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Crytek hautnah

Blick hinter die Kulissen

Es schon eine seltsame Erfolgsgeschichte: Drei Computerspiel-verrückte Brüder coden Anfang der Neunziger als Prä-Teenager im elterlichen Keller in Coburg ihre ersten eigenen Spiele. Heute ist das Trio die Dreifach-Spitze eines der am heißesten gehandelten Newcomer im Spiele-Business – und ganz nebenher noch Lizenzgeber einer der attraktivsten Spiele-Engines, die derzeit zu haben sind.

Offenbar ein langer Weg, den Cevat, Faruk und Avni Yerli da hinter sich haben und doch ist es keine Zauberei, sondern lediglich eine sehr konsequente Entwicklung.

Vom zweiten Stockwerk dieses Gebäudes aus wird gerade eine Alien-Invasion koordiniert.

Schon mit ihrem zweiten kommerziellen Titel spielen sie ganz oben mit bei der WM der Spiele-Entwickler. Längst sind sie international akzeptiert und geachtet. Umstrukturierungsmaßnahmen, und zwar solche der erfreulicheren Sorte, wurden nötig und so ist Crytek im letzten Jahr umgezogen. In „Deutschlands Big Apple“, wie Cevat Yerli die neue Wahlheimat Frankfurt nennt. Bisher hatte ich mir noch nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht. Aber während die Tram der Linie Elf zuerst kulinarische Geschäfte, dann prachtvolle Altbauten im Wechsel mit der städtischen Zweckarchitektur der Nachkriegszeit, später den Frankfurter Römer und die europäische Zentralbank vor mir abspult, um schließlich graue Industriegebäude an meinem Fenster vorbei ziehen zu lassen, wird mir der Symbolcharakter dieses Umzuges erst richtig klar.

Denn nicht Berlin, sondern Frankfurt ist der wirtschaftliche, infrastrukturelle und (multi-)kulturelle Knotenpunkt Deutschlands. Und sobald man im zweiten Stock des riesigen roten Backstein-Baus angekommen ist, merkt man, dass Crytek gut zu Frankfurt passt:

MIkko Mononen ist für die künstliche Intelligenz zuständig. Uns konnte er leider nicht mehr helfen.

Der Empfangsraum ist in einem ruhigen Rot-Ton gestrichen. Von der größten Wand zeichnen unzählige, gerahmte Magazin-Titel das trügerische Crysis-Idyll für jeden, der auf der gegenüberliegenden braunen Leder-Couch Platz nimmt. Hinter der Empfangsdame erinnert eine Pyramide an Trophäen an die Güteklasse des Debüts und über die langen Gänge streifen in steter Regelmäßigkeit bunt gemischte Mitarbeiter-Cluster, die sich auf englisch über ihr Tagwerk austauschen.

In der Mitte des Raumes steht ein Kickertisch, aber ich kann mich gerade noch beherrschen. Als Avni Yerli, seines Zeichens ein Drittel der Geschäftsführung von Crytek und hauptsächlich für die PR verantwortlich, seine Studiotour mit uns beginnt, entbrennt passend zur Mittagspause zwischen den Plastik-Fußballern im Crytek-Stadion ein hitziges Mitarbeiter-Derby. Die Stimmung ist offensichtlich ziemlich gelassen, die Atmosphäre freundschaftlich.

„Wir waren in der glücklichen Lage, das Büro von Grund auf unseren Bedürfnissen anzupassen.“ schildert Avni Yerli die gut organisierte und klare Gestaltung der Räumlichkeiten. Erste Station unseres ringförmigen Rundganges ist die zehnköpfige interne Qualitätssicherung. „Zu Anfang wussten wir nicht, ob sich diese ergänzende interne QA auszahlen würde, aber mittlerweile finden wir sie perfekt. Wir werden sie vermutlich sogar noch ausbauen.“ Hinter uns im Wartezimmer ist scheinbar soeben ein Tor gefallen, was mich angesichts des nächsten Raumes aber weit weniger interessiert, als es normalerweise würde.

„Hier haben wir sehr coole PS3-Technologie – die ihr leider nicht sehen könnt.“ Die dicke Milchglasscheibe zwischen uns und dem geheimnisvollen Inneren gibt Avni schweigend recht. „Wir erforschen die PS3 sehr intensiv. Aber das ist alles Ramp;&D [Anm.: Research & Development]“. Auch die versammelte Eurogamer-Crew hätte gegen ein bisschen R&D in diesem Zimmer nichts einzuwenden, folgt aber Avni Yerli schließlich zur nächsten Station. Dem Aquarium.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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