Wird Avowed ein Skyrim 2? 4 Hoffnungen für das epische RPG

Die Leaks lassen Großes hoffen. Aber worauf hoffen wir eigentlich?

Microsofts Spiele-Showcase zur kommenden Konsolengeneration in Form von Xbox Series X lieferte weitestgehend im erwartbaren Rahmen ab: Viele Dinge, die langjährige Begleiter der Plattform freuen sollten - Forza, State of Decay 3, Fable, Halo Infinite -, während sie mit Psychonauts 2, The Gunk, Hellblade 2, Tell me Why Indie-Spielgewohnheiten bedienen - und sogar die Rückkehr von Stalker ließ sich Microsoft etwas kosten. Die Ausrichtung, wie genau man den Generationenwechsel nun definiert, hinterlässt zwar vermutlich nicht nur Benjamin ein wenig verwirrt zurück, aber über die Games kann sich im Grunde niemand beschweren.

Vor allem nicht darüber, dass Microsoft Obsidian neben dem "Liebling ich habe die Kinder geschrumpft"-Survival-Ausflug Grounded auch das machen lässt, was sie am besten können: Rollenspiele in großem Format aufziehen, sogar ohne dem reichhaltigen Lore ihres letzten Werkes Pillars of Eternity den Rücken zu kehren. Und nachdem die Talente dieses Studios schon damals reichten, sowohl eine BioWare - als auch eine Bethesda-Reihe fortzusetzen, kommt man nicht umhin, in Avowed einen Anwärter auf die längst überfällige Elder-Scrolls-Fortsetzung zu vermuten. Wenn Todd Howard sich schon so Zeit lässt, warum nicht ein anderes Team in die Bresche springen lassen und den Fans geben, was sie wollen?

Ein frischer Leak zeichnet jedenfalls ein Bild von einem Studio, das mit Bethesda noch ein Hühnchen zu rupfen hat. Hier ist neben vielem anderen von einer "viel, viel größeren", aber dichteren und reaktiveren Welt die Rede, Next-Gen-KI und einem Magiesystem, das sich auf ein ausgefuchstes Physiksystem stützen soll. Aber was muss ein First-Person-Rollenspiel unserer Meinung nach besser machen, um die vermutlich noch recht lange Wartezeit auf das nächste TES-Kapitel vergessen zu machen? Wir haben in Ermangelung harter Fakten mal ein wenig nachgegrübelt und drei zentrale Verbesserungen ausgemacht, die von unermesslichem Wert wären.

1. Andere Engine, anderes Spielgefühl

Machen wir uns nichts vor: So sehr wir alle Skyrims schroffen Wikinger-Charme lieben, so dringend ist auch der Wechsel auf eine neue Engine. Bethesdas Creation Engine befeuerte schon Fallout 3 gefühlt 1989 und irgendwie wirken vor allem Siedlungen und Städte immer mehr wie aus dem Baukasten, die Bewegung der eigenen Figur und die aller anderen Charaktere steif und der Nahkampf kraftlos. Eine neue Technikbasis könnte alles organischer und lebendiger wirken lassen und den Spieler stärker in der Welt integrieren. Keine Ahnung, inwieweit die Engine für kommende TES-Titel noch modernisierbar ist, aber so wie sie zuletzt in Fallout 4 eingesetzt wurde, ist sie mittlerweile ein limitierender Faktor für die Kreativität der Designer.

Skyrim Häuser
2011 noch zeitgemäß, aber auch heute noch wird in 3D-RPGs ein bisschen viel 'gekachelt'.

Gut, jetzt könnte man einwerfen, dass Obsidian nicht in der optimalen Ausgangsposition scheint, es an dieser Stelle besser zu machen. Ihre Arbeit mit der Creation Engine hat die Denke der Designer dort sichtlich geprägt, was auch direkt klar wird, wenn man sich The Outer Worlds anschaut. Aber Microsoft steckt in ein solches Prestigeprojekt für die angeblich stärkste Konsole auf dem Markt sicher auch den einen oder anderen Dollar, damit das Spiel die Leistung der Hardware auch wiederspiegelt. Die neuen Leaks sprechen von dynamischen Wettersystemen, fortschrittlicher KI und dynamischer Dialogpräsentation - womit noch eine Schwäche der letzten TES-Games ausgeräumt wäre. Das klingt alles schon gut. Wenn es denn stimmt. Wir werden sehen.

2. Weg mit skalierenden Gegnern!

Ein zentrales Problem vor allem von Skyrim und Oblivion waren die skalierenden Gegner. Der Gedanke war ein durchaus ehrbarer: Der Spieler sollte frei sein, die Welt zu ergründen, aller Orten Quests annehmen und Charaktere kennenlernen - tun, was er wollte, ohne dass ihm das Spiel mit Gegnern deutlich über seinem Level die Tür vor der Nase zuschlug oder ihn in einer Sackgasse festnagelte. Das tut viel für das Gefühl von Heldenhaftigkeit, jeder noch so knackigen Bedrohung jederzeit Herr zu sein. Aber es nimmt auch viel von der Spannung und dem Geheimnisvollen eines unheimlichen neuen Gebietes, in das man sich bisher nicht wagte.

Fallout 4 Deathclaw
Fallout 4 skalierte schon gewagter. Für Avowed und das nächste TES hätte ich gern noch weniger Rücksicht auf den Spieler.

Anstatt sich frei zu fühlen, was auch immer zu tun, verspürte man irgendwann eine gewisse Gleichgültigkeit, bei der einem egal erschien, was man als nächstes Tat. Das Spiel war schließlich uniform und jederzeit gerade herausfordernd genug. Egal, wie sehr man seinen Charakter auch weiterentwickelte, welche Talente man nun einsetzte, wurde zur Stilfrage degradiert, anstatt Ausdruck des Könnens und der Meisterschaft in einer gewissen Disziplin zu sein. Für Avowed tut Obsidian gut daran, dem Spieler seine Grenzen aufzuzeigen - und die gerüchteweise Implementierung von Gottheiten deutet schonmal an, dass der Spieler nicht die Spitze der Schöpfung in der Welt von Eora ist - und so zu einer Heldenreise zu laden, die sich auch wie eine anfühlt.

3. Das Kreuz mit der Freiheit

Passend zum letzten Punkt wünsche ich mir zudem, dass Obsidian den Mut beweist, dem "Mach, was du willst!"-Ansatz ein Stück weit einen Riegel vorzuschieben. Klar, zu Beginn sollte es massig Möglichkeiten geben. Aber einfach gesagt, wenngleich auch sicher nicht immer umsetzbar: Sobald ich mich etwa für eine Fraktion entscheide, sollte die Möglichkeit, mindestens einer weiteren beizutreten, schlichtweg wegfallen. Im Resetera-Forum spricht der Leaker bereits von einer sehr viel größeren Zahl an Fraktionen als in Skyrim, die aber nach einem deutlich anderen System funktionieren sollen. In Skyrim gab es zwar ein paar binäre Entscheidungen, was die Fraktionszugehörigkeit der Spielfigur anging (etwa Imperiale oder Sturmmäntel). Aber den meisten Parteien konnte man jederzeit beitreten und es in ihnen so weit bringen, wie man Hartnäckigkeit und Lust aufbrachte. Auch hier entstanden eine gewisse Beliebigkeit und eine Gleichgültigkeit der Spielwelt eurer mangelnden Loyalität gegenüber.

Skyrim Dawnguard
Mehr 'entweder oder' wie in Dawnguard, bitte!

Wenn ich den Leak lese, klingt es mir danach, als würde sich Obsidian genau dieses Kritikpunktes annehmen, was mich hoffen lässt, dass man mich zu ein paar schwierigen Entscheidungen zwingt. Und warum auch nicht? Ich spiele lieber dasselbe RPG vier Mal 20 bis 30 Stunden von vorne durch und male dabei ein konkretes Bild von meinem Charakter und meiner Version der Geschichte, als 80 oder mehr Stunden in einen Durchlauf mit einem Supermann zu durchleben, der alles gesehen und getan hat. Ich will eine Rolle spielen. Nicht alle auf einmal.

4. Eine Welt, die sich für den Spieler interessiert, nachdem er ihr den A**** gerettet hat

Frei nach dem Motto "Du bist immer nur so gut, wie die letzte Quest, die du gelöst hast" nimmt Skyrim selten wirklich Notiz von den Taten des Spielers. Selbst die Ausrottung der Drachen am Schluss von TES V nehmen die NPCs kaum schulterzuckend zur Kenntnis, als hättet ihr lediglich eine X-beliebige Sammel-Quest abgehakt. Das wirkt vor allem deshalb ein wenig paradox, weil diese Lande allein auf euch zu warten scheinen, wenn das Abenteuer beginnt. Denn - siehe oben - ihr seid fast zu jederzeit der alleinige Löser wirklich jedermanns Probleme.

Skyrim Einsamkeit
Danke, nehme ich. Ist als Belohnung auch beinahe angemessen.

Der Leak zu Avowed erwähnt nun eine "reaktivere Welt", was sich hoffentlich nicht allein auf Physiksysteme bezieht, die eure Angriffe und Zaubersprüche mit bröckelnden Wänden und berstendem Dungeon-Inventar quittieren, sondern auf eine Welt und NPCs mit Gedächtnis. Gleichzeitig - und das könnte jetzt arg weit hergeholt sein - macht der stimmige Enthüllungs-Trailer ein wenig Hoffnung, dass man nicht der alleinige Antreiber der Narrative ist. Gerne darf in Avowed auch dann vor den Toren einer Burg eine Schlacht toben, wenn ich als Spieler nicht dabei bin.

Das wären unsere vier Hoffnungen für Avowed - und wenn Obsidian nicht liefert, dann eben für das sechste Elder Scrolls. Was sind eure? Geht ihr mit unserer Einschätzung d'accord oder fallen euch noch andere Dinge ein, die kommende First-Person-RPGs gerne besser machen dürften als die bisherigen Platzhirsche? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

  • Entwickler/Publisher: Obsidian/Microsoft
  • Plattform: PC, Xbox Series X
  • Release-Zeitraum: nicht bekannt, laut Gerüchten Ende '22/Anfang '23

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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