Tails of Iron oder wie man dem Ausdauerbalken den Kampf ansagt und trotzdem ein Soulslike mit Anspruch bleibt

Wer braucht schon Ausdauerbalken? Tails of Iron jedenfalls nicht. Und trotzdem bietet das Soulslike anspruchsvolle Kämpfe.

Normalerweise sind ich und Souls- beziehungsweise Soulslike-Spiele nicht die besten Freunde. Umso gespannter war ich auf mein Abschneiden, als mich mir vor kurzem das Soulslike Tails of Iron von Entwickler Odd Bug Studio näher anschaute und anspielte - und dabei schaute mir Producer und Designer Jack Bennett via Stream über die virtuelle Schulter, um mich mit dem Titel vertraut zu machen und mir dessen Feinheiten zu vermitteln. Bloß keinen Druck ausüben. Aber gut, am Ende lief's dann doch ohne größere spielerische Peinlichkeiten und ich schlug mich ziemlich gut, beendete den Demo-Abschnitt ein wenig schneller als gedacht.

Schauplatz ist ein schön gestaltetes Königreich im handgezeichneten 2D-Stil, in dem es um Ratten geht. Hey, nichts gegen Ratten, die hier sind nett! Die Frösche, die sich euch entgegenstellen, das sind die Bösen. Ihr spielt Redgi die Ratte und müsst mit ansehen, wie die Frösche euer Königreich überrennen, alles in Schutt und Asche legen. Zum Glück für euch habt ihr überlebt und sucht nun nach einem Weg, euch in diesem Fantasy-Adventure an dem Frosch-Clan zu rächen und ihn zu vertreiben. Aber es hat ja keiner behauptet, dass das einfach wird!

Auch nicht Doug Cockle, den ihr wahrscheinlich am ehesten als die Stimme von Geralt von Riva aus The Witcher kennt und der hier den Erzähler der Geschichte mimt. Und während er euch erzählt, was im Königreich so alles passiert, nehmt ihr es in sechs verschiedenen Biomen mit allerlei Fröschen auf. Wie gesagt, ein Kinderspiel ist das nicht, ihr lauft nicht einfach Schwert schwingend durch die Gegend und metzelt alles, was nicht bei zwei auf den Bäumen ist, mit ein paar Hieben nieder.

Tails of Iron erfordert behutsames Vorgehen

"Was ich immer erwähne, ist Der Wind in den Weiden", erzählt mir Bennett beim Anspielen im Hinblick auf die Inspiration für Tails of Iron. "Einfach diese Vorstellung, dass die Leute diese kleine, niedliche Welt mit Ratten oder verschiedenen pelzigen Tieren mögen. Und für uns als Entwickler ist es interessant, diese Zivilisation zu haben, innerhalb der wir Geschichten aufbauen können. Das war es also, was uns angesprochen hat. Und natürlich war das zusammen mit den Ratten, die auf den Haustieren unseres Directors basieren, ein nettes Paket, das wir schnüren konnten."

Tails of Iron konzentriert sich dabei vornehmlich auf die Kämpfe, in denen euch gutes Timing und eine gute Beobachtungsgabe definitiv weiterhelfen. Analysiert die Angriffsmuster eurer Gegner und reagiert darauf, dann habt ihr es leichter. Schwieriger ist's auf jeden Fall, wenn ihr es gleichzeitig mit Feinden zu tun bekommt, die unterschiedliche Attacken durchführen und verschiedene Waffen mit abweichender Reichweite einsetzen. Das treibt den Puls in die Höhe, denn allzu viele Treffer hält euer kleiner Rattenfreund nicht aus.

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Zu Anfang ist noch alles toll. Aber das ändert sich schnell.

Die gute Nachricht ist, dass ihr euch alleine darauf fokussieren könnt, ohne noch eine Ausdauerleiste im Auge behalten zu müssen: "Die meisten Soulslikes haben einen Ausdauerbalken, aber wir haben ihn komplett entfernt, weil wir wollen, dass du dich konzentrierst und verstehst, was die Gegner tun", erklärt Bennett die Entscheidung. "Sobald du weißt, was sie tun und wie ihr Angriffsmuster aussieht, wird es viel interessanter. Anstatt dich auf einen Balken zu konzentrieren, fragst du dich: 'Kann ich dies tun? Kann ich das tun?'. Und das alles hängt nicht von einer Leiste ab, sondern von deiner Reaktion auf den Feind. Das hilft den Leuten dabei, zu lernen, was vor sich geht."

Von einem Kampf zum nächsten

Und es bleibt im Großen und Ganzen ein Kampf-fokussiertes Abenteuer: "Es gibt keine Physikrätsel oder ähnliches, alles ist Kampf-basiert", betont er. "Das Wichtigste, was einen weiterbringt, ist die Geschichte, also gibt es Quests, bei denen du mit anderen Charakteren spielst, mit verschiedenen Figuren aus der Welt, die dir bei der Suche helfen, und solche Sachen. Es gibt also andere Elemente im Spiel, die nicht nur rein auf dem Kampf basieren. Es gibt auch Quests, bei denen du Gegenstände für verschiedene Charaktere und andere Dinge sammelst, also ist nicht komplett alles Kampf-basiert."

Gegenstände sammelt ihr zudem hier und da in der Welt ein, zum Beispiel in Form von Zutaten, aus denen ihr Dinge bastelt. Ihr müsst auf eure begrenzte Gesundheit achten, die sich mit einem Schluck aus eurer Trinkflasche wieder auffüllen lässt, sofern noch was drin ist - also regelmäßig auffüllen. Und nicht vergessen, sich unterwegs auf die ganzen Bänke zu hocken, denn die dienen als Speicherpunkte. Bennett weist beim Anspielen mehrmals darauf hin, diese nicht zu ignorieren, um im Fall der Fälle nicht zu viel Fortschritt zu verlieren.

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Die Frösche haben ein Problem mit den Ratten.

Darüber hinaus findet ihr vereinzelt neue Ausrüstung in Form von Waffe, Rüstung, Helm und Schild. Die haben unterschiedlich starke Werte und wirken sich obendrein auf euer Gewicht aus. Je stärker ihr euch schützt, desto schwerfälliger sind eure Bewegungen. Abhängig davon, wie gut ihr im Allgemeinen beim Ausweichen seid, könnt ihr euren Spielstil somit ein wenig anpassen. Setzt ihr auf Schwert und Schild? Oder doch lieber auf eine Lanze, die eure Reichweite ein gutes Stück erhöht? Da hilft nur ausprobieren.

Kein Easy-Mode in Tails of Iron

Apropos ausprobieren: das ist hier definitiv ein guter Ratschlag. Zumal ihr nicht einfach auf einen anderen Schwierigkeitsgrad wechseln könnt. Einen Easy-Mode gibt's ebenso wenig, der würde nach Ansicht von Bennett der Geschichte widersprechen: "Es gibt keinen leichten Modus, und der Grund dafür ist, dass du buchstäblich um dein Königreich kämpfst. Du bist eine Ratte und nimmst es mit einer Armee von Fröschen auf, also wäre es fast das Gegenteil von dem, was die Geschichte erzählt, wenn wir es leicht machen würden. Du wirst schrittweise in das Spiel hineingeführt, und falls du immer noch Probleme hast, kannst du jederzeit das Tutorial wiederholen. Ich habe das Gefühl, dass wir ein gutes Gleichgewicht gefunden haben, es gibt keinen leichten oder superschweren Modus."

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Bastelt euch unter anderem neue Ausrüstung zusammen.

Und ausgehend von dem, was ich spielen konnte, gebe ich Bennett Recht, was das Gleichgewicht anbelangt. Unbedachtes Handeln, ohne sich groß Gedanken zu machen, resultiert schnell im Tod. Wer seine Umgebung liest, analysiert und sich die perfekte Reaktion darauf zurechtlegt, ist definitiv im Vorteil. Und wie lange dauert das alles? "Das hängt ganz von den Fähigkeiten ab", sagt er. "Ich würde sagen, um das Hauptspiel abzuschließen, brauchst du wahrscheinlich zehn, elf Stunden. Und um alle Extras abzuschließen, sind es voraussichtlich um die zwölf Stunden, bis du die Nebenbosse und andere Dinge erledigt hast. Aber auch das hängt allein von den eigenen Fähigkeiten ab."

Es ist ein spannendes, kleines Soulslike. Und eines, auf das ihr nicht mehr lange warten müsst. Tails of Iron erscheint am 17. September 2021 für PlayStation 5, Xbox Series X/S, Xbox One, PS4, Nintendo Switch und PC.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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