Xbox Series X Test Digital Foundry: Next Gen, simple Fortsetzung - oder beides?

Power Play.

Es ist ein seltsames Gefühl, die Xbox Series X nach einer so langen Preview-Phase zu testen. Wir wissen längst, dass die Xbox Serie X in vielerlei Hinsicht einen Generationensprung gegenüber der Xbox One und der One X darstellt: Das CPU-Upgrade ist so stark, dass wir es in unseren Test abwärtskompatibler Spiele nicht messen konnten. Aufseiten der Grafikleistung wird das Doppelte der Xbox One X geboten (und da sind die architektonischen Fortschritte noch nicht mit eingerechnet), gegenüber der One S sogar das Achtfache. In Kombination mit der schnellen SSD bietet die Xbox Serie X ein verzögerungsfreies Konsolenerlebnis in einem Maße, dass eine Rückkehr zu den alten Konsolen, nicht begehrenswert erscheint, gelinde gesagt. Wir sind zwar noch nicht ganz bei dem Plug-and-Play-Ethos angelangt, das die frühen Spielkonsolen prägte, aber dies ist ein gesunder Schritt in die richtige Richtung.

Design und Kühlung

Wirkliches Begehren löst das visuelle Design des Geräts an sich allerdings nicht aus. Es handelt sich um einen schwarzen, rechteckigen Quader - ein Kasten mit wenig "X", wenn man so will - das Äußere setzt nur wenige Akzente abseits der grün akzentuierten, perforierten Auslassöffnung oben. Die Sache ist die: Es funktioniert. Die Series X sitzt diskret neben eurem Fernseher und gibt sich sowohl in Optik als auch Akustik betont unaufdringlich. Die Konsole ist eindeutig für eine vertikale Aufstellung designt. Sie mag zwar etwas breit wirken, aber ihre Grundfläche bleibt überschaubar - wenn auch nicht gerade TV-Schrank-freundlich. Die Series X funktioniert auch auf der Seite liegend, aber seltsamerweise scheint sie in der Horizontalen viel von ihrer unaufdringlichen Natur zu verlieren. Es sieht einfach ziemlich seltsam aus.

In dem Video zeigt sich, ob Microsofts Hardwaredesign sich in Sachen Effizienz und Geräuschentwicklung auszahlt.

Microsofts Industriedesign war schon bei der Xbox One X ausgezeichnet, aber mit dem neuen Gerät, das selbst unter schwerster Rechenlast nahezu geräuschlos läuft, hat der Redmonder Konzern die nächste Stufe erreicht. Die traditionellen Konzepte der Luftströmung in einem Gaming-Gerät werden in den Wind geschlagen: Typischerweise kommen große Kühlkörper und Lüfter zum Einsatz, wird viel Platz im Inneren des Gehäuses gelassen und Abluft in alle möglichen Richtungen transportiert. Die Series X dagegen ist randvoll gepackt, die dichteste Konsole, die wir je gesehen haben. Sie basiert auf der Idee, die Wärme von der Unterseite des Geräts anzusaugen, sie durch ein Sandwich-ähnliches Design aus zwei Hauptplatinen zu befördern und sie dann über einen 130-mm-Lüfter durch die Oberseite zu drücken.

Es scheint wenig intuitiv, wenn man bedenkt, wie wie Hochleistungskomponenten eigentlich gekühlt werden sollten. Aber die Thermofotografie lügt nicht: An der Unterseite der Einheit gibt es kaum Hitzeentwicklung. Selbst der Bereich des optischen Laufwerks scheint Raumtemperatur zu haben, während der helle Kern in der Mitte erwartungsgemäß aufleuchtet, aber die Außenseite der Konsole fühlt sich trotzdem nur etwas warm an. Nur an der Oberseite wird die Wärme wirklich registriert - und genau so sollte es auch sein. Die Positionierung der Series X sollte nicht allzu schwierig sein. Ich würde empfehlen, sie von abgeschlossenen Räumen innerhalb eines Medienschranks fernzuhalten und sicherzustellen, dass sie ein wenig Luft zum Atmen hat.

Setup und Interface der Xbox Seriex X

Das erste Einschalten der Series X offenbart eine neue Überraschung - die Möglichkeit, die Einrichtung über die Xbox-Telefonanwendung abzuschließen. Das Durchblättern verschiedener Auswahlmöglichkeiten, die Eingabe Ihrer Microsoft-Kontodaten - all dies wird beim ersten Herunterladen der Firmware-Aktualisierung durchgeführt. Ähnlich wie bei anderen Xboxen (und anders als bei Sony-Konsolen) ist eine Online-Verbindung obligatorisch, um loslegen zu können, und der Prozess hier ist genau wie bei der Xbox One - das heißt, er ist zeitaufwändig und ziemlich frustrierend. Das alles steht im krassen Gegensatz zur Benutzeroberfläche selbst, die sich so schnell und reaktionsschnell anfühlt - eine echte Freude bei der Benutzung. Das liegt zum Teil an der Neugestaltung des Dashboards, die auch die Xbox One X beglücken wird. Aber es ist auch auf den Zen 2 CPU-Clusters und die SSD zurückzuführen.

Es gibt jedoch ein deutliches Gefühl der Vertrautheit mit der Benutzeroberfläche, und der unmittelbare Eindruck, den man von der Series X bekommt, ist eben nicht der eines Generationenwechsels, oder dass der Plattformhalter euch seine neue Vision eines neuen Aufbruchs im Gaming präsentiert. Stattdessen gibt es Kontinuität, im Guten wie im Schlechten. Die Gedanke, dass eine leistungsstarke 4K-Konsole sein Interface in nur 1080p ausgibt - oft vollgestopft mit niedrig aufgelösten Artworks und dem Xbox Store, weckt nicht gerade den Eindruck eines Premium-Erlebnisses. Hier geht es um Funktion über Form, wobei Microsoft sich dafür entschieden hat, den Fußabdruck des Betriebssystems auf den Speicher so klein wie möglich zu halten.

Stromverbrauch Xbox Series X Xbox One X
Power Off 0-2W 0.5W
Dashboard 42W 48.5W
Rise of the Tomb Raider (Spitze, 30fps-Lock auf beiden Systemen) 151W 170W
Dead or Alive 6 (Spitze, fps unlocked - Series X in 4K60) 165W 177W

Abgesehen davon ist die Funktion "Quick Resume" der Serie X - die im Wesentlichen einfach den kompletten aktuellen Spiel-Zustand auf die SSD schreibt, sodass man ihn nach Belieben neu laden kann - wirklich lobenswert. Die Möglichkeit, ohne große Wartezeit zwischen Games zu wechseln und direkt in das Spielgeschehen einzusteigen, genau dort, wo man aufgehört hat, ist ein echtes Novum und eine phänomenale Nutzung der Technologie. Allerdings sind sowohl ich als auch meine Kollegen auf Titel und Szenarien gestoßen, die mit der Funktion problematisch sind. Und obwohl sie im Großen und Ganzen großartig funktioniert, hat man das Gefühl, dass es sich derzeit eher um eine fortgeschrittene Beta-Funktion handelt, als um das System-Showcase, das es sein sollte.

Xbox Series X Display Optionen

Darüber hinaus ist ein anderer Bereich, in dem Microsoft viel Lob verdient, die wirklich bemerkenswerte Bildschirmunterstützung. Beginnen wir mit der fast vollständigen Unterstützung des HDMI 2.1-Funktionsumfangs, den ich ausgiebig mit dem brillanten LG OLED CX getestet habe. 4K mit 120fps sind kein Problem. Es funktioniert tadellos (und ein bisschen gruslig, wie flüssig das aussieht), wenn man The Touryst von Shin'en Multimedia spielt. Zweitens funktioniert das ALLM einfach, was bedeutet, dass euer Display automatisch in den Low-Latency-Modus wechselt.

Dafür brauchte ich am CX zwar ein Firmware-Update, aber das wird schon bald auch an Verbraucher ausgeliefert. Unterm Strich ist wichtig, dass bei Spielen, die auf 60fps abzielen, diese aber nicht immer halten können, durch das VRR (bei entsprechendem Bildschirm) der Absturz der Bildrate etwas abgefedert wird, sodass man ihn nur noch schwer bemerkt. Das sah ich in Dirt 5, Sekiro und sogar Assetto Corsa Competizione - welches ein gutes Stück weit weg ist von festen 60fps, aber in Bewegung immer noch stabil aussieht. Auf einem älteren Bildschirm ohne dieses Feature wäre das nicht möglich. Das einzige HDMI 2.1 Feature, das in meinen Test noch nicht funktionierte? 8K-Output, was ich auf einem 75-Zoll LG NANO99 getestet habe. Mir wurde vom Hersteller gesagt, das kommt noch.

The Coalition's excellent upgrade work on Gears 5 leverages many of Series X's new hardware features.

Ich mag außerdem die Art, wie Microsoft Next-Gen-Features für HDMI 2.1 Displays nicht zurückhält. 120Hz-Output für unterstützte HDMI 2.0-Displays sollte funktionieren - man muss sich dann eben mit 1080p oder 1440p begnügen (die Xbox skaliert dann intern von der nativen Auflösung) und ja, sofern die VESA-Timings stimmen, sollte es möglich sein, die Series X an einen 1440p-Monitor mit entsprechendem HDMI-Support anzuschließen. Schon in 360-Zeiten hat Microsoft eine große Menge an Video-Output-Optionen angeboten, um weitreichenden Support mit allen möglichen Displays zu gewährleisten. Gut zu sehen, dass diese Tradition mit der Series X weitergeführt wird.

Controller und Kompatibilität

Diese Kontinuität betrifft auch den neuen Controller, der um eine Share-Taste erweitert wird, aber ansonsten "nur" das bestehende Xbox One-Pad verfeinert. Zwar fehlen dem Controller die revolutionären Aspekte des DualSense-Controllers der PlayStation 5, aber ich möchte ihn trotzdem nicht unter Wert verkaufen. Das neue Pad ist für mehr Spieler einfacher zu handhaben, liegt besser in der Hand als zuvor und insbesondere das D-Pad wurde erheblich verbessert. Die Verbesserungen mögen sich beim ersten Anfassen noch subtil anfühlen, aber wenn man danach wieder auf den ursprünglichen Xbox One-Controller zurückgreift, zeigt sich, wie subtile Anpassungen im Laufe der Zeit ein viel besseres Produkt ergeben können.

Wir haben die Abwärtskompatibilität der Xbox bereits ausführlich besprochen, aber es lohnt sich, noch einmal hervorzuheben, wie sehr Microsoft bestrebt ist, seinen umfangreichen Backkatalog zu erhalten und sicherzustellen, dass möglichst viele Titel auf den neuen Konsolen laufen, und zwar mit höherer Leistung, Auflösung und verbesserter Texturfilterung. Das Hinzufügung von Auto-HDR ist ein weiterer netter Zug, der HDR-Unterstützung zu den meisten existierenden Spiele hinzufügt - von unterschiedlicher Qualität, um ehrlich zu sein - und sogar bis zu den Original-Xbox-Titeln zurückreicht. Es ist schon cool zu sehen, wie die Series X jetzt Spiele darstellt, die ihre Ziele damals auf der alten Hardware nicht ganz erreichen konnten. Wie bereits erwähnt, spielen sich eine Reihe von Titeln, insbesondere solche mit unbegrenzten Bildraten oder der Option, die 30fps-Begrenzung abzuschalten, jetzt radikal anders und besser.

Backwards compatibility is a strong focus for Xbox Series X - and the improvements to performance, loading times and even resolution can be profound.

Xbox - Eine andere Art von Gaming-Ökosystem

Wenn es rein um die Hardware geht, kann ich nur wenig, wenn überhaupt, etwas an dem bemängeln, was Microsoft hier an Chips und Kühlung zusammengebaut hat. Die Series X ist wirklich ein großartiges Stück Technik, und obwohl es einen nicht wie die PlayStation 5 geradezu anspringt und "Next-Gen" entgegenschreit, besteht kein Zweifel daran, dass es sich um ein brillantes Gerät handelt, das sich ideal in eine ganz andere Art von Gaming-Ökosystem integrieren lässt.

Microsoft geht es darum, die Xbox so vielen neuen Benutzern wie möglich zugänglich zu machen, was bedeutet, Xbox-Spiele auf mehr als nur einer Konsole nutzbar zu machen. Es ist eine globale Sichtweise auf eine Plattform, die für den traditionellen Core-Spieler schwer zu akzeptieren sein könnte. Bei der Xbox als Plattform geht es nicht nur um das neue Gerät, das wir hier besprechen, es geht genauso sehr um das Spielen auf dem PC. Es geht auch darum, weltweit neue Benutzer in Gebiete zu bringen, die sich keine Konsole leisten können oder keinen Zugang zu einer Konsole haben. Das mag auch der Grund dafür sein, dass das Design mehr als nur ein wenig konservativ ist. Warum sollte man einen revolutionären Controller herstellen, wenn er die weit verbreitete Reihe von PC-Controllern überflüssig machen oder dem Cloud-Gaming zusätzliche Probleme bringen würde? Warum die SSD-Leistung bis zum absoluten Maximum ausreizen, wenn dies für PC-Benutzer zu Problemen führen wird? Ihr seht, worauf ich hinauswill.

Die Xbox Serie X ist vollgepackt mit brillanter Technologie, aber ihre Innovationen sind nicht konsolenexklusiv: Raytracing, Shading mit variabler Rate und dynamische Latenz sind alle hervorragend und problemlos übertragbar auf PC und Cloud. Mit Shader-Feedback-Sampling wird versucht, die Verluste der nicht ganz State-of-the-Art-SSD durch Reduzierung der Bandbreite und Maximierung eines generellen Sprungs im Systemspeicher abzuschwächen - Aspekte, von denen PC-Nutzer ebenso profitieren wie Xbox-Konsolenspieler. Es gibt sogar ein gewisses Maß an Unterstützung für maschinelles Lernen, das in den Chip fest integriert ist: die nächste Grenze der Technologie im Allgemeinen und eine, die bereits erste Erfolge bei Nvidias RTX-Grafikhardware feiert.

Unboxing der Xbox Series X

Aber was ist mit den Spielen und der Xbox Series S?

All das läuft am Ende auf das hinaus, worauf es wirklich ankommt: die Spiele. Und genau da tun wir uns aktuell wirklich noch schwer, einen aussagekräftigen Kommentar abzugeben, denn selbst jetzt gibt es nur wenig, das man sich anschauen kann. Das geht soweit, dass ich immer noch keine wirkliche Vorstellung davon habe, was ich von Spielen der Series X erwarten kann. Eine Reihe von Spielen kam von Microsoft, aber nur sehr wenige von ihnen funktionierten vor dem Release, und von denen, die es taten, hatten einige aktuell noch keine Verbesserungen gegenüber den alten Xbox-Konsolen. Verbesserte Versionen bestehender Titel sind natürlich immer willkommen, aber was der Series X fehlt, ist ein Titel, der deutlich macht, worum es bei dieser Konsole geht und warum wir eine haben müssen. Die eindrucksvolle Verpackung - die natürlich vor vielen Monaten entworfen wurde - lehnt sich stark an Halo Infinite an, das jetzt verspätet erscheint und kein festes Veröffentlichungsdatum hat, was eigentlich alles zu dem Thema sagt. Die neuesten Mitteilungen von Microsoft gaben uns die Release-Daten für ein paar Spiele der Serie X/S, aber diese liegen noch ein paar Tage hinter den Embargos für die Hardwaretests.

Dass die Software erst in letzter Minute kommt, ist kaum ein Idealzustand für unsere Tests von Xbox Series X-Titeln und noch weniger hilfreich bei der Beurteilung der Xbox Series S, die sich generell erst mal noch als echte Konsole der nächsten Generation beweisen muss. Das Fehlen von Games bedeutet für den Moment, dass wie die Hardware der "Junior" Series heute nicht mehr testen werden - aber ich kann euch sagen, dass der Formfaktor so niedlich ist, dass sie fast unwiderstehlich ist. Die Schnittstellen sind im Wesentlichen identisch, sie hat den gleichen Display-Controller (d.h. sie kann ein 4K-Display mit 120 Hz ansprechen!), aber man erhält nur dürftige 364 GB nutzbaren Platz auf der SSD, was heutzutage problematisch ist. Quick Resume ist Teil des Pakets, aber selbst in diesem frühen Stadium glaube ich, dass Microsofts Positionierung des Geräts als 1440p-Alternative zur Series X nicht unbedingt überzeugt, wenn selbst für ältere Titel wie Forza Horizon 4 und Sea of Thieves eher 1080p ideal scheinen.

Xbox Series X Test Fazit: Eine großartige Konsole, deren Zeit noch kommen wird

Letztendlich denke ich, dass Microsoft mit der Series X ein ausgezeichnetes Next-Gen-System abgeliefert hat - jedoch auch eines, das bei der Markteinführung noch nicht seine vielen Stärken zeigen kann. Das liegt zum Teil daran, dass es keine Titel gibt, die die neue Technologie wirklich ausnutzen. Zum Teil ist es aber auch Microsofts Vision einer gemütlicheren Entwicklung im Spielebereich, im Vergleich zu dem revolutionären Generationswechsel, den Sony mit PlayStation 5 anstrebt. Zumindest im Hier und Jetzt liebe ich die Maschine in Bezug auf das, was ich tatsächlich mit ihr erleben kann - aber eine Konsole wird durch ihre Spiele definiert, und in diesem Sinne habe ich immer noch das Gefühl, dass ich die Xbox Series X kaum kenne.

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Über den Autor:

Richard Leadbetter

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Technology Editor, Digital Foundry  |  digitalfoundry

Rich has been a games journalist since the days of 16-bit and specialises in technical analysis. He's commonly known around Eurogamer as the Blacksmith of the Future.

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