Die etwas „Älteren“ unter Euch werden sich vielleicht noch an das 1990 veröffentlichte Rennspiel Stunts erinnern. Damals konnte man darin seine eigenen Rennstrecken aus vorgefertigten Teilen selbst zusammenstellen und anschließend mit dem Wagen ausprobieren. Eigentlich etwas verwunderlich, dass seither nicht viele andere Titel diese Möglichkeit angeboten haben.

13 Jahre nach Stunts gelang Entwickler Nadeo mit Trackmania der Durchbruch. In moderner Technik und dank süchtig machendem Gameplay, bringt das gleiche Spielprinzip auch heute noch eine Menge Spaß. Mit Trackmania United steht nun bereits der vierte Teil der Reihe in den Läden. Und ohne Zweifel ist es auch der Beste von allen.

Gold, Silber oder Bronze

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Diese Kurve führt Euch hoch hinaus.

Größtenteils dreht es sich in Trackmania United abermals um das Erzielen neuer Bestzeiten. Im normalen Rennmodus erwarten Euch dabei gleich sieben Themengebiete: Stadion, Insel, Wüste, Rallye, Bucht, Küste und Schnee. Diese wiederum teilen sich in die Schwierigkeitsgrade Start, Leicht, Normal, Schwer und Extrem auf. Die Stufe Start dient hierbei zur Eingewöhnung an die neuen Streckenabschnitte und Fahrzeuge, denn diese wechseln je nach Schauplatz. Eure Vehikel tragen jedoch nicht nur eine andere Haube, sondern unterscheiden sich teilweise auch sehr deutlich im Fahrverhalten. Während Ihr also in dem einem Wagen noch relativ locker durch die Kurven brettert, kippt das nächste Vehikel in ähnlicher Situation fast schon auf die Seite. Generell steuern sich die Autos verständlicherweise wenig realistisch, aber dafür äußerst schnell und genau. Der Spaß steht bei Trackmania United schließlich eindeutig im Vordergrund.

Richtig ernst wird es aber erst ab den nachfolgenden Schwierigkeitsstufen. Jede Strecke absolviert Ihr mehr oder weniger alleine, lediglich Geisterautos begleiten Euch - sofern gewünscht. Die Wagen repräsentieren verschiedene Zeiten. Wer also vor dem Gold-Auto ins Ziel kommt, der erhält dementsprechend die Goldmedaille. Sobald man die jeweilige Strecke im Schlaf beherrscht, steht mit dem offizielle Rennen der nächste Schritt an. Ist im Prinzip nichts anderes als vorher, jedoch wird am Ende Eure Zeit an den Server von Nadeo übermittelt, wodurch Ihr Euch mit anderen Spielern in einer Rangliste messt. Ein offizielles Rennen könnt Ihr zu jeder Zeit starten. Mit einem simplen Tastendruck auf das passende Symbol am linken Bildschirmrand geht es schon los. Gerade die offiziellen Rennen sind äußerst spannend. Schließlich muss man, um mit den Zeiten anderer menschlicher Fahrer mitzuhalten, nahezu perfekt fahren. Ein gröberer Fehler ruiniert zum Beispiel bereits die Bestzeit. Ich hab es aber immerhin einmal auf den zweiten Platz geschafft.

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Mit diesem Auto kann man ja nur gewinnen.

Ein wenig mehr Köpfchen verlangt da schon der Puzzle-Modus. Sofern Ihr hier einen Schauplatz auswählt, wirft Euch das Spiel erstmal in den Editor. Dort sind bereits Start, Ziel sowie Checkpoints vorgegeben. Was nun? Mit einer begrenzten Anzahl an Streckenteilen bastelt Ihr selbst den Kurs zusammen und müsst alle vorhandenen Stücke mit einbeziehen. Anschließend rast man auf der eben noch erstellten Piste wieder um die Bestzeit. Sofern es nicht ganz klappt, hapert es entweder an den eigenen Fahrkünsten oder am Streckendesign. Da hilft nur kontinuierliches Ausprobieren, um noch die entscheidenden Sekunden aus dem Kurs rauszukitzeln.

Im Modus „Plattform“ spielt die Zeit hingegen gar keine Rolle. Ihr fahrt im Prinzip so lange durch die Gegend, wie Ihr wollt. Dafür glänzen die Strecken mit zahlreichen kleinen und großen Hindernissen oder waghalsigen Sprüngen. Die gibt es zwar auch in den normalen Rennen, allerdings fällt es hier alles noch einen Tick extremer aus. Statt auf Schnelligkeit, kommt es viel mehr auf Genauigkeit an. Für die Medaillen solltet Ihr nämlich möglichst fehlerfrei arbeiten. Wer von der Strecke abkommt, der muss wohl oder übel die Eingabetaste betätigen und wird dadurch zum letzten durchquerten Checkpoint zurückgesetzt. Ziel des Plattform-Modus ist es, eine Strecke mit möglichst wenig – am besten gar keinen – Neustarts zu absolvieren.

Aktive Community

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Jeder Spieler kann eigene Inhalte zum Kauf anbieten.

Neben den äußerst gelungenen Rennen sind aber besonders die Community-Features von Trackmania United sehr beeindruckend. Bei der Accounterstellung zu Beginn des Spiels wählt Ihr neben Eurem Bundesland auch die am nächsten gelegene Stadt aus. In den offiziellen Rennen werden dadurch bereits automatisch die Zeiten von Fahrern aus Eurer näheren Umgebung angezeigt – sehr praktisch. Aber das ist längst nicht alles.

Ihr könnt Gruppen beitreten oder eine eigene kleine Website einrichten. Auf letzterer bietet man selbst erstellte Strecken, Fahrzeuge, Avatare, Mods und alles, was das Herz begehrt, zum Kauf an. Bezahlt werden diese Dinge nicht etwa mit echtem Geld, sondern mit Coppers. Diese Trackmania-Währung verdient Ihr Euch durch das Absolvieren von offiziellen Rennen, wobei man für Bronze 5, für Silber 10 und für Gold 15 Copper erhält. Wer nun beispielsweise eine neue Rennstrecke kauft, der wartet lediglich auf den vollendeten Download und kann anschließend sofort mit der Probefahrt beginnen. Das alles passiert übrigens im Spiel selbst, nicht etwa in einem externen Browser.

Abgesehen von den offiziellen Rennen dürft Ihr selbstverständlich noch in weiteren Mehrspieler-Modi gegeneinander antreten. Dabei bestreitet Ihr Turniere, Zeit- und Teamrennen sowie Rundkurse. Dank des erneut enthaltenen Streckeneditors ist der Nachschub an neuen Rennpisten quasi unbegrenzt. Darin lassen sich jeder der zu Anfang beschriebenen Schauplätze und unterschiedliche Tageszeiten auswählen. Ob die Strecke selbst dann eher auf dem Boden oder viel mehr in luftigen Höhen spielt, bleibt ganz Euch überlassen.

Entwickler Nadeo hat die besten Elemente aus den vorherigen Teilen in Trackmania United gepackt und es um wirklich geniale Community-Features erweitert. Wenn mir einmal die vorgefertigten Strecken ausgehen, dann kann ich entweder meiner Kreativität im Editor freien Lauf lassen oder investiere ein paar der verdienten Coppers in den integrierten Kaufmenüs. In Sachen Abwechslung, Langzeitmotivation und Unterstützung sowie Einbindung der Fangemeinde, ist der Titel dem Großteil der Konkurrenz jedenfalls meilenweit voraus. Auf meiner persönlichen Wunschliste steht aber weiterhin ein Spielmodus, in dem ich mit echten Gegnern auf der Strecke fahre und diese von der Piste drängeln kann. Ein Schadensmodell dürfte bei den zum Teil spektakulären Abflügen und Unfällen auch recht nett anzuschauen sein – man denke dabei zum Beispiel an Burnout Revenge. Wie dem auch sei, Fans von Fun-Rennspielen kommen an Trackmania United nur schwer vorbei.

9 /10

Trackmania United ist bereits seit dem 20. Februar im Handel erhältlich – wir waren nur anderweitig beschäftigt.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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