Es mag daran liegen, dass ich der türkischen Küche verfallen bin – ich muss beim Titel „Brütal Legend“ jedenfalls immer daran denken, was er wegen des lustigen „Ü“s doch für ein toller Markenname für einen Riesendöner wäre. „Einmal den Brütal Legend ohne Zwiebeln, aber mit viel scharf bitte!“, würde ich am Imbissstand sagen.

Wie auch immer, in Wahrheit verbirgt sich hinter Brütal Legend bekanntermaßen ein actionreiches Fantasy-Spektakel in einem Heavy-Metal-Szenario. Das kommt zwar in grellbunter Comic-Optik daher, ist aber augenscheinlich für Erwachsene bestimmt.

Die Kurzzusammenfassung für alle, die in den vergangenen Jahren im Kälteschlaf gelegen haben oder hinter einem Berg lebten: Bei Brütal Legend steuert ihr die virtuelle Fassung von US-Schauspieler Jack Black in der Verfolgerperspektive, zerhackschnetzelt mit einer Axt etliche hundert skurriler Gestalten und Monster oder bearbeitet sie mit Erdbeben auslösenden Riffs und anderen Effekten, die eure Zweitwaffe in Form einer E-Gitarre auslöst.

Der Recke rast aber auch mit amerikanischen Hot-Rod-Autos, Motorrädern und einem Tourbus herum, während dabei brachiale Klänge bekannter Metal-Bands ertönen. Vor allem jedoch lacht ihr euch bei Zwischensequenzen mit zahlreichen schrägen Charakteren und schwarzhumorigen Dialogen schlapp.

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Eddie Riggs (links) und sein Papa Tim Schafer posieren exklusiv für Eurogamer.de.

Wenn etwa der leicht pummelige Held, übrigens vom deutschen Original-Synchronsprecher Tobias Meister vertont, während eines Dialogs wild gestikulierend mit den Armen herumfuchelt und dabei einer hinter ihm stehenden Feindfigur versehentlich den Schädel spaltet, kann ich mich jedenfalls wegschmeißen. Und auf beknackte Ideen, wie die über die Entstehungsgeschichte von Headbangern, muss man auch erst einmal kommen: Die besonders eingeschworenen Heavy-Metal-Fans waren laut Brütal-Legend-Universum ursprünglich nämlich Grubenkumpel, die mit ihren Köpfen in einer Mine Steine kloppten.

Ketzerisch könnte man sagen, Brütal Legend ist God of War 3 in lustig. Fraglich bleibt nur, wie abwechslungsreich das Ganze auf Dauer wird. Während der Spielemesse gamescom in Köln stellte der geistige Vater Tim Schafer (bekannt durch Maniac Mansion, The Secret of Monkey Island, Monkey Island 2, Day of the Tentacle, Vollgas, Grim Fandango und Psychonauts) nun höchstpersönlich und erstmals den Multiplayer-Modus) vor. Details dazu gibt’s am morgigen Mittwoch auf diesem Bildschirm.

Vorher bieten wir euch ein exklusives Schmankerl. Für Eurogamer.de nahm sich Autoren- und Designlegende Tim Schafer die Zeit, um im Interview auf diverse Fragen über sein aktuelles Projekt einzugehen, unter anderem zu den Themen blanke Brüste, das (erfreulicherweise) nicht vorhandene „Wind of Change“ im Soundtrack oder die Gewaltdarstellung im Spiel.

Eurogamer: Hi Tim! In Psychonauts sind wir durch Gehirne von Leuten gelatscht, die psychische Probleme haben, und deine Erklärung, warum Heavy-Metal-Fans headbangen, ist ähnlich verrückt. Woher holst du dir diese schrägen Ideen? Hörst du Stimmen in deinem Kopf, die dir sagen, was du tun sollst?

Tim Schafer: [grinst] Im Fall von Brütal Legend stammt die Inspiration direkt aus der Heavy-Metal-Musik und von CD-Covern. Es gibt großartige Alben mit den verrücktesten Motiven. Darüber hinaus sind einige Songtexte richtiggehend episch und liefern somit perfekte Szenarien für Videospiele.

Eurogamer: In Day of the Tentacle war es mittels eines Computers im Spiel möglich, den Vorgänger Maniac Mansion zu spielen. Dürfen wir solche lustigen Anspielungen auf deine früheren Projekte auch bei Brütal Legend erwarten, und hast du vielleicht ein nettes Beispiel?

Tim Schafer: Ich weise nur mal auf die ganzen Dialoge in Brütal Legend hin, da haben wir etliche kleine Anspielungen auf frühere Spiele. Wer mit den alten Titeln vertraut ist, wird die Hinweise natürlich eher erkennen. Da seit der Konzeptphase schon einige Zeit verstrichen ist, erinnere ich mich nicht im Detail, aber es gibt definitiv Anspielungen und kleine Geheimnisse zu entdecken.

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Monströse Endgegner wie diese Spinne stellen sich Eddie in den Weg.

Eurogamer: Es wird aber nicht möglich sein, jemanden in Brütal Legend zu spielen, der jemanden in Vollgas spielt, der jemanden in Grim Fandango spielt?

Tim Schafer: [guckt leicht verstört] Interessant … du meinst … jemanden, der was spielt? Äh … ja. Oh, ich verstehe! Also ich glaube, es zu verstehen ...

Eurogamer: Zugegeben, ist ein bisschen kompliziert. Lassen wir das und kommen wir zur nächsten Frage: Warum sind über dem „u“ von Brütal Legend eigentlich Punkte? Ich habe zwei Geschichten darüber gehört: Es heißt, dass deiner Familie beim Auswandern von Deutschland in die Vereinigten Staaten der Umlaut „ä“ gewissermaßen gestohlen worden sei und du ihn zurückholen wolltest. Gerücht Nummer 2 wäre, dass die Punkte dazu dienen, Motörhead zu ehren. Welche Version stimmt denn nun?

Tim Schafer: [lacht] Das erste ist definitiv wahr, der Name Schafer hatte ursprünglich Pünktchen über dem „a“. Und ich glaube, Motörhead war die erste Gruppe mit einem Umlaut im Namen, also diese Punkte über dem zweiten „o“. Letztlich jedoch stellt unser „ü“ einfach ein Etikett dar, um die Leute wissen zu lassen, dass es in dem Spiel um Metal geht, aber auch um komödiantische Elemente.

Eurogamer: Ich habe kürzlich in einem Video gesehen, dass du es in weniger als vier Minuten schaffst, einen Zauberwürfel zu lösen.

Tim Schafer: Naja, im Normalfall geht es schneller, ich war bei dem Video etwas daneben ...

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