Yakuza: Like a Dragon - Vom Prügler zum Rollenspiel, als wäre es das Normalste auf der Welt

Mal eben schnell das Genre wechseln.

Das war schon ein "Hallo wach?"-Moment letztes Jahr, als SEGA Yakuza 7 nach 15 Jahren als stilbewusster Straßenprügler auf den siffigen Hinterstraßen Shenmues als ein Vollblut-Rollenspiel ankündigte. Mit taktischen Rundenkämpfen und allem Drum und Dran.

Nun, auf der anderen Seite wurde nur der Kampf ausgetauscht. Anstatt als Kiryu in Final-Fight-Manier mit Gangstern und anderen zwielichtigen Zeitgenossen fertigzuwerden, seid ihr als Ichiban Kasuga mit einer Gruppe aus drei Begleitern in einer richtigen Rollenspielparty auf den Straßen Yokohamas unterwegs. Und alles, was sich euch in den Weg stellt, wird in extrem stilvollen und dynamischen JRPG-Schlachten weggebügelt.

Dynamik wird großgeschrieben

Das Coole daran: Ihr steuert eure Figuren im Kampf zwar nicht mehr direkt, dennoch sind alle Akteure permanent in Bewegung. Euch obliegt dann nur noch, aus Angriff, Verteidigung, Skills und weiteres (was unter anderem Beschwörungen umfasst) die jeweils taktisch klügste Option zu wählen. Auch wenn es im Grunde kein Zeitelement gibt und alles streng rundenbasiert abläuft, lohnt es sich, auf die Positionierung seiner Leute zu achten, denn einige Fertigkeiten und Aktionen wirken Schaden oder andere Effekte in einem bestimmten Bereich um euer Ziel herum. Es kann sogar sein, dass ein anderer Feind als der gerade anvisierte noch vor Ausführung eurer Aktion eingreift, weil er gerade nah genug stand, um euch in die Parade zu fahren.

Yakuza Like A Dragon Nanba
Im Tag Team mit Nanba legt Ichiban einen der spektakulärsten Moves hin. Diese Show ist keinesfalls weniger befriedigend als die Prügeleien Kiryus.

Das geht sogar noch weiter, denn stolpert der jeweils aktive Charakter über einen Umgebungsgegenstand, den er als Waffe benutzen kann, setzt er ihn automatisch ein. Klingt ziemlich abgefahren für ein eigentlich komplett geschicklichkeitsbefreites JRPG, aber stellt sich in der Praxis als gute Ergänzung zum sonst eher abwartenden, überlegten Spielablauf heraus. Der scheint übrigens auf einen Spleen Ichibans zurückzugehen, denn der Yakuza auf Rachefeldzug ist selbst erklärter Dragon-Quest-Fan. Gut, das erklärt einiges, unter anderem auch die Pixelart-Kopffüßler-Versionen der Partymitglieder, die in Reih und Glied über den Ladebildschirm stuffeln.

Neues trifft auf Tradition in Yakuza: Like A Dragon

Der Rest ist dann eher bekannt: Nutzt Schwächen eurer Gegner für kritische Treffer aus, tauscht MP gegen spektakuläre und ebenso kraftvoll wie lustig animierte Spezialmoves ein und drückt hier und da sogar nach Art von Paper Mario eine Taste im richtigen Augenblick, um einem Angriff besonders viel Schwung mitzugeben. Einfach zu begreifen, spielerisch aber gehaltvoll genug, um zum Experimentieren und Optimieren einzuladen. Es ist eines der flotteren Kampfsysteme in einem taktischen JRPG und ich bin nicht sicher, ob ich den Persona-Vergleich wirklich ziehen möchte - weil ich mir noch nicht so ganz im Klaren bin, wieso ich die ganze Zeit daran denken musste. Kann auch am selbstbewussten Auftreten liegen -, aber da war es auch schon passiert, schätze ich.

Yakuza Like A Dragon Rundenkampf
Die Kämpfe gehorchen gängigen JRPG-Regeln - und erfinden ein paar neue dazu.

Ansonsten gefällt einmal mehr der wahnsinnig schräge Ton, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt - obwohl er einer nicht unspannenden Geschichte von Loyalität und Rache entwaffnend-beklopptes Japan-Kolorit verleiht - und die Figuren um Ichiban muss man einfach gernhaben. Vor allem der Obdachlose Nanba hat es mir angetan. Aber auch Protagonist Ichiban ist einfach so herrlich trottelig, dass man gern an seiner Seite durch den schlüpfrigen Bezirk Isezaki Ijincho flaniert.

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Nach sieben Spielen mit Kiryu sollte es Ichiban eigentlich nicht allzu leicht mit den Yakuza-Fans haben. Dass man ihm dennoch direkt an den Lippen hängt, ist kein kleiner Verdienst. Das gilt natürlich auch für die Transformation des Spielablaufs, der mal eben komplett das Genre wechselt, als müsste man dafür nur einen Hebel umlegen, den bisher noch keiner gefunden hatte. Das Beste: Like A Dragon ist abseits der Kämpfe und der Personalfragen immer noch ohne Zweifel ein Yakuza-Spiel - mit Karaoke, Darts, Glücksspiel und vielen, vielen anderen wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Nebensächlichkeiten, die dieser Serie seit jeher ihren unverwechselbaren Charakter verleihen. Ich bin sowas von bereit hierfür.

  • Entwickler / Publisher: Ryu Ga Gotoku / SEGA
  • Plattformen: PC, Xbox One, Xbox Series X, PS5 (angespielt auf PC)
  • Release-Datum: 10. November Current Gen und Xbox Series X. PS5 am 2. März 2021
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: ca. 60 Euro, keine Mikrotransaktionen

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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