White Knight Story

Entführte Prinzessin und weißer Ritter

Wie stellt Ihr Euch einen Fantasykampf auf Leben und Tod mit Schwertern und Magie so richtig bildlich vor? Seht Ihr einen spannenden Tanz mit Attacken, Finten, eleganten Kampfbewegungen und überhaupt der Freisetzung einer übertriebenen Menge an kinetischer Energie? Ich auch. Außer, wenn ich japanische Rollenspiele spiele.

Dann sehe ich ein ödes Feld in Grün oder Braun von 25 Metern Breite, an einem Ende 1 plus X Monster und auf der anderen Seite ein paar mehr oder weniger menschliche Typen. Alle hüpfen von einem Bein aufs andere, als müssten sie eigentlich mal kurz woanders hin. Plötzlich kommt Bewegung in einen der Kämpfer. Er springt die vollen 9 Yards nach vorn, haut dem Monster eins drüber und macht sofort einen Satz zurück, wo das Rumhüpfen weitergeht…Es ist an der Zeit, diesen optischen Missstand zu ändern - und der japanische Entwickler Level 5 tritt an, um diesen Job zu erledigen.

Die Truppe aus Fukuoka ist dabei alles andere als ein unbeschriebenes Blatt und jedem, der die Lebenspunkte zählt, die der Morgenkaffee bringt, oder überlegt, wie viele Gegenstände wohl in die eigene Tasche passen, ein Begriff. Dragon Quest VIII, IX und das hierzulande frische Rogue Galaxy zeigen eine gesunde Tradition in der Herstellung epischer Rollenspiele im Japanolook. Und auch ihr derzeit exklusiv für PS3 in Entwicklung befindliches White Knight Story verlässt in vielerlei Hinsicht nicht alle alten Pfade.

Seien wir doch mal ganz ehrlich, wann hat uns das letzte Mal ein Team so richtig unverhohlen die Geschichte um die entführte Prinzessin und den Helden, der sie rettet, vorgesetzt? Die Bösen stürmen die Burg, schnappen das Mädel, hauen ab und der Held hinterher! Wie viel klassischer kann es noch werden? Was dann passiert und welche großen Twists folgen, damit hält Level 5 bisher natürlich noch hinter dem Berg, aber eine Liebesgeschichte zwischen Held und Prinzessin, eine alte und verschollene Zivilisation mit riesigen Avataren und nicht weniger als Wohl und Wehe der ganzen Welt stehen auf dem Plan. Alles andere würde uns ja auch enttäuschen.

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Es dauert eine ganze Weile, bis das Paar Händchen halten darf.

Fast genauso bekannt wie diese Zutaten sind auch die ersten Gesichter und Namen der Charaktere, die offensichtlich aus dem unerschöpflichen Pool von „Generic-Heroes-R-Us“ rekrutiert wurden. Wir haben Lenard, den jugendliche Draufgänger, Yulie die rothaarige und leicht burschikose Kämpferin aus demselben Dorf und natürlich den finster drein blickenden Aragorn-Verschnitt, der hier Erudoa heißt. Wer noch die eigenwilligen Charakterdesigns aus dem letzten, großen Konsolen-RPG, das uns erreichte, im Kopf hat und fürchtet, wieder mit so befremdlichen Gestalten wie in Blue Dragon konfrontiert zu werden, der kann sich entspannen. Die drei bisher vorgestellten Helden sind so klassisch, wie es das Anime-Fantasy-Genre hergibt und erinnern von der Konzeption an die alten Serien Arislan und Lodoss War.

Das Charakterdesign ist auf den ersten Blick zwar stimmig, aber halt doch schon sehr bekannt. Level 5 sah das genauso und hält deshalb auch einen echten Kracher parat: Die Hauptrollen in dem Plot sind verteilt, Platz für einen weiteren tapferen Recken bleibt aber immer. Dieser kann vom Spieler mit Hilfe des gleichen leistungsfähigen Tools erstellt werden, mit dem die Entwickler auch die NPC´s bastelten.

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Autsch! Nicht immer trifft nur der Held.

Es soll somit endlich möglich sein, ein echtes Alter Ego mit allen Extras durch eine Fantasywelt marschieren zu lassen. Dass dies kein leeres Versprechen ist, zeigte Level 5 übrigens schon im Rahmen einer Präsentation, in der einige Anwesende plötzlich ihr Konterfei in der Welt von White Knight wiederfanden. Wenn das wirklich so funktioniert, wäre das eines der coolsten Features seit rundenbasierter Echtzeit!

Über die Welt von White Knights gibt es bisher leider nur Informationsfragmente. Das klassische Fantasy-Element, angereichert mit ein wenig Steampunk, scheint auf jeden Fall stark im Vordergrund zu stehen und nach dem, was bis jetzt zu sehen ist, halten die Entwickler diesmal nicht so sehr viel von Science-Fiction. Es ist noch nicht klar, ob die Welt nahtlos und komplett begehbar sein wird, wie das bei den westlichen Genrevertretern Oblivion und Two Worlds der Fall ist, oder sich aus verschiedenen Örtlichkeiten, die nur über die Karte verbunden sind, zusammensetzt. Die Entwickler haben bisher nur verraten, dass wir nicht alles sofort zu erkunden können, sondern nach und nach mit steigender Erfahrung mehr Gebiete kennenlernen werden.

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Über den Autor:

Martin Woger

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