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Blood of Bahamut

Gigantomachie Marke Square

In der zweiten Hälfte der 90er Jahre, als die PSone auf dem Höhepunkt ihrer Herrschaft über die Konsolenwelt war, da erlebte Square – damals noch ohne Enix – in den Augen vieler Fans den kreativen Höhepunkt seines Schaffens. Jede Final-Fantasy-Episode stellte einen wahren Quantensprung in technischer und inhaltlicher Hinsicht dar und anstatt immer wieder die dicke Final-Fantasy-Kuh im Stall zu melken, gab man sich in Japan risikofreudig und schuf zahlreiche neue, interessante Marken wie Xenogears, Brave Fencer Musashi oder Threads of Fate.

Aber was hat das jetzt mit dem neuen DS-Spiel Blood of Bahamut zu tun? Tatsächlich einiges, erinnert die neue Action-RPG-Mischung für den Nintendo-Handheld doch frappierend an all die spannenden Psone-Titel, mit denen sich Square damals eine treue Fan-Basis schuf. Die Genre-Mischung aus Actionspiel und RPG wirkt ähnlich fließend und harmonisch wie weiland bei Musashi und Konsorten, auch die Präsentation erinnert stark an Squares 32-Bit-Werke. Da wuseln sauber animierte Sprites durch atmosphärisch-detaillierte Polygon-Szenarien und liefern sich zwischen den Missionen bedeutungsschwangere Wortwechsel. Die nüchtern-düstere Farbgebung und der Verzicht auf Videos zugunsten von Echtzeit-Zwischensequenzen legt den Vergleich zu Yasumi Matsunos famosem Vagrant Story nah.

Aber während die Parallelen zu den Square´schen PSone-Klassikern eher genereller und durchaus auch subtilerer Natur sind, stechen die Ähnlichkeiten zu einem anderen, weitaus moderneren Klassiker umso schneller ins Auge: Für die Kreaturen und das Grundkonzept von Blood of the Bahamut stand augenscheinlich Kenji Kaidos und Fumita Uedas Kultspiel Shadow of the Colossus Pate. Genau wie der namenlose Held das poetischen PS2-Actionspiels nehmen auch die Protagonisten von Blood of the Bahamut den Kampf gegen gigantische Kreaturen auf und bringen diese durch wiederholtes Attackieren ihrer deutlich sichtbaren Schwachpunkte zu Fall.

Wenn die kleinen Sprites sich unterhalten, wird es Square-Veteranen ganz warm ums Herz.

Aber natürlich ist der DS keine PS2, und so klettert Held Ibuki nur in Ausnahmefällen auf den monströsen Wesen selbst herum. Eher läuft es so ab: Ibuki steht auf einer Plattform und reizt den gegnerischen Giganten mit schnellen, aber wenig wirksamen Distanzattacken. Der nähert sich, holt mit seiner mächtigen Pranke aus und schlägt zu. Mit einem schnellen Dash-Manöver bringt ihr Ibuki aus der Gefahrenzone und klettert nun seinerseits auf die Extremität des Gegners, rennt flugs zum leuchtend blauen Kristall am Handgelenk und verpasst diesem rasch ein paar effektive Treffer, bevor der Gigant die Hand zurückzieht und erneut angreift.

Gesteuert wird das alles über Touchscreen und Steuerkreuz oder via der vier Buttons des DS. Mit denen lauft ihr in alle vier Himmelsrichtungen und könnt erwähnten Dash per L oder R-Taste einsetzen. Damit ihr nicht ständig in der Gegend herumwetzt, ist nach jedem Dash eine kurze Verschnaufpause nötig. Angriffe führt ihr über den Touchscreen aus: Schnelle Stiche mit dem Stylus veranlassen Ibuki zu verschiedenen Schwert-Kombos. Das Prinzip ist schnell erlernt und wird natürlich im Spielverlauf mehr und mehr erweitert und verfeinert.

Ein Sieg bringt euch Gegenstände und Erfahrungspunkte. Neben Ibuki stehen euch noch eine Handvoll weiterer Helden und Heldinnen zur Verfügung, auch ein lokaler Mehrspielermodus ist mit von der Partie. Und obwohl das Team um Director Motomu Toriyama die Actionkämpfen mit zahlreichen RPG-Elementen garniert, verzichtet Blood of Bahamut auf freies Erkunden der Umgebung. Das ist durchaus schade, denn Ibuki und sein Team kämpfen nicht nur gegen riesige Kolosse, ihre Heimatstadt selbst befindet sich auch auf einem dieser gigantischen Ungetüme. Stattdessen ist Blood of Bahamut missionsbasiert. Zwischen den Kämpfen verfolgt ihr lediglich gescriptete Storysequenzen und stöbert in verschiedenen Menüs, durch die Sprachbarriere ist das bei der japanischen Version natürlich nicht sonderlich vergnüglich.

Trotz der Ähnlichkeiten zu Shadow of the Colossus fühlt sich Blood of Bahamut eigenständig an und lässt PSone-Veteranen schon nach kurzer Spielzeit wehmütig zurück an die Zeiten denken, als Square seine kreativen Köpfe regelmäßig von der Leine ließ, damit sie sich auf der jungen Sony-Hardware richtig austoben konnten. Genau diese Designer-Kreativität ist es, die man schon nach wenigen Minuten wieder fühlt und die Blood of Bahamut so interessant macht - und auf die baldige Ankündigung einer West-Veröffentlichung hoffen lässt.

Blood of Bahamut ist aktuell nur in Japan für den DS erhältlich. Ein Europarelease ist bislang noch nicht angekündigt.

Über den Autor

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Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

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