viele erstaunliche zeitlose Qualitäten mitbringt. Denn nicht mal eine 16:9-Anpassung für den Screen, auf dem es sich nun heimisch fühlen soll - oder irgendeine Anpassung -, ist schon mager. Es gibt zum Beispiel eine freie Kamera-Option in den Emulatoren und diese hat vor einer Weile meinen Spaß mit Mario 64 nicht geschmälert. Ganz im Gegenteil: und so fällt es mir schwer, jetzt wieder hierhin zurückzukehren. Sicher, eine "Classic"-Option, ganz wie früher, ist Pflicht und die wurde erfüllt. Aber die Kür, ein aufbereitetes Spielerlebnis, wie ich es seit zig Jahren auf dem PC bekomme, wurde komplett vergessen.

Super Mario 3D All Stars Test Mario 64
Vorsicht: bissiger Kettenhund. (Super Mario 3D All-Stars Test)

Gut also, dass Mario 64 sich ansonsten gut gehalten hat. Sicher, jemandem heute zu erklären, warum ich die Kamera nur in seltsamen Schritten drehen kann oder nach jedem Stern einer Welt wieder rauskatapultiert werde, das ist nur historisch erklärbar. Im Sinne dessen, dass dieses Spiel sehr viel erfunden oder sprunghaft weiterentwickelt hat und ein absoluter Meilenstein seiner Zeit war. Mario 64 hat das 3D-Jump'n'Run nicht erfunden. Es gab 1990 das heute vergessene Alpha Waves auf Computern, das Hüpfen und Puzzles erprobte, 1995 hüpfte Jumpin Flash auf der PSone, aber Mario 64... das war der evolutionäre Sprung, der Rares spätere Spiele und vieles mehr vorwegnahm.

Im Gegensatz zu anderen historischen Begebenheiten kann man Mario 64 aber heute noch spielen. Die Puzzles und Hüpfpassagen der Welten sind so durchdacht und verschachtelt arrangiert, dass es selbst mit der chaotischen Kamera eine Freude ist, alles zu erkunden. Die Kamera ist sogar Teil der Puzzles, wobei ich davon im Laufe der Jahre immer weniger begeistert war. Etwas außerhalb des Sichtbereichs zu arrangieren, das ich nur mit Verrenkungen entdecken kann, das fühlt sich nach Ausnutzen einer Schwäche des Spiels an. Dafür bin ich als Spieler zuständig! Trotzdem, Mario 64 ist schlicht brillantes Design in Reinform und man merkt an allen Ecken und Enden, dass hier all die Ideen drinstecken, die Miyamoto über die Jahre hatte und für den Tag zur Seite legte, an dem es 3D geben würde. Mario 64 war dieser Tag und er nutzte sie alle. Oder vielmehr: er nutzt alle guten Ideen. Es ist übrigens ein Schandfleck der altehrwürdigen Famitsu, dass zwar Final Fantasy 12 und Nintendogs alle eine 40/40 bekamen, aber dieser Quantensprung des 3D-Gamings nur eine 39/40.

Mehr Liebe für Mario Sunshine!

Dann war lange Pause. Zwischen 1996 und 2002 gab es kein neues Mario-Spiel. Wir alle dachten irgendwann, dass diese Serie einfach aufgegeben wurde. Dass Miyamoto Mario 64 zum perfekten Spiel erklärt hatte und sich zur Ruhe begab, um auf ein dankbares Universum zu blicken. Aber dann kam irgendwann der GameCube und mit ihm Mario Sunshine. Ein Spiel, dem man eigentlich nur eine Sache wirklich vorwerfen kann: es war kein Mario 64.

Das gilt nicht mal im Sinne der Qualität. Das Plattform- und Level-Design steht dem des Vorgängers nicht nur nach, es übertrifft ihn oft genug mit kleinen, neuen Ideen. Auch dass ihr nun eine Art Vorläufer zu Splatoon dabeihabt, hilft der Eigenständigkeit des Spiels. Ihr müsst verseuchte Bereiche eines Insel-Idylls reinigen und habt dafür eine Kreuzung aus Wasserpistole und Jetpack, die nach und nach ausgebaut und mit neuen Features angereichert wird. Dieser Aspekt hatte mich damals sowohl verwirrt wie auch davon abgehalten, das Spiel mehr zu genießen als ich es tat, aber das hat sich heute gedreht. Es gibt Sunshine mehr Möglichkeiten als Mario 64 sie hatte und das Spiel nutzt sie auch gekonnt.

Super Mario 3D All Stars Test Mario Sunshine
Natürlich scheint in Mario Sunshine die Sonne. (Super Mario 3D All-Stars Test)

Nein, das Problem war, dass Sunshine im Grunde auch "nur" Mario 64 war. Ihr habt die Level mit ihren Puzzles, 120 Sterne, die ihr nach und nach sammelt, und das eigentliche Hüpfen ist nur deshalb frischer und das auch nur im Vergleich mit Mario 64, weil ihr eine freie Kamera habt. Das hatte zu dem Zeitpunkt aber jeder Hüpfer, Rare hatte gerade erst seine beste Phase gehabt, andere Spiele hatten ihre Ideen zum Thema Hüpfen und deshalb erwartete jeder von einem neuen Mario-Spiel, dass es wieder die Welt weiterdrehen würde, so wie das 1996 der Fall war. Nun, machte Sunshine nicht, es sonnte sich zufrieden und war einfach ein fantastisches Spiel, das ihr auch heute noch ohne Reue genießen könnt.

Technisch ist Sunshine natürlich deutlich weiter als Mario 64, aber auch hier gibt es ein paar Macken. Widescreen ist zwar vorhanden, zumindest wurde es dem Switch-Screen angepasst und im Dock gibt es 1080p, aber hier hätte man auch über eine optionale Steuerung nachdenken können. Um mit Marios Wasserpistole zu zielen, müsst ihr stehenbleiben und dann mit dem linken Stick zielen. Das widerspricht so sehr jeder Shooter-Intuition der letzten Jahrzehnte, dass ich auch nach ein paar Stunden mit diesem Aspekt immer noch nicht so richtig klarkam. Aber sonst ein großartiger, im Rahmen der Mario-Historie zu Unrecht etwas vergessener Titel, den hier so viele Leute das erste Mal überhaupt kennenlernen dürften.

Mario Galaxy ist Perfektion - und endlich ohne Wiimote spielbar

Und nun zum Hauptgang: Mario Galaxy. Diesmal waren es wieder fünf Jahre zwischen den beiden großen Marios - New Super Mario Bros 2006 zählt nur halb als solches - und eines ist sicher: Mario Galaxy ist kein Mario Sunshine. Es ist das Mario 64 des neuen Wii-Zeitalters. Es gab nicht viele Gründe, als Core-Gamer zu bereuen, dass man keine Wii hatte. Hier und da ein nettes Experiment, aber auf jeden halbwegs guten Titel kamen 15 Wackel-die-Mote-Stupido-Games. Aber das war ab 2007 egal. Es wäre nicht die erste Konsole, die man nur für ein Spiel kauft und die Wii nur für Galaxy zu kaufen, war sicher weit intelligenter als das 3DO für Crash'n'Burn zu kaufen...

Mario Galaxy war wieder der Quantensprung. Es erprobte alles, was mit der neuen Hardwareleistung anstellen konnte - relativ im Vergleich zu einer 360 damals, aber gewaltig im Vergleich zum GameCube - und katapultierte das Spiel an die Spitze des Mario-Universums. Mit einem 97er Metacritic-Wert ist es das höchstbewertete Mario-Spiel - Famitsu 38/40, aber an diesem Punkt, was wissen die schon über Mario -, zusammen mit dem nicht weniger brillanten Nachfolger und Mario Odyssey. Es gab keine Bestenliste, auf der es nicht auftauchte - meistens Dinge wie "die wichtigsten Spiele der Generation" oder "die besten Spiele des Jahrzehnts", keinen Preis, den es nicht abräumte, und natürlich bekam es auch hier eine 10/10. Mario Galaxy ist perfekt.

Super Mario 3D All Stars Test Mario Galaxy
Er versucht es einfach immer wieder. (Super Mario 3D All-Stars Test)

Damals wie heute ist auch erstaunlich, wie gut das Spiel aussieht. Für die Wii war der Comic-Look ideal. Er war und ist vom Design her hinreißend, kommt mit übersichtlicher Rechenleistung aus - die Wii war ja im Grunde nur ein heftig übertakteter GameCube - und passt perfekt zum fröhlichen Mario-Feeling, ohne dabei einfach nur auf der Stelle zu treten. Daran hat sich heute nichts geändert und wenn es mal ein Mario Galaxy 3 geben sollte, das genau diese Engine nutzt, dann wäre das wahrscheinlich immer noch kein großes Problem. Wer braucht Polygone, wenn er Gameplay-Perfektion haben kann.

Das ist Galaxy auch. Machen der Nachfolger und Odyssey die Dinge besser? Nein, nicht wirklich. Sie haben eigene Ideen, bauen auf der Grundlage auf, aber erstaunlicherweise übertreffen sie das Original nicht wirklich. Selbst das Einzige, was mich persönlich störte, obwohl es sicher ideal implementiert war, ist nun verschwunden: Die Mote-Steuerung. Das Herumgewackel war nie meins und es nun nur mit Controller und gelegentlichen Touchscreen-Eingaben zu spielen, erschien mir weit angenehmer. Wer die alte Steuerung bevorzugt: Kein Problem, ihr müsst nicht mal umschalten. Joy-Cons abstecken, dann ist alles wie immer. Sogar die etwas angetackert wirkende Koop-Version, bei der jeder Spieler eine Mote, sorry, einen Joy-Con benutzt, blieb erhalten. Damit wurde das Spiel für mich nun perfekt.

Ja, perfekt. Es gibt nichts, was ich noch an Mario Galaxy ändern wollen würde. In Mario 64 möchte ich Widescreen und eine neue Kamera, Sunshine ist dabei auch noch nicht so poliert und ich denke, dass eine "Shooter"-Kamera dem Spiel besser stehen würde als das Stehenbleiben und Zielen. Aber Galaxy? Perfektion in Sachen Hüpfer. Die Spielereien mit der Schwerkraft, die absurden Perspektiven-Gimmicks, alles findet sich zusammen, um mit klassischen Mario-Elementen die ideale Konstellation in Sachen Gameplay-Grazie zu bilden. So gut Odyssey auch ist, Galaxy war der vorerst letzte ganz große Meilenstein und Marker der Serie.

Wie gesagt, grafisch gibt es nichts zu beanstanden, der Comic-Stil wirkt auf der kleinen Screen-Auflösung genauso hübsch und zeitgemäß wie auf den 1080p im Dock. Widescreen gibt es eh, es ist aktuell die definitive Version, wenn ihr Emulatoren mit höheren Auflösungen und Framerates außen vor lasst. Sonst gibt es nicht viel zu dieser Sammlung zu berichten. Wie gesagt, alle Soundtracks sind dabei und das auch in ausführlichem Umfang - 81 Tracks für Galaxy, das ist meines Wissens nach die aktuelle Version, gleiches gilt für die 36 Tracks bei Mario 64. Sonstige Extras? Fehlanzeige. Da waren Konami und Capcom liebevoller.

Super Mario 3D All-Stars Test Fazit

Ich habe lange hin- und herüberlegt, ob ich jetzt geknickt sein soll, dass Mario 64 und Sunshine etwas lieblos im Pack dabei sind. Wie gesagt, Widescreen und/oder ein wenig Mut bei optionalen zeitgemäßen Anpassungen hätte schon sein dürfen. Auch gibt es sicher mehr Extras als nur die eh seit zig Jahren verfügbaren Soundtracks. Alles für den Preis von 60 Euro. Aber erst einmal stellte ich fest, wie viel Spaß 64 und Sunshine dann eben doch noch machen und als ich dann, nach zig Jahren, endlich mal wieder Galaxy spielte, war der Weg klar. Ich denke immer noch, dass es das bessere, im guten Sinne gradliniger und kompakter designte Spiel ist, das die Stärken von 3D-Mario mehr auf den Punkt bringt als es seinen - immer noch phänomenalen - Nachfolgern gelang. Es sieht klasse aus, die Steuerung, auch ohne Gewackel und Zeiger, funktioniert tadellos und wenn mir das jemand für 60 Euro verkaufen würde... würde ich ihn für solche Gier verfluchen, aber ehrlich gesagt würde ich mehr als genug Spiel für mein Geld bekommen. Und da hier ja noch zwei Klassiker mehr an Bord sind: Was soll ich machen, diese Spiele sind in Sachen schierer Spielspaß immer noch herausragend. Mario forever.

Nintendo bietet Super Mario 3D All-Stars nur bis zum 31. März 2021 an: Hier bei Amazon vorbestellen.

  • Entwickler / Publisher: Nintendo / Nintendo
  • Plattformen: Nintendo Switch
  • Release-Datum: 18. September 2020
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: zirka 60 Euro

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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