Wenn wieder mal Elfen, Orks, Menschen und andere Kreaturen über den Bildschirm huschen, dann ist eines sicher: Hier läuft ein Online-Rollenspiel.

Wir leben heute in einer Zeit, in der immer mehr solcher Titel erscheinen oder angekündigt werden. Ich könnte jetzt eine ganze Menge davon aufzählen, aber das würde zu viel Platz beanspruchen. Einige der Ex-Entwickler des alten, aber immer noch populären EverQuest haben sich unter dem Namen Sigil Games neu formiert und ein weiteres Online-Rollenspiel gebastelt: Vanguard. Das bedeutet übersetzt Vorhut, Spitze oder Führung. Betrachtet man jedoch das derzeitige Produkt, dann kann von der Pole Position absolut keine Rede sein.

Wer bin ich?

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Höhenangst? Dann besser nicht das Startgebiet der Waldelfen besuchen.

Zu Beginn des Spiels wartet natürlich die obligatorische Charaktererstellung auf Euch. Neben zahlreichen Rassen – darunter Dunkelelfen, Barbaren, Zwerge oder Gnome – stehen ebenso viele Klassen zur Auswahl. Allerdings sind bestimmte Berufe nicht von allen Rassen wählbar. Ein Halbling muss zum Beispiel die Finger vom Blutmagier lassen. Sofern Ihr Euch entschieden und einen passenden Namen gewählt habt, geht es weiter zum nächsten Bildschirm: Dem Aussehen. Durch unzählige Schieberegler verpasst man seiner Figur ein individuelles Erscheinungsbild. Muskulös oder dürr? Groß oder klein? Sehr viele Dinge lassen sich einstellen. Etwas spärlich ausgefallen sind bei manchen Rassen aber die Frisuren oder Bemalungen im Gesicht.

Sofern Euer virtueller Schützling fertig ist, werdet Ihr auch schon in die große weite Welt von Vanguard geworfen. Nach dem Einloggen landet Ihr gänzlich ohne Vorgeschichte auf der je nach gewählter Rasse unterschiedlichen Insel und macht Euch auf die Suche nach dem ersten Questgeber, der zum Glück nur ein paar Schritte entfernt steht. Diese verteilen kleinere Aufgaben, währenddessen Ihr Euch dank zusätzlicher Pop-Ups mit der Steuerung und den zahlreichen Möglichkeiten des Spiels vertraut macht. Ein Großteil der anfänglichen Quests verläuft allerdings wieder nach dem Prinzip „Töte X Gegner“, „Besorge X Gegenstände“ oder „Liefere Item X von A nach B“. Zwar gibt es durchaus Ausnahmen, jedoch sind diese vergleichsweise relativ selten vorzufinden.

Size does matter

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Vorsicht, bissiger Frosch.

Die Welt von Vanguard lässt sich weniger mit der von EverQuest 2 oder World of WarCraft vergleichen, sondern viel mehr mit Star Wars Galaxies, ebenfalls von Sony Online Entertainment. Alle drei Inseln sind schlicht riesig und bieten jede Menge Raum zur Erkundung. Viel Platz bedeutet aber auch gleichermaßen, dass die Wege sehr lang ausfallen – besser gesagt sehr, sehr lang. Bis Ihr zum nächsten Questgeber gelangt, verstreichen durchaus mal ein paar Minuten. Besonders extrem kann die Wartezeit sein, wenn Ihr per Schiff zu einer anderen Insel reist.

Wer das Transportmittel beispielsweise kurz vor dem Auslaufen verpasst, der muss sich je nach Zielort 20 Minuten lang gedulden, bis es wieder zurückkehrt. Die Überfahrt selbst dauert dann ebenfalls nochmal 10 Minuten. Und dabei dachte ich, die 10 Minuten Wartezeit auf die Shuttles in den Anfangszeiten von Star Wars Galaxies waren lang. So kann man sich irren. Wenn ich aber im Extremfall eine halbe Stunde warten muss, um die nächste Insel zu erreichen, dann darf von Spielspaß keine Rede mehr sein.

Glücklicherweise gibt es aber für den Landweg schon früh Abhilfe in Form von Pferden. Das erste Reittier ist bereits ab Level 10 erhältlich und kostet gerade mal ca. 12 Silber. Diese Summe stellt, sofern man fleißig Quests erledigt, kein großes Problem dar. Gruppenaufgaben werden bei deren Annahme übrigens praktischerweise als solche markiert. Stellt Euch vor, Ihr müsstet erst zum Zielort reisen, um dann dort festzustellen, dass die jeweilige Quest nicht alleine bewältigt werden kann. Gerade bei der großen Welt wäre dies sicher ärgerlich, aber solche Situationen erspart Vanguard dem Spieler - zum Glück.

Weniger gelungen ist wiederum die Karte. Der Lageplan zeigt lediglich grob die Umrisse einer Insel, ist ansonsten jedoch wenig interaktiv. Zum Beispiel könnte man die Karte für einen besseren Überblick doch schön in jede beliebige Himmelsrichtung bewegen. Aber: Fehlanzeige. Stattdessen ist der Mittelpunkt auf Eure aktuelle Position fixiert, lediglich rein- und rauszoomen darf man. Sie sollte natürlich keinesfalls alle Geheimnisse der Welt verraten, aber wenn ich bei manchen Quests keinen Schimmer habe, wo sich denn die zur Erfüllung der Aufgabe nötigen Objekte befinden, dann schlägt das relativ schnell in Frust um.

Auf in den Kampf

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Die Diplomatie ist ein interessanter neuer Spielaspekt.

Den umfassendsten Part von Vanguard strickt mit Sicherheit das Kampfsystem. Jede Klasse bietet zahlreiche verschiedene Angriffsmöglichkeiten an. Diese beschränken sich nicht nur auf Manöver, die mit einem simplen Tastendruck ausgelöst werden. Manche Attacken erfordern zum Beispiel erstmal eine vorgegebene Anzahl an Schlägen, die Ihr in einer bestimmten Reihenfolge ausführt. Wenn der mächtige Spezialangriff dann verfügbar ist, lässt er sich innerhalb eines kurzen Zeitlimits aktivieren. Andere Manöver geben Euch mitunter nach dem Auslösen einen Bonus auf die nächste Attacke. Voraussetzung dafür ist vorher allerdings ein abgewehrter Hieb des Gegners. Einzelne Spieler können es durchaus mit zwei Gegnern von gleichem Level aufnehmen. Dabei solltet Ihr jedoch zwingend auf die Anzeige neben dem Namen des Feindes achten, die so genannten „Dots of Death“. Je mehr Punkte dort erscheinen, desto schwieriger beziehungsweise tödlicher ist das Ziel für Euch.

Falls der Sensenmann dann doch mal zuschlägt, ärgert man sich möglicherweise nicht nur über den Tod an sich. Erstmal bleibt Eure Leiche für maximal 10 Minuten in der Gegend liegen und lässt sich von einem Heiler wieder ins Reich der Lebenden zurück befördern. Oder Ihr leitet die sofortige Wiederbelebung am nächstgelegenen Altar ein. Greift Ihr zur zweiten Alternative, seid Ihr lediglich noch im Besitz von den seelengebundenen Gegenständen, die Ihr zuvor mittels entsprechenden Kristallen beim Händler fixieren könnt. Die restlichen Items befinden sich weiterhin bei Eurem Grabstein am Ort des Todes. Und der Weg dorthin kann – wie zuvor erwähnt - stellenweise sehr lang sein. Wer dann möglicherweise ohne Ausrüstung auf wieder auftauchende Gegner trifft, der darf gleich nochmals die Radieschen von unten begutachten. Ausweg: Ist keine ungefährlichere Passage erkennbar, teleportiert Ihr einfach Euren Grabstein zum Altar. Dummerweise hat das aber weitere negative Auswirkungen: Die Gegenstände erhalten noch mehr Schaden.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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