Retro auf Raten - Wii Virtual Console

Bubble Bobble, King of Fighters 94, Double Dribble

Warum zeigt die Spieleindustrie Japans eigentlich schon seit ihren Anfängen eine deutliche Zurückhaltung, wenn es um den Export ihres teilweise bizarren Humors in Videospielen geht? Nehmen wir mal Kato & Ken oder, wie es auf der Virtual Console der Wii besser bekannt sein dürfte, J.J. und Jeff. Die US–Version zeigt uns ein primitives Jump´n´Run mit einer sofort vergessenen Handlung um zwei Polizisten und irgendwelche Gangster. Blah.

Das japanische Kato & Ken, rein spielerisch komplett identisch, ist ein anarchistischer Meilenstein des niederen schlechten Geschmacks, in dem die in Japan bekannten Cartoonhelden urinierende Männer von Laternenmasten wegtreten, Sprayer vermöbeln und Hundehaufen ausweichen. Von einer ganzen Rotte billiger Anspielungen, vornehmlich zum Thema Alkohol, reden wir mal gar nicht. Das ergibt kein besseres Spiel. aber ein sammelwürdiges Kuriosum aus einer anderen Welt.

Gleiches gilt für Bubble Bobble. Naja, vielleicht nicht ganz so exzessiv. Bub und Bob sind auch in Japan keine Ex-Junkies auf Entzug. Das grüne Monster ab Level 50, welches zu pfeifen scheint, heißt bei uns Willy Whistle. Japan dagegen kennt den grünen Kapuzenzwerg besser als Drunk. Und das erklärt auch, warum er mit Flaschen um sich wirft. Und der Endgegner hört nur in den USA auf Grumple Gromit, geboren wurde er als Super Drunk.

Ändert das am Spiel was? Ein bisschen schon, denn dieser Hauch von Anarchie und Selbstironie fehlt den industriell durchgestylten Titeln des Westens. Schade, dass wir nicht einmal das wenige aus Fernost unverfälscht gereicht bekommen.

Bubble Bobble

  • Plattform: NES
  • Entwickler: Taito
  • Erschienen: 1987
  • Kostenfaktor: 500 Punkte
  • Wii-Mote Unterstützung: Ja

Trotzdem, Super Drunk hin, Grumple Gromit her, jeder Retro-Fan mag Bubble Bobble. Zumindest auf irgendeinem Level. Selbst wenn Ihr mit dem Spiel an sich nicht viel anfangen könnt. Selbst wenn Ihr die Musik für eine leichte Abwandlung einer antiken chinesischen Folter haltet. Selbst wenn Euch das Coverartwork mit den beiden Comic-Saurieren suspekt vorkam. Der reinen, klassischen und zeitlosen Schönheit eines 16 * 16 Pixel großen Pixelsaurieres kann sich niemand entziehen.

Bei dem eher simplen Ein-Screen-Design des Gameplays scheiden sich ein wenig die Geister. Es gibt hundert Screens mit einem kleinen Hüpflabyrinth, Früchten und ein paar Gegnern. Die Saurier Bub und Bob, beide gleichzeitig im Zwei-Spielermodus, sollen die Früchte sammeln. Was sie damit machen, bleibt etwas unklar, denn trotz des Knuffeläußeren scheinen sie eigentlich zur karnivoren Sorte zu gehören. Ein paar taktisch wichtige Spielereien wie Luftströmungen verfeinern das Spiel, nach hundert Leveln gibt es einen Endgegner.

bob

Vielleicht liegt es gerade an dem Simpel-Design, dass Bubble Bobble so vielen auch heute den Spaß bringt, den sie schon 1987 damit hatten. Die Grafik könnte kaum unwichtiger sein. Es ist ein reiner und unverfälschter Reaktionstest, der ausgesprochen handzahm beginnt und in den letzten Runden selbst die härtesten Pad-Artisten unter Euch zum Schwitzen bringen wird.

Soweit so gut und retro, nur wäre Nintendo besser beraten gewesen, die ursprüngliche Automatenversion als Download anzubieten. Die Gründe, warum sie sich für den ordentlichen, aber letztendlich unterlegenen NES-Port entschieden, sind klar. Trotzdem nerven die kleinen Slowdowns und ähnliche minimale Grafikpatzer bei einem Spiel, das in zahlreichen Retro-Compilations schon in einer besseren Form zu haben war.

Egal, zumindest für jeden von Euch, der noch nicht mit Bubble Bobble fröhlich vor sich hinblubbert. Unverfälschteres Retro werdet Ihr kaum finden und Jeff Minter wird Euch den Kauf so oder so übel nehmen. Aber was weiß der schon.

Goldmünzen: 4/5

Unsere Wertungsphilosophie

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur

Defender, Ringe, 1W6+4, NCC-1701, 8086, Ultima, Cid, SEGA, like tears in rain, B. Guardian, nicht Silmarillion, F. Mercury, PC-Player, Arena, id, Mage, LiveLink, Eurogamer, Chefredakteur...

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