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Alt+F40: Battlefield 2042 und der langsame Tod zu früh veröffentlichter Spiele

Folge 45: Ihr braucht keine Updates, ihr braucht ein Wunder. (Oder ihr spielt Norco!)

Eine langsame Woche neigt sich dem Ende zu. Bei mir lief’s aus Gründen, die weiter unten stehen, nicht ganz so rund, weshalb ich das zügig anrollende Wochenende gerade mehr als nur begrüße. In jedem Fall eine Zeit des Umbruchs – und ICH LIEBE Umbrüche. Kann gar nicht genug davon bekommen (*nervöses kichern*). Die Renovierung unserer neuen Bleibe ist quasi schon in Sichtweite und das macht mich zunehmend hibbeliger, während unsere Kinder wegen des Umzugs ihrer Kita ein wenig unrund liefen.

Deren vertraute Tobe-Bude ist seit Wochen komplett leergeräumt. Frühstück mussten wir die letzten beiden Wochen selbst mitbringen – Butterbrot-Skills binnen weniger Tage auf Level 12 gebracht! Schwarz- und Graubrot hätten aber echt nicht auf ihren jeweils eigenen Skilltree gemusst, mieses Design! Der Tag wird dann in der Turnhalle der Einrichtung rumgebracht, die deshalb darum gebeten hat, die Kinder möglichst früher abzuholen als sonst. Eltern wissen, was für Welleneffekte das auf den Rest der Familie wirkt, wenn man gleich an beiden Enden des gewohnten Tagesablaufs rumschnippelt. Aber, was will man machen. Und auf dem neuen Gelände ist halt alles… nun ja: neu. Worüber beide schon Bedenken angemeldet haben. Der Große verbal, der Kleine im neugierigen Vorbeigehen am neuen Hort mit einer Schreiattacke. Wir werden sehen, wie das wird. Ich könnte mit weniger Spannung und Ungewissheit gut leben.

Inhalt


DICE hat einen Plan. Aber hat es auch eine Chance?

Es ist das beste und das schlechteste Timing zugleich: Battlefield 2042 bekam diese Woche einen gigantischen Patch, der gefühlt (und vermutlich auch tatsächlich) Hunderte Dinge an dem problembehafteten Mammut-Shooter verbesserte. Gut ist das, weil der heiße Spielefrühling gerade halbwegs durch ist – ja, O. K., Elden Ring… – und die Leute nach all den Highlights wieder ein bisschen Zeit haben, sich Spielen zu widmen, die vom Herbst noch übriggeblieben sind. Warum also nicht dem, das sich gerade erneuert? Schlecht ist es, weil… nun ja. Es ist sechs Monate her, dass Battlefield 2042 in einem regelrecht traurigen Zustand erschien. Spricht wirklich noch jemand hiervon? Es gibt entschieden kleinere Spiele mit mehr aktiven Usern als dieses hier.

Macht ordentlich was her, und läuft jetzt auch besser. Jetzt müssen nur noch die Karten gestrafft werden. Aber wer hat Lust, darauf zu warten?

Zugegeben: Der Patch ist exzellent, behebt viele, viele Dinge, die mich und andere Spielerinnen und Spieler gestört hatten. So liefert er endlich Sprach-Chat, ein brauchbares Aufsätze-System und bereinigt sogar kleinere Sachen wie die seltsam indirekte Mausbewegung für ein griffigeres Spielerlebnis. Es gibt Dutzende HUD-Verbesserungen, flüssigere Performance, ein übersichtlicheres Scoreboard und vor allem sattere Belohnungen für Team-dienliches Spielverhalten, für Heilung und Nachschub wurden die XP-Erträge sogar vervierfacht. Alles gute Schritte und die nächsten – unter anderem die zentral wichtigen Kartenüberarbeitungen – sind auch schon bekannt. Es ginge mit dem Teufel zu, wenn das hier nicht noch ein gutes Spiel würde. Beispiele für vergleichbar kaputte Starts von Games, die spielerisch doch noch auf die Füße gefunden haben, gibt es von The Division bis Cyberpunk 2077 genügend. Das Problem ist nur: Eigentlich ist das längst egal. Es ist ein Cocktail aus Aufmerksamkeit und gutem Willen, der das Publikum tief ins Glas schauen lässt – und um beides ist es gerade nicht gut bestellt. Und bei einem Live-Service-Spiel wie diesem hier, ist Aufmerksamkeit alles, was zählt.

Der Hersteller kann den Weg zur idealen Version dieses Spiels so lange er will pflichtschuldig als Reise beschreiben, die man zusammen mit den Fans angehen will. Er verkennt dabei aber, dass die meisten davon das Interesse verloren haben, weitergezogen sind oder / und dass vielen jetzt auch vor der Rückkehr graut. Schließlich kennt man die "Begrüßung" durch die paar hartgesottenen Nichts-anderes-Spieler, die dem Titel bis hierhin die Treue hielten, nur zu gut. Und überhaupt: Was ist danach die Perspektive? Season 1 soll jetzt im "Frühsommer" starten – das war zumindest der Stand vom Januar. Angesichts der Tatsache, dass DICE als nächstes Update für Mai einen weiteren Patch mit UI- und Quality-of-Life-Anpassungen in Aussicht stellt, wäre ich mir bei dem Zeitraum gar nicht mal so sicher. Startet der User-bindende Grind vielleicht doch später? Hoffentlich nicht.

Das wird nicht reichen, mich zurückzubringen.

So oder so: Zu spät kommt er jetzt schon, denn Fakt ist einfach: Niemand redet mehr über Battlefield 2042, nachdem die Shooter-Community im Vorfeld der Veröffentlichung so wuschig darauf war, wie ich es selten erlebt habe. Wann ist zuletzt eine vergleichbare Vorschuss-Vorfreude auf ein Spiel dermaßen restlos verpufft wie hier? Unmöglich, das noch einmal aufzubauen. Gemessen am initialen Wirbel und dem selbst gesteckten Ziel, einer der größten Shooter der Welt zu werden, treibt das Spiel aktuell reglos und mit dem Gesicht nach unten im Wasser. DICE und EA sind trotzdem dazu verdammt, den Körper rauszufischen und sich verzweifelt und schwitzend an die Wiederbelebung zu machen. Sie sind es der Kundschaft schuldig – ganz gleich, ob der für diese Iteration je wieder zurückkommt oder nicht –, wenn sie den Namen Battlefield nicht endgültig verbrennen wollen.

Insofern sind die aktuellen Bemühungen keine Rettungstat an Battlefield 2042, sondern an dem Spiel, das als Nächstes kommen wird. Hätte nicht sein müssen.


Weitere Notizen - KW 16/22

Bei Alex in der Rotation: Da ich am Wochenende und teile der Woche flachlag, hatte ich eine Menge Zeit für Fernsehen. Auf Amazon Prime ist Wolf Like Me eine wundervolle kleine Miniserie über zwei Singles Anfang Vierzig, die langsam zueinander finden. Charmant, lustig, aber bisweilen auch ziemlich traurig spielen Josh Gad und Isla Fisher die beiden zentralen Figuren, die beinahe ohne das Gimmick auskämen, dass einer von ihnen ein Werwolf ist. Gruselig ist das bisher gar nicht und mir fehlt nur noch die sechste und letzte Folge. Ein schönes Beziehungs-Dramedy über Trauma und Heilung. Auch Outer Range – ebenfalls Prime Video – habe ich angefangen und für interessant befunden. Aber Josh Brolin geht halt auch immer. Western mit Mystery-Einflüssen sowieso. Hier findet ein finanziell herausgeforderter Rancher-Patriarch auf einer seiner Weiden plötzlich ein scheinbar bodenloses Loch vor – der Rest ist ein langsamer, aber nicht langweiliger Trip, der neugierig macht..

Wenn es um Spiele geht, halte ich Triangle Strategy die Treue – der Rest, den ich gespielt habe, ist, abzüglich einer Ausnahme, von der ihr weiter unten lest, bis nächste Woche unter Embargo.


Musiktipp der Woche: Phoebe Bridgers – Sidelines Mit ist fast ein wenig peinlich, wie sehr doch Phoebe Bridgers einfaches Spiel mit mir hat. Bei dieser Stimme und diesen Arrangements werde ich einfach weich. Nicht sicher, ob man auch hierfür viermal für den Grammy nominiert würde, aber ein schöner Groove, gute Lyrics, wie immer. ich mag‘s einfach.


Höhepunkt der Woche: Heilige Sch*** Norco! Was für ein Adventure! Im Game Pass drüber gestolpert, beginnt dieser Mix aus Point-and-Click Adventure und interaktiver Novelle recht langsam, hypnotisiert aber direkt mit finster pulsierender Musik und einer schlimmen Zukunftsvision der amerikanischen Südstaaten. Schon die Einleitung, in der man sich seinen vage herbei poesierten Hintergrund zum Teil selbst zusammenklickt, versprüht das befremdliche Gefühl eines Spiels, das einen mit auf eine Reise nimmt, für die man eigentlich kein Ticket gelöst hatte oder lösen wollte. Dieses Spiel malt die deprimierendsten, lebendigsten Bilder in meinem Kopf – und ich bin eigentlich noch am Anfang. Bisher ein Spiel wie ein richtig, richtig guter Mystery-Roman im Southern-Gothic. Surreal, intensiv, dezent räudig – ich kann kaum erwarten, dass die Kinder im Bett sind.

In Norco möchte man nicht tot über den Zaun hängen. Aber die Entwickler fragen euch nicht erst. Unbedingte Anschauempfehlung!

Mittelpunkt (?!) der Woche: Neuigkeiten zu Spielverfilmungen noch und nöcher – und ich wünschte, das würde sich so langsam mal erledigen. Das Stuntcasting von Jason Momoa im Minecraft-Film ist noch die übelste Neuigkeit, während John-Wick-Autor Derek Kolstad als Verantwortlicher für einen Final-Fight-Streifen humorseitig nicht gut genug ausgestattet scheint. Dieses Spiel kann man nur mit einer daumendick mit 80er-Käse überbackenen Selbstironie verfilmen, für die dieser Mann mir irgendwie nicht korrekt ausgestattet scheint. It Takes Two, möglichweise mit The Rock in einer der zentralen Rolle, stelle ich mir wiederum als ganz putzig-gefühligen Animationsfilm vor. Das könnte was werden. Vielleicht müssen wir ja doch nicht alle Spielverfilmungen verbieten…


Tiefpunkt der Woche: Ich habe ein Antibiotikum nicht so gut vertragen, mit der Folge, dass ich zusätzlich zu den eigentlichen Beschwerden, die mich letzte Woche etwas bremsten, auf Schonkost umsteigen "durfte", was wiederum meine Koffeinabhängigkeit schonungslos offenlegte. Die Kopfschmerzen vom "Entzug" waren alles andere als ohne und so könnte die allmähliche Besserung, die seit heute eintritt, fast mein eigentliches Highlight der Woche sein. Wie schön es ist, wenn der Schmerz nachlässt…

Zack! Doch wieder im Alten Topf. Sie schaut ein wenig überrascht aus. In Sachen Größe sind wir schon wieder fast da, wo Version eins aus dem Leben schied. Aber so langsam könntet ihr mir mal sagen, ob die auch noch mal schön werden?

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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