Tony Hawk's Pro Skater 1 + 2 Test - Die beste Art von Remake

Tony Hawk ist wieder wer!

Tony Hawk's Pro Skater 1 + 2 Test - Huch, was bin ich hiervon doch angetan! Ich bin nicht ganz sicher, weshalb ich dem Birdman dieses Comeback nicht zugetraut hatte. Vermutlich, weil die Serie der Enttäuschungen, die mir die unter seinem Namen seit mehr als zehn Jahren beigebracht wurden, so ihre Spuren auf meiner Achtung für diese Serie hinterlassen hatten. "Tony Hawk" - das steht jetzt schon länger für schlechte Spiele als für gute, egal, wie genial die ersten vier, fünf Teile waren. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen.

Aber Grundgütiger, ist das hier eine Erinnerung daran, warum Tony Hawk Anfang der 2000er einer der größten Spiele-Blockbuster war! Die Spiele machen in dieser umfassenden Neuauflage genau so viel Spaß wie damals, und das, obwohl ich zwischenzeitlich eigentlich Skate für zeitgemäßer, weil ein wenig näher an der Realität hielt. Tatsächlich fühlt sich das wilde und nicht weiter um physikalische Authentizität bemühte Kombinieren von Grabs, Kickflips, Grinds und Pirouetten, während man diverse an diverse Sammel- und Stunt-Checklisten seine Häkchen macht, so wunderbar sorglos und schamlos videospielig, dass es eine Freude ist.

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Ein Blockbuster meldet sich zurück. (Tony Hawk's Pro Skater 1 + 2 Test)

Warum klappt hier so gut, was die Dekade davor so bemitleidenswert schlecht für diese Serie lief? Immerhin versuchte Robomodo sowohl mit dem HD-Remaster des ersten Teils 2012 als auch mit einer Fortsetzung (Teil 5, der tatsächlich und ich schwöre existiert), den Geist dieser Spiele wieder einzufangen. Nun, jetzt ist der Entwickler ein anderer: Vicarious Visions! Und die kennen sich nicht nur mit Tony Hawk aus - betreuten sie doch die Reihe auf Handhelds - sondern haben auch mit der Crash Bandicoot N. Sane Trilogy bewiesen, wie gut sie darin sind, alte Stoffe ebenso respekt- wie maßvoll für die Neuzeit zu polieren.

Was ist neu in Tony Hawk's Pro Skater 1 + 2?

Das bedeutet, dass Fans die Anfänge dieser Serie direkt wiedererkennen werden, sich wegen der absolut zeitgemäßen Grafik die Augen reiben - und anschließend nie mehr zu den Originalen zurückkehren können. Denn das hier ist mehr als eine bloße visuelle Überarbeitung, es fühlt sich auch besser an als die Originale. Es ist ein richtiges Remake, nicht bloß ein Remaster. Man merkt es nicht nur am Aufbau, bei dem ihr aus dem Hauptmenü direkt in die Kampagnen des ersten oder zweiten Teils springen könnt. Ihr merkt es auch daran, dass die Tricks und Steuerung so gut wie alle Errungenschaften der späteren Tony Hawk's bis Underground (also die der guten Nachfolger) implementierten. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass ihr diese Spiele auch vom Feeling her direkt wiedererkennt, obwohl sie sich im Grunde nicht wie die Originale anfühlen, sondern wie ihre - rein vom Handling her - überlegenen Nachfolger.

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Habt ihr es einmal gespielt, kehrt ihr nie wieder zu den Originalen zurück. (Tony Hawk's Pro Skater 1 + 2 Test)

Das bedeutet, dass in THPS1 und 2 auch Manuals, Reverts und Wallplants möglich sind. Wem das in Sachen Neuerungen zu weit geht, der darf allerdings auch die alten Kontrollschemata wählen, muss dann aber auf diese Tricks verzichten (okay, THPS2 kannte zwar schon Manuals, aber die anderen beiden Techniken nicht). Nicht abschalten hingegen kann man die sichtlich flüssigeren Animationen. Dieses Spiel fühlt sich eine Ecke dynamischer und flinker an, wobei ich nicht sagen kann, ob das allein an der Tatsache liegt, dass ich es jetzt am PC in dreistelligen fps-Zahlen erlebe, was damals natürlich nicht möglich war.

Den Spielen tut diese neue Uniformität gut, springt ihr so doch ohne Probleme zwischen beiden hin und her, ohne dass euch eines dem anderen unterlegen vorkäme. Teil zwei ist einfach nur mehr - sehr viel mehr - von dem, was euch an Teil eins gefiel, und gleichzeitig vermisst man an diesen Remakes nichts, was den Nachfolgern einst ihre Daseinsberechtigung gab. Nahtloser kann man diese Reihe nicht in die Gegenwart hieven. Dazu gehört natürlich auch, dass man sich seinen Skater jetzt hübscher machen kann als je zuvor und man im Create-a-Park-Modus Kreationen auch online teilen darf. Und die Sachen, die Vicarious Visions beispielhaft ins Spiel integrierte, zeigen auch schon, in welche irren Richtungen das gehen kann. Ein Grind-Fest wie Roller Coast sollte man gesehen haben:

Die Grafik ist wie schon erwähnt extrem schmuck geraten. Gerade lichtdurchflutete Parks wie Venice Beach, aber auch das überarbeitete, verfallene Einkaufszentrum, machen extrem viel her (auch wenn ein paar Locations doch ein wenig steril wirken, weil außer euch hier nichts lebt) und wurden zum Teil auch durch neue Umgebungsdetails wie zum Beispiel Drohnen oder Tiere ausgeschmückt. Dass man weitere Sammelgegenstände integrierte, war Ehrensache. Die fügen dem Spiel jetzt nicht unbedingt signifikant unterschiedlichen Content hinzu, berücksichtigen aber zum Beispiel, dass ihr mit den Wallplants Orte erreicht, an die ihr vorher nicht gelangen konntet.

Toll ist auch, dass ihr euren eigenen Skater und seine Progression nahtlos von einem Spiel zum anderen mitnehmt, um ihn dort weiterzuentwickeln. Das ist spitze. Und wenn ihr mir jetzt die Pistole auf die Brust setzen würdet, um mich zu fragen, welche Songs vom Soundtrack für dieses Remake nicht erneut lizenziert wurden - ich könnte es nicht sagen. Alle meine Favoriten - Guerrilla Radio!! - sind dabei und es kamen ein paar ordentlich ruppige neue Lieder dazu, die gut zum Spiel passen.

Und was ist so wie immer?

Es ist also ein sehr elegantes Paket, das Activision Vicarious Visions hier schnüren ließ. Was hingegen nicht neu ist, sind die altbekannten Qualitäten dieser Klassiker. Zusammen mit einem Freund oder einer Freundin im Splitscreen kann aus "einen Abend mal THPS 1+2 ausprobieren" schnell ein wöchentliches Play-date werden, das regelmäßig länger geht, als man eigentlich wollte. Mikrotransaktionen sind weit und breit nirgends zu sehen, was nicht bedeuten würde, dass man nicht immer noch Bazillionen an Sachen zur Charakterindividualisierung freischalten und Cheats nutzen kann. Allgemein ist schwer zu beschreiben, wie treffsicher Tony Hawk's nach all den Jahren, die man es beinahe schon vergessen hatte, noch die richtigen Knöpfe bei mir drückt.

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Alte Qualitäten wurden neu verpackt. (Tony Hawk's Pro Skater 1 + 2 Test)

Ich bin nicht sicher, ob eine Aufgabe von einer Liste an To-dos abzuhaken jemals wieder so befriedigend war wie hier. Vielleicht liegt es am Zeitlimit? In der Kampagne in nur zwei Minuten alle S-K-A-T-E-Buchstaben oder thematisch angemessene andere gut versteckte Gegenstände zu finden, die wie in einem Jump-and-Run aus den Neunzigern riesengroß und leuchtend in der Luft schweben, schmeckt noch genauso nach "mehr!" wie vor zwanzig Jahren, ganz egal, wie oft man - buchstäblich - auf die Schnauze fliegt. Man übt, und guckt und macht, legt sich optimale Routen zurecht, auf denen sich vielleicht zwei, drei oder mehr Ziele auf einmal abschließen lassen und fühlt sich - wenn's klappt - wie der König der Welt.

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Tony Hawk's Pro Skater 1 + 2 Test - Fazit

Ich denke nicht, dass ihr noch viel mehr wissen müsst: Dieses Remake ist ein Knaller, nach dem ich für eine Weile erstmal kein Neues von der Sorte brauche. Sicher: den Leuten, die seit Jahren nach Skate 4 schreien, wird das auch nicht helfen. Aber vielleicht setzt ein Erfolg dieser Neuauflage ja ein Zeichen in Richtung EA, auch dem geerdeteren Konkurrenzprodukt noch mal eine Chance zu geben? THPS Fans kann es egal sein: Sie genießen wie ich für den Moment diesen selig machenden Ausflug in eine einfachere Zeit, und hoffen, dass ihre Finger diese Akrobatik noch mitmachen. Ich für meinen Teil kann mir gut vorstellen, es hier deutlich länger auszuhalten, als in vielen anderen der nett gemeinten Remakes und Remasters der letzten Jahre.

Tony Hawk ist wieder da. Wer hätte das gedacht?

  • Entwickler / Publisher: Vicarious Visions / Activision
  • Plattformen: PS4, PC, Xbox One (getestet auf PC)
  • Release-Datum: erhältlich
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: ca. 45 Euro, keine Mikrotransaktionen

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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