Watchmen: The End is Nigh

Old School Violence

Double Dragon. Final Fight. Streets of Rage. Die 8 und 16-Bit Ära war gepflastert von Brawlern, denen nichts anders einfiel, als Euch linear durch die Register des Kloppens zu schicken. Auf geraden Pfaden, nur nicht nach links und rechts gucken, und ansonsten dem nächsten Freak immer in die Fresse rein. Wer braucht schon mehr als drei Tasten und Gehirnzellen?

Es war ein unschuldiges, beklopptes, brutales, aber auf seine comicmäßige Art entschärftes Vergnügen, dessen Spaß wohl irgendwo eine Reaktion im Kleinhirn auslöste, die unseren männlichen Trieb zu Siegen und zu Töten befriedigte. Und genau auf dieser Testosteron-Welle reitet Watchmen: The End is Nigh herein. Zurück in die 80er. Mit dem Look des neuen Jahrtausends. Wird’s noch besser?

Watchmen basiert auf dem kommenden Kinofilm von Zack Snyder, der wiederum auf dem in nicht nur erfolgreichen, sondern sogar kulturell recht anerkannten – und trotzdem guten - Comic Alan Moores fußt. Angesichts von Snyders Tendenz, sich und seine bisherigen (beiden) Filme ernster zu nehmen als es ihnen gut tut, bleibe ich persönlich kinotechnisch auf Wartestellung. Das erste von einer Reihe von Downloadspielen fängt Charme und Witz der beiden ungleichen Helden Rorschach und Nite Owl aber schon jetzt gekonnt ein. Wobei ich nicht so weit gehen würde, dass hier Persönlichkeitsstudien des brutalen, abgeklärten Rorschach und des eher konservativen, Cape tragenden Helden Nite Owl zu finden wären.

Sie palavern einfach frisch und schmerzfrei vor sich hin, liefern spritzige Oneliner genauso auf den Punkt wie einen kleinen Schwatz, der den Weg zur nächsten Feindeshorde auffrischt. Damit kaschiert Watchmen ein wenig die Schmalbrüstigkeit der Handlung. Ganz auf 80 Cent-Heft-Niveau geht es mal wieder um... wird nicht verraten, aber erwartet nicht zu viel. Das spielt dank der von Rorschach vs. Nite Owl geschlagenen verbalen Brücken keine große Rolle. In den je nach Padfertigkeit 6 bis 8 Stunden, aufgeteilt auf sechs Stages, werdet Ihr immer was zum Schmunzeln haben.

Optische Langeweile ist ebenfalls keine Gefahr. Watchmen mag ein Downloadtitel sein, aber er macht es deutlich, dass er sich wohl kaum selbst als solcher begreift. Oder zumindest nicht mit dem assoziiert werden möchte, was da normalerweise mitschwingt. Mäßige Grafik zum Beispiel. Watchmen ließ mich stellenweise staunend im Regen stehen. Sieht das Spiel auch so schon größtenteils hervorragend mit seiner Barrage an Lichtspielen aus, läuft es in Verbindung mit Wasser zu tröpfelnder Hochform auf. Es gibt schönere Spiele, aber Ihr müsst schon weiter oben gucken. Die Iron Mans, Spidermans oder Hellboys lässt es buchstäblich im Regen stehen, durch den es selbst so kunstvoll stolziert.

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Zu zweit wird geteilt: Bildschirm und Prügelarbeit.

Leider rückt die Schönheit nicht immer ganz in Euer Blickfeld. Die Kameraführung scheint gelegentlich komplett die Justierung zu vergessen, kriecht viel zu nah an den Helden heran und zeigt Euch so sehr gut den Schurken vor Euch. Ihr habt nicht den Hauch einer Ahnung, dass seine vier Freunde hinter Euch stehen. Es artet nicht zu einem spielvernichtenden Problem aus, nur lässt es sich definitiv besser lösen, als Euch ständig zum Herumfummeln mit dem rechten Stick zu zwingen.

Solltet Ihr sie aber im Blick haben, können die Animationen der konstanten Gewaltanwendung gut mit der hohen Grafikqualität mithalten und das Spiel vermittelt das richtige Gefühl von „SMACK!“. Anders lässt sich dieses wundervolle und natürlich komplett verwerfliche Gefühl kaum beschreiben, wenn Ihr einem Massenmörder von hinten den Schädel mit einer Stahlstange eindrescht, einen Rocker schnappt und ihn gegen eine Laterne schleudert, nur um dann noch mal richtig nachzusetzen. Keine Gefangenen und das gilt auch für Euch. Beginnt das Prügeln in den ersten Abschnitten noch sehr harmlos, muss im späteren Verlauf beinahe jeder Schlag und Konter sitzen, damit es nicht in Sekunden Game Over heißt.

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Martin Woger

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