Wenn du auf einen Link klickst und etwas kaufst, können wir eine kleine Provision erhalten. Zu unseren Richtlinien.

Captain Blood

He´s a Pirate! Aber kein netter...

Captain Blood, da war doch mal was, da lag doch was schon in den Spieleregalen, kurz bevor ich meinen ersten PC hatte. Richtig, 1988 veröffentlichte Infogrames ein sehr komplexes, tiefgründiges und fremdartiges Galaxienabenteuer. Der Held dieser Reise gab sich den Namen Captain Blood, in Anlehnung an das gleichnamige Errol-Flynn-Piratenabenteuer, erschienen 1935 auf der Leinwand.

Dieses wiederum basierte auf den Büchern Rafael Sabatinis, der seinen Helden Captain Blood Anfang der 20er in mehreren Büchern unsterblich werden ließ. Die Inspiration dazu verschaffte ihm, zumindest sehr locker, Thomas Blood, ein irischer Schurke, der nicht weniger versuchte als die Kronjuwelen zu stehlen.

In gradueller Abstufung nahm sich 1C Seawolf für seinen Captain Blood überall ein paar Anlehnungen heraus. Er hat die Brutalität und Gerissenheit von Thomas Blood, er ist ein englischer Freibeuter, ähnlich Sabatinis Figur, er zeigt Heldenmut wie Errol Flynn, ohne dabei eine solche Sissy zu sein, und er hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Infogrames-Weltraum-Zeug zu tun. Eigentlich schade, ich mochte dieses Spiel.

In meiner Version reden die noch Russisch. Russische Piraten in der Karibik sind ziemlich schräg, kann ich euch sagen.

Aber 1Cs Captain hat auch was zu bieten, wenn er sich seinen Weg durch die Karibik der Piratenära bahnt. Es ist ein Comic-Charme, den dieses Spiel verströmt, aber es ist definitiv ein Comic mit einer hohen Altersfreigabe. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Flynns Captain Blood den Gegner am Genick packte, ihm die Pistole auf die Brust setzte und dreimal mit Wucht feuerte.

Die Reste des Unglücklichen fliegen zurück und mit roter Farbe wird nicht gespart. Errol hätte sich längst über die Reling gehängt, während Blood schon zum nächsten von nicht weniger als 30 ähnlich drastischen Finishern ansetzt. Blood macht damit seinem Namen alle Ehre. Und wer es rau mag, der darf sich schon mal die Hände reiben. Der Captain macht keine Gefangenen, kann auch schon mal einen Unschuldigen am Rand erwischen und dreht sich nicht einmal um. Er ist natürlich der Gute, aber einer, der tut, was getan werden muss, um die Frau zu retten und nebenbei noch die Belohnung einzusacken. Und wie Han Solo schießt er dabei grundsätzlich als Erster.

Der Look erinnert dabei ein wenig an einige Comics der 80er, irgendwas aus Heavy Metal, auch wenn ich den Finger nicht ganz drauflegen kann. Der künstlerische Anspruch ist sicher geringer, aber der Charme und der Esprit der Figuren gehört irgendwo dahin. Und auch die Karibik selbst wurde mit Liebe, wenn auch im aktuellen Preview-Build noch nicht mit dem letzten Feinschliff eingefangen. Küstenfestungen, Riesengalleonen und Port Royal in aller Glorie wilder Fantasien kumulativer Jungen-Kindheiten, nur halt ohne das Weichei Flynn und stattdessen mit harten Männern, großargumentigen Frauen, fiesen Spaniern, guten Engländern, Kanonen, Schwertern und einem selbst mittendrin. So müssen Piratenabenteuer sein. Simpel und doch liebevoll, klischeetriefend, aber nie zu peinlich.

Port Royal: Postkartenkitsch gehört zu einer guten Piratengeschichte auch dazu.

Und trotzdem hatte ich die erste Stunde mit dieser frühen Version von Captain Blood nicht viel Spaß. Nicht weil das Game hammerhart ist – und das ist es wirklich –, sondern weil ich einfach nicht den Rhythmus des Kampfes fand, was bei einem reinen Slasher schon mal ein Problem sein kann. Man muss sich erst daran gewöhnen, dass die Bewegungen geplant sein müssen - und zwar deutlich mehr als bei der westlich oder östlich vom Moskauer Entwickler aufgestellten Konkurrenz.

Eine missratene Kombo endet schnell damit, dass drei Spanier einem zwei Drittel der Lebensenergie in Sekunden rauben. Ausweichen und Parieren gehört damit selbst bei simplen Feinden zur Pflicht, aber keine Angst: Da ist noch eine Kategorie der Bösewichte da drunter. Reines Kanonenfutter, das es am Anfang fast zu einfach macht. Halbwegs würdige Gegner – alles nach dem ersten Drittel – müsst ihr erst ein wenig bearbeiten, bevor ihr zu einem der drastischen Kills ansetzen könnt. Die unglücklichen Schwächlinge des Starts werden gleich so vorgeführt und lassen so die ersten Level, wenn man das erstmal realisiert hat, zur Close-Encounter-Schießbude verkommen. Dann aber gewöhnte ich mich langsam an den Rhythmus, begann die Kombos, das Timing und die Instant-Kills zu schätzen und nutzen und hatte jede Minute mehr Spaß in den Gemetzeln.

Über den Autor

Martin Woger Avatar

Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

Kommentare