Wo will Horizon 2: Forbidden West mit Aloy und uns hin?

Und welche Wege hat es überhaupt offen?

Nach dem Paukenschlag von The Last of Us 2 und dem kommenden bildhübschen Routiniers Ratchet & Clank wird Horizon 2: Forbidden West Sonys nächster richtig Großer. Der Vorgänger war ein richtig gutes Spiel. Stimmige Open World, einer der schönsten Schaukästen für das damals noch recht frische HDR, eine sympathische Protagonistin, es passte alles und all das fortzusetzen, das wird wohl kein Problem sein.

Es gibt schließlich keinen Mangel an Cyber-Sauriern, Waffen-Crafting und monströsen verborgenen Fabriken aus einer alten Welt, die von Lazer-T-Rex bewacht werden. Abenteuer zwischen Steinkeule und Plutonium-Batterie lassen sich in dieser Endzeit sicher ohne Ende finden und es wird mir eine große Freude sein, diese zu erleben. Daran habe ich kein Zweifel, schon gar nicht nach der Präsentation, die wir gerade erst erlebt haben.

Spielerisch ist da alles da, was schon Horizon zu einem guten Spiel machte. Nur, Horizon war mehr als ein gutes Spiel. Es war eine der grandiosesten, verrücktesten und packendsten Science-Fiction-Geschichten, die je in diesem Medium erzählt wurden. Noch dazu, es war keine Adaption irgendeiner bekannten Geschichte, auch wenn man sich Elemente aus mehr als 70 Jahren epischer SciFi borgte. Wer nicht weiß, worum es geht, darf sich hier spoilern lassen und lesen, warum Horizon: Zero Dawns Idee in einer Reihe mit den Besten des Genres steht. Wer es weiß, kann hier auch noch mal gern auffrischen.

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Horizon: Zero Dawn - So viel mehr als nur eine schöne HDR-Welt.

Das Problem dieser Idee ist, dass sie so grundlegend hier eingreift, dass alles andere dagegen klein sein muss. Egal welches Problem im verbotenen Westen lauert, kann es wirklich damit mithalten? Kann es eine solche Offenbarung geben, dass es alles zuvor in Frage stellt? Und wenn es das tut, auf welche Weise? Es ist selten, dass es in einem Highlander 2 endet. Einer Fortsetzung, die praktisch den gesamten Mythos des Vorgängers zerstört, das mit einer Mischung aus entweder legendärer Inkompetenz oder brachialem Unverständnis und / oder Hass für die eigene Kreation. Damit rechne ich jetzt mal nicht, armes Horizon-Welt, wenn ihr einer so etwas antun würde.

Nein, ich befürchte eher den kompetenten Ausbau der wilden Brillanz in Richtung gefestigter Normierung der ungewöhnlichen Lage. Ein Prozess, den fast jeder große SciFi-Roman über sich ergehen lassen musste. Sei es Foundation, Cities in Flight oder Ringwelt, die von dem überlebensgroßen Breitwand-Bild zu oft in zwischenmenschliche Untiefen abgleiten mussten, um dort mit, nun, weitestgehend normalen Geschichten zu unterhalten. Das auch oft gut genug, aber bei aller Begeisterung für die Stämme und Wesen, die die Welt von Horizon bevölkern, was wird im Westen warten?

Ein positives Beispiel einer Serie, die den Absprung schaffte und seine großen Motive erhalten konnte, während es kompetent weiter durch fassbare Gefilde manövrierte, war Gateway. Das erreichte zwar auch nie wieder die Qualität des atemberaubenden Startschusses, aber verwandelte seine Lust am kosmischen Mysterium in eine Universen überspannende Idee, von der ein Destiny mit seinen verkümmerten Kindergarten-Aliens nur träumen darf. Ich denke nicht, dass Horizon dies versuchen wird. Stattdessen erwarte ich eher einen Bruch, der sich im Gezeigten andeutet, die Rettung der Welt. Dass es sehr unterschiedliche Entwicklungsebenen auf der Welt von Horizon geben wird und dass hier Erkenntnisse folgen, die die im Vorgänger zusammengesammelte Geschichten zumindest Teilen in Frage stellen könnten. Da gibt es Potential, den eigentlich nicht mehr vorhandenen Spannungsbogen geschickt neu aufzuziehen.

Ehrlich gesagt, das letzte, was ich erwarte, ist eine Fortsetzung, die ein neues Abenteuer in dieser Welt erzählt und es dabei belässt. Sicher, für Aloy wäre das mehr als genug Aufregung. Aber eine so absurd gute Hintergrundgeschichte wie Horizon sie bieten konnte, verdient mehr als das. Das Beste, was passieren kann, zeigte in den letzten Jahren übrigens ein chinesischer SciFi-Autor mit der Trisolaris-Trilogie. Immer, wenn man hier dachte, dass das Universum seine letzte Idee in den Raum geworfen hatte, fand es noch eine, die alles auf die beste Art in Frage stellte. Hoffen wir, dass Horizon dieses seltene Talent an den Tag legen kann.

Mehr zum Gameplay von Horizon 2: Forbidden West könnt ihr euch hier anschauen.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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