Warum ich die neue Nintendo Switch mit OLED nicht haben muss, aber unbedingt haben will!

Angefasst und ausprobiert: Das hat das kommende neue Switch-Modell zu bieten.

Gleich zum Erscheinen 2017 habe ich mir eine Switch zugelegt: Spielen am TV und unterwegs, ohne Kabelsalat und Fummelei, das war genau das, was ich gesucht hatte. Also wurde die treue PS Vita als Reisebegleiter frühzeitig in Rente geschickt und fortan mit Mario und Link die Zeit bestens vertrieben.

Groß meckern kann ich wirklich nicht, weder driftende Joy-Cons noch rapide nachlassende Akkulaufzeiten haben mir bislang den Spielspaß verdorben. Trotzdem wurde ich bei jedem vermeintlichen „Leak" aus der Gerüchteküche hellhörig, wenn von einem jetzt aber wirklich bald kommenden Pro-Modell oder gar einer Switch 2 die Rede war.

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Mein persönlicher Kaufgrund Nummer Eins ist das kristallklare 7 Zoll OLED-Display, das mich bekannte Spiele neu erfahren lässt.

Erstmal kam aber eine Switch Lite für alle, die auf Zocken an einen Großbild-Fernseher komplett verzichten können und eher eine Gameboy-Alternative für die stetig wachsende Switch-Spielebibliothek suchen. Also weiter in Geduld üben, Nintendo wird schon noch liefern, immerhin kommt die Hardware bei grafisch anspruchsvollen Games schon jetzt kräftig ins Schwitzen. Anfang Juli diesen Jahres war es dann endlich soweit, Nintendo verkündet offiziell, dass eine Nintendo Switch OLED am 8. Oktober 2021 erscheint.

Die neue Switch: Alles beim Alten?

Dass es sich dabei aber lediglich um eine Hardware-Revision handelt, die eine Erweiterung der bestehenden Switch-Familie darstellt, und nicht um ein von Grund auf neues Gerät, hat für kollektive Ernüchterung gesorgt. Auch ich habe nach dem Ankündigungstrailer kaum mehr als ein Schulterzucken übriggehabt und wollte das Thema schon für mich abhaken. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als ich das neue Modell dann selbst in Augenschein nehmen und ausprobieren konnte.

Allein von den technischen Fakten her mag kaum Begeisterung aufkommen: Der betagte NVIDIA Tegra Chip versieht im Innern weiterhin seine Arbeit und es bleibt bei der maximalen 720p-Auflösung im Handheld-Modus sowie Full-HD am TV, die Joy-Cons, sowie der verbaute Lithium-Ionen-Akku sind exakt gleich, und der auf 64 GB verdoppelte interne Speicher sorgt jetzt auch nicht für eine merkliche Leistungssteigerung. Einzig die neuen Lautsprecher sorgen für eine hörbare bessere Klangqualität und auch in lauten Umgebungen geht der Klang des Spiels nicht gnadenlos unter.

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Kaufgrund Nummer Zwei: Das neue Dock ist deutlich hochwertiger verarbeitet, steht dank Gummierung an der Unterseite bombenfest auf seinem Platz und verfügt über einen LAN-Anschluss.

Warum sollte man sich das OLED-Modell also zulegen? Nur weil es, neben den Standardfarben des Originals, auch mit weißen Joy-Cons und weißem Dock angeboten wird? Gut, für mich persönlich wäre das edel anmutende Design tatsächlich ein Kaufgrund, aber was wirklich überzeugt, ist das kristallklare Display, eine Reihe sinnvoller Detailverbesserungen und das deutlich hochwertige Dock.

OLED und Nintendo Switch: Eine optische Offenbarung

Größer, schärfer, bunter: Das Highlight ist zweifelsfrei der neue OLED-Bildschirm, der dank schmalem Rahmen des Gehäuses nun 7 Zoll einnimmt, immerhin 0,8 Zoll oder etwas über 2 cm mehr in der Diagonalen als das LCD-Display des Originals. Und was soll ich sagen, nach dem ersten Einschalten meines neuen 4K-TV den ich mir gegönnt habe, gab es für mich den zweiten optischen WOW-Effekt dieses Jahr. Die Farben der Regenbogenstrecke in Mario Kart springen mich förmlich an, Partikeleffekte, die ich bislang nur vermuten konnte, sind deutlich zu sehen, jedes Quadrat der Fahrstrecke ist messerscharf voneinander getrennt, die Tiefenschärfe enorm.

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Endlich kein klappriger Standfuß mehr, der breite und vor allem stabile Kickstand ist stufenlos verstellbar.

Auch bei Super Mario Odyssey und The Legend of Zelda: Breath of the Wild, zwei Spiele, die ich verschlungen habe und eigentlich dachte, ich würde jedes Pixel kennen, bieten jede Menge optische Überraschungen. Nein, die Spiele wissen nicht, dass sie nun auf einem OLED-Display laufen, es gibt einfach viel mehr zu erkennen und entdecken, was bisher im LCD-Matsch untergegangen ist. Als ich mit Link nach seiner Auferstehung das erste Mal die offene Spielwelt betrete, die sich mit einem Blick über die Landschaft eröffnet, hatte ich sofort wieder Lust von vorne anzufangen, alles wieder neu zu entdecken und in der neuen knackscharfen Pracht zu erleben.

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Familienzuwachs: Das Switch OLED-Modell ist technisch weitgehend identisch mit dem Original und der Lite, bietet für reine Handheld-Zocker aber mit Abstand das beste Bild.

Bevor ich jetzt aber in Schwärmerei abdrifte, noch zu weiteren Vorzügen des Bildschirms: Ärgerliche Spiegelungen sind weitgehend ausgeschlossen und der Blickwinkel ist eigentlich immer perfekt. Spielt ihr mit Freunden gemeinsam und stellt die Switch auf den Tisch, braucht ihr euch nicht um den besten Platz zu balgen, auch weiter seitlich sitzende Mitspieler haben immer alles im Blick. Apropos hinstellen, der neue Standfuß ist eine echte Erleichterung. Das klapprige Stück Plastik des Originals ist einem breiten und stabilen Kickstand auf der Rückseite gewichen, der sich stufenlos verstellen lässt und dann auch dauerhaft in der gewünschten Position bleibt.

Das bessere Dock gibt es auch für die alte Switch

Auch wenn der Fokus klar auf dem OLED-Display liegt, bietet aber auch das Dock eine deutliche Verbesserung gegenüber dem der original Switch, das immer wirkte, als ob es von einem Dritthersteller günstig zugekauft wurde. Das neue Dock ist voluminöser, haptisch wertiger, steht dank Gummierung auf der Unterseite bombenfest auf seinem angestammten Platz und bietet neben einer cleveren Kabelführung auf der Rückseite auch einen eingebauten LAN-Port.

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Joy-Cons und Docks sind Cross-kompatibel und lassen sich zwischen Original oder OLED-Modell beliebig austauschen.

Wenn ihr euch in der internationalen Rangliste von Super Smash Bros. Ultimate tummeln möchtet oder Battle Royale-Gefechte in Fortnite mögt, die heimische WLAN-Verbindung aber zu wünschen übriglässt, dann verbindet die Switch mit einem Ethernet-Kabel und freut euch über eine lag-freie Internet-Anbindung. Ist euch OLED egal, aber könntet das neue Dock gut gebrauchen, dann ist das auch einzeln zu bekommen. Genau wie die Joy-Cons sind auch die Docks vollständig kompatibel und ihr könnt Zubehör munter zwischen den Varianten tauschen.

Einen wirklichen Test konnte ich noch nicht vornehmen, dafür war die Zeit einfach viel zu kurz. Aber das erste Hands-on hat mir Appetit auf das OLED-Modell gemacht. Die Qualität des Displays überzeugt mich auf der ganzen Linie und ich bin mir sicher, dass ich auch schon längst durchgezockte Spiele wieder anfange, nur um zu sehen, was ich grafisch alles so verpasst habe. Nutzt ihr die Switch überwiegend am TV gibt es allerdings keinen handfesten Grund das Original in Rente zu schicken, technisch erwarten euch keinerlei Vorteile und Docks gibt es auch separat. Mein persönliches Fazit: Ich muss das OLED-Modell nicht haben. Aber ich will es und hoffe das mir diesmal keine Scalper die Freude verderben.

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Sieht edel aus: Neben dem Farbschema des Originals mit blauen und roten Joy-Cons sowie schwarzem Dock, erscheint das OLED-Modell auch in weißem Design.

Hier noch ein paar offizielle Bilder zum Anschmachten:

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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