WRC 10 - Test: Noch immer im Schatten der Großen. Und doch Jahr für Jahr besser

WRC 10 zeigt sich erneut in verbesserter Form gegenüber dem Vorjahr und macht Rallye-Fans glücklich.

Puh, was ein holpriger Einstand! Das letzte Mal, dass ich bei einem Rallye-Spiel am Steuer saß, ist eine Weile her. Zuletzt befasste ich mich bisher rund 100 Stunden mit Forza Horizon 3 und KT Racings und Nacons WRC 10 ist im Vergleich dazu definitiv ein ganz anderes Biest. Ich brauchte anfangs ein wenig Zeit, um mich daran zu gewöhnen. Nicht, dass es schlecht wäre, es ist nur alles andere als arcadig. In den letzten Jahren hat KT Racing mit seiner Reihe eine gute Entwicklung hingelegt, was das neue WRC 10 erneut unter Beweis stellt.

Das Handling der Fahrzeuge funktioniert und ist im richtigen Maße anspruchsvoll. Wer Risiken eingeht, kann viel gewinnen, aber auch viel verlieren. Zum Beispiel dann, wenn ihr euch verschätzt und es ordentlich rummst, weil ihr mit der Vorderseite eures Wagens gegen einen soliden, großen Stein oder einen Baum geknutscht habt und nun einen Schaden habt, den ihr zwischen den Rallye-Etappen erst einmal reparieren müsst. Wie gesagt, je nachdem, was ihr so an Rennspielen gewohnt seid, ist das schon eine krasse Umstellung. Aber es sagt ja keiner, dass Rallyes einfach sind! Umso mehr bewundere ich die echten Fahrer und Fahrerinnen, die in der Realität über diese teils engen Pisten in hohem Tempo heizen. Ähnlich wie bei den F1-Spielen und Monaco. Ich habe einen Heidenrespekt vor allen, die ihren Rennwagen dort nicht gegen die Wand setzen.

WRC 10 ist kein Spaziergang

Und ihr solltet das definitiv nicht unterschätzen, vor allem dann nicht, wenn das eure erste Berührung mit WRC sein sollte. Es geht um Leistung, um jede Sekunde. Nur wer gut fährt, behält oder verbessert seinen Ruf im Team und bleibt unter den Aktiven. Wer zu schlechte Leistungen bringt, fliegt in der Karriere raus. Für Neueinsteiger ist es daher durchaus ratsam, sich vielleicht den Beginner-Schwierigkeitsgrad zuerst einmal ein wenig näher anzuschauen. Auf die höhere Stufe könnt ihr später immer noch wechseln.

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Eine enge Angelegenheit. (WRC 10 Test)

Die Karriere ist zugleich das Herzstück von WRC 10. Hier geht's nicht einfach von einem Rennen zum anderen, zwischendrin habt ihr noch eine Reihe anderer Aspekte, mit denen ihr euch befasst. Für Einsteiger gibt's auch hier mit der Junior WRC eine verzeihendere Option, bei der ihr unbegrenzt viele Prüfungen absolvieren könnt. Wer mehr Erfahrung hat, steigt direkt in die WRC3 ein und hat dort dann auch nur drei Chancen.

In WRC 10 geht's nicht nur um die Rennen

Abseits der Rennen kommen einige Management-Aspekte zum Zuge, während ihr euch um eure Crew kümmert und die Teammitglieder verwaltet. Diese können euch verschiedene Boosts bescheren, zum Beispiel für die Geschwindigkeit der Reparaturen, mehr Einnahmen und eine verbesserte Moral. Was nicht selbstverständlich ist - und darauf müsst ihr ebenso achten. Beansprucht ihr sie zu stark, ohne ihnen freie Tage zu geben, kann das ins Gegenteil umschlagen.

Durchs Fahren verdient ihr dann Erfahrungspunkte, mit denen euer Team im Level aufsteigt. Das wirkt sich zugleich auf die Moral aus, mehr Teammitglieder werden verfügbar und ihr erhaltet pro Level einen Skillpunkt für den Fähigkeitenbaum. Überlegt gut, worin ihr eure Punkte investiert, vor allem zu Beginn und wenn ihr neu dabei seid. Im Großen und Ganzen fühlt sich der Karrieremodus durchdacht und gut ausgearbeitet an. Er gibt euch ausreichend zu tun, auch zwischen den Rennen wird euch so definitiv nicht langweilig.

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Präzises Fahren ist gefragt. (WRC 10 Test)

Dabei bietet euch WRC 10 eine umfangreiche Auswahl an Inhalten, darunter die neuen 2021er Rallyes in Belgien, Spanien, Kroatien und Estland. Historische Rallye-Events sind gleichermaßen vertreten, zum Beispiel die Akropolis-Rallye in Griechenland. Nicht umsonst feiert das Spiel bereits vorab den 50. Geburtstag der WRC im kommenden Jahr, es ist dem Titel anzumerken. Nach dem Launch kommen weitere Strecken hinzu, bis zum Jubiläumsjahr 2022 wächst das Rennspiel somit noch weiter.

Entfesselt die Kreativität in euch

In die Kategorie nice to have fällt der neue Lackierungs-Editor. Mit dem erstellt ihr die Farben eures Teams und das Fahrzeug-Design selbst, lasst euer Kreativität einfach mal freien Lauf. Ganz egal, ob ihr euch nun eigene Muster ausdenkt oder versucht, historische Wagen-Designs auszubauen. Im Endeffekt ist der Editor zwar nicht ganz so ausgefeilt wie in den Forza-Spielen, aber auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, hin zu mehr Freiheiten auf Seiten der Spieler und Spielerinnen.

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Bei all den Kurven und Anweisungen bleibt wenig Zeit für einen Blick auf die Landschaften. (WRC 10 Test)

In puncto Präsentation hat WRC von Jahr zu Jahr zugelegt und KT Racing hat in diesem Jahr ein hübsch anzuschauendes Spiel auf die Beine gestellt. Klar, dass hier sind realistische Rallye-Kurse mit ein paar hübschen Landschaften, die nicht mit den actionreichen Strecken anderer Rennspiele zu vergleichen sind, aber sie erfüllen ihren Zweck. Und hey, ihr müsst auch erst einmal die Gelegenheit dazu finden, den Blick in die Landschaft schweifen zu lassen, ohne die nächste Kurve oder Ansage von Beifahrer oder Beifahrerin zu verpassen. Gröbere technische Probleme fielen mir beim Spielen auf der Xbox Series X nicht auf. Auf der PS5 kommen indes noch weitere Feinheiten dazu, genauer gesagt das haptische Feedback und die Trigger des Controllers, in Sachen Sound hat sich wenig getan.

Wer sich gerne mit anderen misst, hat dazu ebenfalls viele Gelegenheiten. Erstellt eigene Weltmeisterschaften und lasst andere teilnehmen - oder stürzt euch in die von anderen. Es muss auch nicht zwingend eine Meisterschaft sein und ein Lob gibt's auf jeden Fall dafür, dass KT Racing an einen Splitscreen-Modus gedacht - heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit mehr.

WRC 10 Test - Fazit

An manchen Ecken und Kanten ist WRC 10 vielleicht anzumerken, das dahinter nicht das gleiche Budget steckt wie zum Beispiel bei einem der Codemasters-Rennspiele, aber KT Racing macht das Beste daraus und liefert in diesem Jahr eine erneut verbessere Rallye-Simulation ab. Eine, die von euch erfordert, dass ihr euch zu 100 Prozent darauf einlasst, wenn ihr was erreichen möchtet. Einfach ist das hier nicht und wer eine gute Herausforderung sucht, sollte diesen Titel definitiv auf seine Liste der interessanten Rennspiele befördern. Die Entwickler ruhen sich nicht auf ihrer Lizenz aus, ihre Bemühungen sind klar erkennbar und groß was zu meckern gibt's nicht. Gut investiertes Geld, wenn es euch nach Rallyesport dürstet.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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