The Chosen

Mit Anleitung zum Selberbasteln!

Hallo und herzlich Willkommen zu „Spiele verhunzen leicht gemacht“! Heute: Wie entwickle ich ein austauschbares Action-RPG, das wohl kaum einer kaufen wird! Wie man eine gute Idee schlecht umsetzt, worauf man achten muss, wenn es langweilig werden soll, mit welchen Mitteln man quasi jeden erdenklichen Spaßfaktor in den Sand setzen kann – all das erfahrt Ihr jetzt! Als Beispiel wird uns hierbei das allseits heiß erwartete The Chosen dienen. Fangen wir mit Punkt eins an – der Story:

Die Story eines Action-Rollenspiels enthält im wesentlichen drei Elemente. Das Böse, das nahezu vernichtete Gute und den Retter in der Not. Das Böse kann eigentlich alles sein, solange es gängigen Klischees entspricht. Zu bevorzugen ist deswegen ein erzürnter Höllenmensch, dessen Motiv es ist, die Welt zu unterjochen. Das Gute ist derweil fast alles, was das Böse nicht ist: Hilflose Bauern, hilflose Priester, hilflose Stadtbewohner. Solange die betreffenden Personen hilflos sind und um Unterstützung betteln, sind sie also als „gut“ definiert.

Hilflos müssen sie deswegen sein, weil das dritte Element – der Held – sonst nichts zu tun hat. Denn wer braucht schon den strahlenden Helden, wenn es nirgendwo brennt? Wie man die drei genannten Elemente zu einer Story zusammenfügt, bleibt dem Entwickler überlassen. Meistens folgt man aber dem Muster „Das Böse wird übermächtig, das Gute scheint verloren, der strahlende Held bringt alles wieder in Ordnung“.

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Action-RPG-Regel Nr. 318: Brücken dürfen generell nicht intakt sein.

Im Beispiel The Chosen sind die Elemente folgendermaßen vertreten: Das Böse ist ein mächtiger Zauberer mit dem Namen Markus Dominus Ingens. Das Gute ist der Rest der Welt sowie der Gesandte Gottes, der jedoch wegen des immer mächtiger werdenden Markus fast hilflos ist (merkt Ihr was?). Der Retter ist der Spieler, der sich in diesem Fall zwischen drei Helden entscheiden kann: Frater Simon, ein Gelehrter im Umgang mit der Magie, Elena, eine Jägerin im klassischen Sinne mit Faible für Fernkampfwaffen, und Tong Wong, ein Meister des Kampfes mit dem Schwert.

Zu einer losen Story zusammengefasst bedeutet dies: „Der böse Zauberer Markus Dominus Ingens ist kurz davor, die gesamte Welt mit Hilfe seiner dunklen Armee ins Chaos zu stürzen. Sogar der Gesandte Gottes ist bald nicht mehr imstande, sich der Streitmacht des Zauberers zu erwehren. Doch die geheimen Wächter der Bruderschaft wussten schon lange von Markus’ teuflischem Plan und bildeten Jäger gegen das Böse aus. Sie müssen nun den Kampf antreten und die Weltordnung wieder herstellen.“

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Action RPG-Regel Nr. 666: Stadtbewohner müssen entweder um Hilfe betteln oder tot sein

Der zweite Punkt umfasst den optischen und akustischen Bereich. Viel falsch machen kann man soundtechnisch eigentlich nicht, will man ein langweiliges Action-RPG entwickeln. Einfach nur die allerwichtigsten Stellen vertonen und den Spieler ansonsten mit einer Textwelle überfluten. Die Sprecher müssen auch nicht sonderlich viele Vorkenntnisse besitzen – es reicht, dass sie so etwas wie eine klare Aussprache beherrschen. Was die Musikuntermalung angeht, so bastelt man sich einfach ein paar kleine Stücke zusammen und lässt sie je nach Situation (Gefahr oder keine Gefahr) erklingen.

Der optische Bereich ist da schon anspruchsvoller. Man kann zwar auch ein langweiliges Action-RPG mit Diablo 2-Grafik entwickeln, doch das will dann wirklich keiner mehr spielen. Also müssen die Ziele in diesem Bereich etwas höher liegen: Es sollte 3D sein, es sollte sich schön anschauen und es sollte flüssig laufen. All das schafft die Grafikengine von The Chosen mit Leichtigkeit. Sie ist detailreich, gestochen scharf, bietet abwechslungsreiche Umgebungen und läuft dabei noch flüssig.

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Simon Holthausen

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