Too Human

Zwischen Frust und Lust

Ich hasse solche Situationen. Gerade mal vor einem Monat kam eine Preview-Version von Too Human in die Redaktion geflattert, die sich so gar nicht wie eine Preview anfühlte. Mal abgesehen von ein paar kleinen Clipping-Fehlern wirkte der Titel fertig und ließ sich auch noch komplett durchspielen. Klar gab es einige Macken, wie die zum Teil magere deutsche Sprachausgabe, die schwülstige Seifenoper-Story, die nicht immer Next-Generation-würdige Grafik und die seltsame Kamerakontrolle. Doch diese Probleme tauchen ebenfalls in der Vollversion auf.

Die vermeintliche Preview-Fassung war also theoretisch testfähig. Da allerdings der Release nun mal erst im August stattfindet, durften wir leider nur eine Vorschau verfassen, in der schon fast alles gesagt wurde.

Eigentlich kein Problem, schließlich konnte man damals keinen CoOp spielen. Dummerweise läuft die Test-Fassung nicht auf der normalen Konsole, sondern nur in der Debug-Version, die wiederum nur auf das Phantom-Netzwerk von Microsoft zugreifen kann. Zum Testen konnten wir uns also nicht einfach einloggen und ein Spiel suchen, sondern mussten Kollegen fragen, ob sie mit uns eine Runde aufs Parkett legen.

Das Ergebnis war überraschend gut, jedoch hat es wenig mit den realen Bedingungen von Xbox Live zu tun. Wir können also noch keine Aussage dazu machen, wie stabil der Titel zum Start läuft. Aber er funktioniert und macht im CoOp einen Haufen Spaß.

Die wenigen Partien zeigten, wie viel Potential in diesem Modus steckt. Besonders lustige Kombinationen, wie Bio-Engineer und Verteidiger, ergeben aufregende Kämpfe und ergänzen sich wunderbar. Während der Verteidiger fleißig Gegner bindet, kann der Bio-Engineer als Fernkämpfer Schaden anrichten und das Duo im Notfall heilen. Allerdings fehlt nach einer Weile einfach ein dritter oder vierter Mann. Statt mit einer richtigen Party loszuziehen und feste Rollen zu übernehmen, wirkt die Beschränkung auf 2 Spieler wie ein Handicap. Ein Gefühl, das einen auch bei vielen anderen Bestandteilen von Too Human beschleicht. Die Entwickler um den etwas durchgeknallten Denis Dyack sind zwar enorm kreativ, denken viele Ideen aber einfach nicht zu Ende. Oder es hat trotz der 8 Jahre-langen Entwicklung am Ende doch wieder nicht die Zeit gereicht.

Aber erst einmal der Reihe nach. Falls Ihr die Vorschau zu Too Human nicht gelesen habt, hier eine Zusammenfassung der Hintergrundgeschichte: Ihr übernehmt die Rolle von Baldur, dem Gott des Lichts, der von Hödur, seinem Bruder, durch eine List von Loki, dem listenreichen Halb-Asen und Sohn zweier Riesen, getötet wurde und mit Gewalt aus der Hand von Hel, der Göttin des Todes, befreit werden muss.

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Ein Defender in seiner ganzen Rüstungspracht.

Daraufhin schwört die Tochter des Loki Rache und will ihrem Vater helfen, Ragnarök herbeizuführen, das wiederum den Tod aller Asen zur Folge hätte. Baldur muss dies verhindern - was Euch auf den Plan ruft-, der, auferstanden von den Toten, auch seine Frau Nana sucht, die sich nach Eurem gewaltsamen Ende umgebracht hat.

Soweit alles verstanden? Wenn nicht, werdet Ihr mit der Story von Too Human nicht glücklich werden. Silicon Knights haben die Geschehnisse zwar in die Zukunft befördert und so den Wächter der Regenbogenbrücke, Heimdall, in einen Sachbearbeiter samt schwebendem Büro verwandelt, die Grundzüge der Geschichte halten sich aber grob an die Sagen der Wikinger und Germanen – Ausnahme Grendel: Die Figur aus dem Intro stammt aus der britannischen Mythologie um Beowulf und hat nichts mit den Asen zu tun.

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