Retro auf Raten - Wii Virtual Console

Harvest Moon, Donkey Kong Country 3

Ich bin einfach kein Landjunge. Bei meinem durchschnittlichen Tagesablauf würde die Milch sauer, das Vieh grantig und die Bäuerin unlustig. „Man muss früh aufstehen, wenn man früh fertig sein will.“ Na von mir aus, ich halte es eher mit „Zur Sünde eilt man, zur Tugend schleicht man“. Vor allem wenn diese Tugend sich darum dreht, um 4:30 Uhr in einen Stallgeruch zu stiefeln, den nur sehr verklärte Romantiker als ländlich-idyllisch bezeichnen würden.

Solltet Ihr aber zu diesen gehören und Euch inmitten der Stadthektik das Leben auf der Scholle wie ein ferner und durchaus erstrebenswerter Traum erscheinen, bietet Euch Nintendos Virtual Console seit kurzem und Natsume seit nunmehr über zehn Jahren quasi eine Simulation dessen. Und zwar ganz bequem in den heimeligen vier Wänden, notfalls auch mal erst um 13:00 Uhr, wenn Bauers Tagewerk eigentlich schon längst getan sein müsste.

Harvest Moon

1

Plattform: SNES
Entwickler: Natsume
Erschienen: 1996
Kostenfaktor: 800 Punkte
Wii-Mote-Unterstützung: Nein

Zwar erschienen seit dem Debut von Harvest Moon vor elf Jahren zig Neuauflagen der Serie, unter anderem auch schon mal mit Farmern auf fernen Gestirnen, viel geändert hat sich auf dem Acker aber nicht. Schon auf dem Super Nintendo zieht Ihr mit Eurem Farmer jeden Morgen los, um Kühe zu melken, Hühner zu füttern, Gemüse zu sammeln und überhaupt all die Dinge zu erledigen, von denen ein Stadtkind so glaubt, dass sie auf dem Hof anfallen.

Zweieinhalb Jahre wird Euer kleiner Bauer diesem Geschäft nachgehen, dann kehren seine Eltern auf die Farm zurück und begutachten, ob aus Euch ein stattlicher Landbursche oder ein gescheiterter EU-Fördermittelempfänger wurde. Damit diese Aufgabe aber nicht nur ein Joch wird, dürft Ihr auch mal einen freien Tag nehmen, beispielsweise zum Angeln oder um im Dorf eine von fünf möglichen Bräuten zu umwerben.

Zu viel Freizeit wird Euch aber auch auf der virtuellen Farm nicht geschenkt. Im Nu ist der Tag rum und Ihr stellt fest, dass immer noch Pflichten auf Euch warten. Ist der Hof erst einmal etwas größer, merkt Ihr schnell, dass die Abwesenheit von direkten Actionelementen keinen Verzicht auf Hektik bedeuten muss.

Harvest Moon spielt sich auch heute noch außerordentlich frisch. Der etwas andere Ansatz wird Euch für eine ganze Weile bei Laune halten, vor allem Sammel- und Bau-Naturen werden hier ihr Glück finden. Eine passable Optik gepaart mit einer gefälligen Steuerung kann zwar den nach ein paar Stunden sehr wiederholungsanfälligen Spielablauf – so ist das Bauernleben nun einmal – nicht ganz verstecken, trotzdem: Für Farmer und solche, die es gerne geworden wären, eine sehr sichere Punkteinvestition.

Goldmünzen: 4 / 5

Donkey Kong Country 3

2

Plattform: SNES
Entwickler: Rare
Erschienen: 1996
Kostenfaktor: 800 Punkte
Wii-Mote-Unterstützung: Nein

Auch der zweite Titel – eigentlich schon am Zweitweihnachtsfeiertag erschienen, Ihr verzeiht hoffentlich die festtagsbedingte Verzögerung – verbreitet mit Sicherheit Stallgeruch. So ein Gorilla ist schließlich groß, haarig, hockt bei Regen und Sonnenschein im matschigen Dschungel und nimmt nur Gelegenheitsbäder. Allerdings hören beim imaginären Tiergeruch die Gemeinsamkeiten zwischen Harvest Moon und Donkey Kong Country 3 auf.

Der letzte Rare-Titel für das Super Nintendo steht leider für so einiges, was dieses Studio normalerweise nicht auszeichnet. In erster Linie Stagnation. Wäre da nicht die etwas anders aussehende Dixie-Kong, könntet Ihr glauben, dass Ihr lediglich ein paar neue Levels der ersten beiden Affenabenteuer vor Euch habt.

Womit zwar auch gesagt wäre, dass das Super Nintendo wieder einmal an seine absoluten Grenzen getrieben wurde, nur leider hat man diese zuvor schon zweimal mit exakt dem gleichen Spielprinzip ausgelotet. Macht das den dritten Auftritt schwächer? Nur wenn Ihr noch keinen der Vorgänger auf der Speicherkarte habt. Rein am Spielspaß für sich gemessen, gibt es auch hier kaum etwas zu bemängeln.

Der Schwierigkeitsgrad des absolut reinrassigen Jump´n´Runs wurde angezogen und auch wenn die Steuerung sofort von jedem zu verstehen ist, werdet Ihr doch schnell ob einiger haariger Passagen ins Schwitzen geraten. Zahlreiche Bonusstages lockern das Ganze auf und der Umfang an sich lässt eigentlich kaum Wünsche offen.

Was mache ich jetzt? Drei Goldmünzen, weil ich jetzt zum dritten Mal für ein sehr, sehr ähnliches Spiel bezahlt habe? Fünf Goldmünzen, weil es für sich genommen immer noch ein Höhepunkt der 16-Bit Jump´n´Runs überhaupt darstellt? Ich wähle mal die goldene Mitte. Solltet Ihr noch keinen der Affen im Haus haben, könnt Ihr also beherzt nach dieser Banane greifen.

Goldmünzen: 4/5

Und nächste Woche...

...geht es mit den Super Nintendo-Titeln auf der VC hoffentlich beherzt weiter. Mir fiel auf, dass selbst an TurboGrafx-Games schon mehr zu laden gibt als für die Nintendo-Konsole.

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Über den Autor:

Martin Woger

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