WWE SmackDown vs. RAW 2010

Was zum Würgen

Ich gestehe, es ist ein paar Tage her, dass ich mich intensiv mit dem Thema Wrestling befasst habe. Damals verdiente David Hasselhoff sein Geld noch als Rettungsschwimmer am Strand, Michael Jackson weilte noch unter den Lebenden, Twix trug noch den Namen Raider, unsere Bundeskanzlerin hieß Helmut und beim Kürzel WWF dachte man trotz Tschernobyl & Co. an etwas Positives – an lässige Typen wie Hulk Hogan und nicht an Treibhausgas, aussterbende Tiere und Weltuntergang.

Auch wenn die World Wrestling Federation WWF wegen der gleichnamigen Umwelt-Organisation irgendwann zum World Wrestling Entertainment und Hulk Hogan ein alter Sack wurde, manches blieb zum Glück: Knight Rider hieß nicht plötzlich Knight Twix und die US-Variante des Ringens präsentiert sich nach wie vor als außergewöhnlicher Sport, dem albern kostümierte, großmäulige Muskelberge und Muskelberginnen im Rahmen seifenoperartiger Geschichten lustiges Leben einhauchen.

Womit wir bei der wichtigsten Neuerung wären, was die beliebte Reihe WWE SmackDown vs. RAW betrifft: Ihr dürft nicht nur wie gehabt eigene Figuren, deren charakteristische Einmärsche und spezielle Finishing-Move-Kampfmanöver erstellen, diesmal sind dank eines Szenario-Editors sogar ganze Hintergrundgeschichten mit Zwischensequenzen machbar. Storys, wie sie Fans der Show-Kampfsportserie aus der neben dem Karrieremodus ebenfalls wieder vorhandenen Road-to-WrestleMania-Spielvariante kennen.

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Ein solcher Dropkick schmeckt garantiert nicht nach eingeschlafenen Füßen.

Der Szenario-Editor wirkt auf den ersten Blick nur geringfügig eingängiger als eine Anleitung für den Einbau einer kompletten IKEA-Küche. Dabei ist das Baukastensystem gar nicht so kompliziert. Als Beamter oder jemand, der ähnlich viel Zeit hat, kriegt man tolle Ergebnisse hin. Etwas Fummelei ist aber schon nötig, ehe aus einer – natürlich begrenzten – Zahl an Orten und Darstellern eine Geschichte entsteht. Ihr dürft unter anderem sogar die Kamera frei positionieren, den Protagonisten Gesichtsausdrücke und damit Gefühle zuordnen sowie Sprechblasen-Texte verpassen.

Ich finde den Szenario-Editor cool, selbst wenn ich kein Bastelfritze bin. Weil: Faule Zeitgenossen können sich dank dieses Werkzeugs nämlich auch von anderen Spielern ersonnene Geschichten bequem aus dem Netz saugen anstatt selbst tätig zu werden. Wii-Besitzer gucken allerdings in die Röhre: Fuchtelmaschinen-Freunde müssen sogar auf Online-Duelle verzichten, die Editoren-Funktion ist ebenfalls leicht abgespeckt. Dafür bleibt den Nintendo-Daddlern im Vergleich zum Vorjahr die Gesten-Steuerung erspart – eine gute Entscheidung.

Im Zusammenwirken mit den kleinen Verbesserungen bei den anderen Editoren entpuppt sich WWE SmackDown vs. RAW 2010 also vor allem als Spiel, das kreative Köpfe befriedigt. Also gewissermaßen ein „Haudrauf-LittleBigPlanet“.

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„The Amazing“ Harald Fränkel: für eine Frisur hat das Geld nicht mehr gereicht.

Für den Einmarsch eurer Helden dürft ihr ein Video mit Höhepunkten vorangegangener Kämpfe und ein Musikstück nach Wahl einbinden (Tokio Hotel kommt sicher tierisch gut), beim Figuren-Generator neuerdings eigene Logos und Tätowierungen malen und selbst entworfene Finishing-Moves erstmals mit akrobatischen Flugeinlagen aufhübschen. Technisch hat sich hingegen wenig getan. Das betrifft auch altbekannte Schwächen: Zu notieren sind kleine Grafikfehler, wie sich durch Körper bohrende Gliedmaßen oder Ringseile, manchmal abgehackte Bewegungsabläufe, abschnittsweise magerer Sound, verwirrende Perspektivenwechsel und vor allem die etwas hakelige Steuerung.

Inhaltlich sieht es einen Tick besser aus: Der Modus Road to WrestleMania hält diesmal nicht nur fünf vorgegebene Geschichten mit den Herren Adam „Edge“ Copeland, Shawn Michaels, Randy Orton, Fräulein Mickie James sowie Paul Michael „Triple H“ Levesque und John Cena bereit (wobei das Abenteuer dieses Team-Duos auch im kooperativen Modus spielbar ist), sondern obendrein eine Story für selbst gebastelte Polygonbuben – die wegen feinerer Texturen nebenbei erwähnt deutlich besser aussehen als noch im Vorgänger.

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