Twin Mirror - Wenn Life is Strange erwachsen wird

Vom Teenie-Drama zum Thriller.

Sam Higgs möchte nicht nach Basswood zurückkehren. Zu viele schlechte Erinnerungen verbinden ihn mit diesem Ort. Und die Neueste davon, die ihn dorthin zurückführt, ist nicht besser: sein bester Freund Nick ist gestorben und er macht sich auf den Weg in seine alte Heimat, um der Beerdigung beizuwohnen.

Twin Mirror beginnt damit, dass der ehemalige Investigativjournalist an einem kleinen Rastplatz oberhalb von Basswood einen Zwischenstopp einlegt und den Blick über das Städtchen schweifen lässt. In den ersten Momenten fällt auf, dass Twin Mirror einen deutlichen Schritt weg von den beiden Coming-of-Age-Dramen in Life is Strange macht. Die Umgebung wirkt realistischer, düsterer. Kein Wunder, wenn Dontnod nach eigenen Aussagen in einer kurzen Präsentation der ersten zirka 20 Minuten davon spricht, die Atmosphäre eines Thrillers erzeugen zu wollen.

Wenngleich es natürlich einzelne Elemente mit Life is Strange teilt. Ihr bewegt euch durch die Umgebung, untersucht Objekte, trefft Entscheidungen mit Konsequenzen. Und es überrascht nicht, dass es in Twin Mirror ebenso einen Aspekt gibt, durch den das Spiel eine Art übernatürlichen Touch erhält. In diesem Fall ist das zum einen der Gedankenpalast, in den Sam regelmäßig eintaucht. Eine mysteriöse Umgebung voller gläserner Elemente, in der Erinnerungsfetzen um ihn herum schweben und in der er alte Erinnerungen erlebt.

Nicks Tochter vermutet in Twin Mirror das hinter dem Tod ihres Vaters mehr steckt
Nicks Tochter vermutet in Twin Mirror, dass hinter dem Tod ihres Vaters mehr steckt.

Es ist eine innere, surreale Welt von Sam. "Segen und Fluch zugleich", heißt es in Bezug auf die lebensverändernden und zum Teil unangenehmen Momente, die er dort erneut erlebt. Gleich zu Anfang ist das zum Beispiel ein Rückblick auf einen missglückten Heiratsantrag an seine Ex-Freundin. Was am Ende dazu führte, dass er Basswood verließ und ungern zurückkehrt, weil sie noch dort wohnt. Während sich Sam in diesem Gedankenpalast aufhält, verliert er regelmäßig die Zeit aus den Augen und verpasst kurzerhand die Beerdigung...

Nach dieser verpassten Gelegenheit macht sich Sam auf den Weg zu einer Bar, wo ein Treffen mit den anderen Bekannten geplant ist. Davor trifft er auf Nicks 13-jährige Tochter, die zugleich seine Patentochter ist. Sie konfrontiert ihn damit, dass er die Stadt verlassen und den Kontakt zu ihr eingestellt hat. Zugleich ist sie überzeugt, dass beim Tod ihres Vaters nicht alles mit rechten Dingen zuging. Daher bittet sie Sam darum, die Sache zu untersuchen. Und ihr entscheidet, ob ihr mitspielt oder versucht ihr das auszureden. Dontnod zufolge gibt es hier "keine richtigen oder falschen Antworten", jeder Spieler schreibe seine eigene Geschichte.

Einen zusätzlichen Denkanstoß erhaltet ihr während des Gesprächs mit ihr durch ein imaginäres Alter Ego, eine Art Zwilling von Sam, den allein er sieht. Dontnod nennt es "The Double" und er bietet euch eine alternative Sichtweise auf die Dinge, die ihr dann bei euren Entscheidungen berücksichtigt oder nicht. Den Entwicklerns zufolge ist er bei allen entscheidenden Momenten präsent. Momente, in denen ihr Entscheidungen trefft, die dauerhafte Folgen nach sich ziehen sollen.

The Double bietet euch in Twin Mirror alternative Perspektiven
The Double bietet euch in Twin Mirror alternative Sichtweisen.

In der Präsentation versucht Sam seiner Patentochter ihre Gedanken auszureden, woraufhin sie sich auf den Weg nach Hause macht. Und er betritt die Bar. Was ihn dort erwartet, das lässt Dontnod für den Moment offen. Die Vermutungen seiner Patentochter deuten indes an, dass es hier ein oder mehrere Mysterien zu ergründen gibt. Welche das sind, bleibt abzuwarten.

Ausgehend von dem, was Dontnod bisher zeigte, startet Twin Mirror ruhiger als die beiden Life-is-Strange-Spiele, in denen ihr früh einen Moment habt, der alles für die Protagonisten verändert. Hier streuen die Entwickler zu Anfang eher interessante Andeutungen, die neugierig auf das machen, was da noch folgt. Es ist eine angenehme Abwechslung von den Coming-of-Age-Geschichten, die die Entwickler zuletzt erzählten. Life is Strange ist einfach erwachsen geworden. Und nach dem Erwachsenwerden rücken andere Dinge in den Fokus des Lebens, wie Twin Mirror zeigt. Ich bin nach den ersten 20 Minuten gespannt, wie es weitergeht.

Entwickler/Publisher: Dontnod/Bandai Namco - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Erscheint: 2020

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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