The Last Campfire Test: Ein Funken Hoffnung

Auch andere können Zelda!

The Last Campfire Test - Wow, das kam so ein bisschen aus dem Nichts. Ich hatte vor einer Weile das erste Mal von diesem neuen Hello Games-Spiel gehört, das von einem kleinen Team an Leuten dort realisiert wurde, die nette Art Direction registriert und mich dann gefreut, dass es wohl den Köpfen hinter dem Wii-Geheimtipp The Lost Winds entsprungen ist. Dann hatte ich es wieder vergessen und jetzt dank Apple Arcade wieder entdeckt. Ich will nicht sagen, ich wäre drüber gestolpert (Martin hat mich geschubst), aber letzten Endes ist es egal: The Last Campfire wird mir als eines von den Guten in diesem Jahr in Erinnerung bleiben.

Zunächst einmal war ich sehr erfreut, wie gut das Spiel auf meinem iPhone 8 doch lief. Im Grunde hätte ich dieses Spiel auch auf dem PC oder der PS4 spielen können, und normalerweise mache ich als Bildraten-Fetischist um 3D-Spiele auf Apple Arcade einen Bogen, wenn ich mit dem Smartphone spielen muss. Aber das hier performt extrem solide und sieht auch noch extrem pittoresk dabei aus. Ich bin positiv überrascht! In The Last Campfire geht es um mysteriöse Pilgerreise "an einen Ort, an den die verlorenen Gluten gehen, wenn ihr Licht langsam schwindet", beschreibt die feenhafte Erzählerstimme die Prämisse.

Auch auf iPhone wie auf der Konsole spielen

Und dann merkt man, man selbst verkörpert eine von diesen verlorenen Gluten, hier Ember genannt, und schon hat einen das Spiel emotional irgendwie am Haken. Diese putzige Personifikation eines Lebensfunkens will man um jeden Preis an die Destination ihrer schicksalhaften Reise geleiten. Gut, dass das Spiel sein Äußerstes tut, sich für diese Hilfestellung mit einem rundheraus ausgereiften und soliden Puzzle-Adventure zu revanchieren. Was hier passiert, das ähnelt in Sachen Rätseldesign durchaus dem, was Nintendo in seinen Zelda-Dungeons an Hindernissen auffährt. Auch wenn man hier eher selten wirklich ins Stocken kommt. Für mich fühlte sich das sehr befriedigend an.

Last Campfire Sitzend
Diese Glut hat das Zeug zum Star.

Übrigens auch, was die Steuerung angeht. Per Touch - eine Point-and-Click-artige Steuerung - kontrolliert sich Ember schon ziemlich ordentlich, wenngleich Smartphone-User unterhalb von fünf Zoll Diagonale recht genau drücken müssen, um das Inventar oder das Menü anzuklicken. Aber da es kaum wirklich zeitkritische Aufgaben und keinen Kampf gibt, ist das schon in Ordnung. Ich habe das Spiel dank Bluetooth-Verbindung mit PS4-Controller gespielt, wo The Last Campfire dann automatisch zur direkten Kontrolle der PC- und Konsolenversionen wechselte, und konnte so keinen Unterschied zu anderen gängigen Adventures vergleichbaren Aufbaus auf "großen", dedizierten Spielgeräten feststellen. Gleich die nächste Überraschung.

Gemütlich grübeln am Lagerfeuer

Zu den Überraschungen gehört indessen nicht, welcher Qualität der Rest dieses Spiels ist, wenn man bedenkt, wie gut Lost Winds war. The Last Campfire lockt nun mit visuell durchaus nicht unähnlichen Reizen - eine sehr hübsch stilisierte Fantasy-Welt, die angemessen alt und geheimnisvoll wirkt - und einem sauberen Aufbau, der sowohl an der Konsole als auch auf dem Smartphone dazu einlädt, nur mal zwischendurch ein bis zwei der überschaubar durchstrukturierten Gegenden zu absolvieren. Triebfeder für euch sind die kläglichen Reste anderer Gluten, die jeden Antrieb und jede Hoffnung verloren haben und nun grau und leblos in der Landschaft darniederliegen.

Last Campfire Schwein
Das Schwein muss weg.

Tretet ihr an sie heran, erfahrt ihr ein wenig über sie, während die Erzählerstimme aus dem Off vom Seelenleben der Verlorenen kündet. Währenddessen werdet ihr in einen Rätselraum transportiert, der symbolisiert, was sie durchgemacht haben. Hier räumt ihr dann durch Schalterrätsel, Hebeldreherei und Kistenverschieben kurze Serien motivierend aufgezogener Puzzles, an deren Ende ihr einen Funken erhaltet, den ihr zum Verlorenen zurückbringt. In diesen fährt dann wieder Leben und er gesellt sich an einem nahen Lagerfeuer zu euch. Es wird hier und da auch eingehender und fordernder, vor allem nach hinten raus grübelt man schon ganz ordentlich. Aber es steckt immer genug Bewegung in diesen Rätseln, dass das Spiel nicht ins Stocken kommt.

Was Adventures dieser Machart angeht, ist es so geradeaus, wie es nur irgend geht. Mit jedem Rätsel fühlt man sich, als hätte man wieder ein wenig Fortschritt gemacht, erschließt an bestimmten Stellen Abkürzungen zu früheren Gebieten und erfährt nach und nach immer mehr über die eigenartige, traurige Mythologie einer Welt, der ihr nach und nach die Hoffnung zurückbringt. Aber auch abseits der Puzzle-Räume gibt es viel zu entdecken, zu knobeln und eine ganze Reihe herzerwärmender Begegnungen.

The Last Campfire Test - Fazit

Es ist kein Hexenwerk, was Hello Games' Kleinstteam hier auf die Beine gestellt hat, aber ein zu gleichen Teilen vertrauter (die Puzzles) und doch eigenwillig-befremdlicher (die Welt) Trip, der mit bewährten Mitteln und motivierender Struktur immer weiter vorantreibt. Es steckt trotz der bittersüßen Thematik eine große Leichtigkeit in The Last Campfire, von der man sich gerne mitreißen lässt. Bis dann nach etwa fünf angenehmen Stunden Schluss ist. Und das ist schon in Ordnung. Dieser Funke glüht kurz, aber umso heller.

Holt euch The Last Campfire für 14,99 Euro im PlayStation Store für PS4.

  • Entwickler / Publisher: Hello Games
  • Plattformen: Apple Arcade, PC, Switch, Xbox One, PS4 (getestet auf iPhone 8)
  • Release-Datum: erhältlich
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: Enthalten in Apple Arcade, ansonsten ca. 15 Euro, keine Mikrotransaktionen

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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