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Brauchen wir wirklich ein Remake von The Last of Us? (Die Antwort ist ja!)

Wir werden Factions trotzdem bekommen.

Dead Space, Star Wars: KotOR, Advance Wars, vielleicht Silent Hill 2, jetzt offensichtlich The Last of Us: Sie reißt nicht ab, die Remake-Welle. Ich gebe zu, ich ziehe ein "echtes" Remake einem bloßen Remaster jederzeit vor. So etwas mag nicht die aufregendste Neuigkeit aus einem weltweit renommierten Spielehaus sein, aber ich werfe gerne einen neuen Blick auf aufgefrischte Versionen, leichte Neuinterpretationen und finde Trost im Gedanken, dass ein Upgrade auf eine neuen technischen Möglichkeiten auch mittelfristig den Zugang zum Werk erleichtert.

Bei The Last of Us liegt der Fall ein wenig schwieriger. Das Spiel ist die heilige Kuh der Fangemeinde, es ist "erst" neun Jahre alt, wir haben bereits ein Remaster erhalten, das sich auf der PS5 ordentlich spielt, und wir haben immer noch keine Neuauflage des legendär guten Factions-Multiplayer-Modus bekommen. Viele fragen sich deshalb, ob Naughty Dog seine Zeit vielleicht besser investieren könnte. Nicht gerade wenige, auf Reddit, in Internet-Foren, aber auch in der Fachpresse, gehen sogar so weit, zu sagen, wir bräuchten gar kein Remake. Aber das ist eine problematische Aussage.

Hat sich gut gehalten. Zwischen Teil eins und zwei liegen trotzdem Welten.

Zum einen ist eine Entscheidung für dieses Projekt kein Entschluss gegen ein anderes. Schon gar nicht bei einem Studio von Naughty Dogs Größe, das je nach Bericht bis zu 500 Leute beschäftigt. Viel schlimmer allerdings finde ich die ausschweifende Generalisierung: Ich persönlich "brauche" auch kein Remake dieses Spiels, im Sinne davon, dass es nicht das erste Spiel auf meiner Wunschliste wäre. Aber dieses Unterfangen als sinnlos abzutun, kehrt nicht nur Leute wie mich unter den Teppich, die gerne Remakes spielen, sondern auch solche, die vor neun Jahren noch nicht alt genug waren, um dieses Spiel zu erleben.

Ich merke das neuerdings immer häufiger: Es gibt eine Menge junge Leute, denen ein Last of Us 2013 nicht zuzumuten gewesen wäre – und denen Grafik auf (zugegebenermaßen exzellentem) PS3-Level 2022 nicht mehr zuzumuten ist.

Auch, wem daran gelegen ist, Videospiele als Kunst und Kulturgut hochzuhalten, sollte also Remakes begrüßen. Keine andere Kunstform ist in ihrer Wirkung so sehr von technischen Aspekten abhängig wie das Videospiel. Natürlich sind die Geschichte und schauspielerischen Leistungen zeitlos. Ruckler, unpassende Animationen, sichtbare Aussetzer der KI, Grafik, die nicht mehr lebensnah wirkt und überalterte Steuerung und Spielgefühl sabotieren jedoch selbst den größten Klassiker für alle, die mit dem Spiel nicht schon innig vertraut sind.

Ein Remake ist immer riskant, Naughty Dog ist aber zuzutrauen, dass sie dem Original gerecht werden.

Und sie sind es, für die Remakes in erster Linie gemacht werden. Neuauflagen sind eine Maßnahme zur Konservierung inhaltlich, aber nicht technisch zeitloser Werke und zur Erweiterung und Verjüngung der Community, die sich aus gutem Grund um sie versammelt hat. Natürlich sind sie auch ein Mittel, um kalt kalkulierenden Konzernen sicheres Geld in die Kassen zu spülen. Aber auf Verbraucherseite und aus Perspektive der Spieleschaffenden halten Remakes ein Spiel auf zweierlei Weise am Leben – und sind daher nur selten eine schlechte Idee.

Nichts ist so wertvoll, wie ein solches Spiel zum ersten Mal zu erleben. Und ich werde nicht so borniert sein, es der nachwachsenden Gamer-Generation zu verwehren, dies unter den bestmöglichen Umständen zu tun!

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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