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Das Chrono Cross Remaster läuft auf der PS5 schlechter als auf der PS1

Radical Nightmares.

23 Jahre nach der Veröffentlichung des Originals bringt Chrono Cross: The Radical Dreamers Edition eines der wahren Juwelen der PS1-Ära mit verbesserter Grafik und einer Handvoll Extras zurück. Das Spiel ist für die Last-Gen-Konsolen PS4 und Xbox One sowie für Switch und PC erhältlich und kann dank der Abwärtskompatibilität auch auf PS5 und Xbox Series X/S gespielt werden. Unabhängig von der Plattform ist es eine Freude, eines von Squaresofts großartigen JRPGs als Remaster zu sehen, aber es ist mit Sicherheit kein perfektes Gesamtpaket. An den vorgerenderten 2D-Hintergründen wurden gravierende Änderungen vorgenommen, die den Look erheblich verändern. Indes ist die Bildrate weit weniger konstant, als man es von einem Remaster eines Spiels erwarten würde, das vor vier Generationen entwickelt wurde.

Ist die Radical Dreamers Edition also trotz dieser Probleme die beste Art, Chrono Cross zu spielen? Oder ist es immer noch besser, das Original aus dem Schrank zu holen, vielleicht im Zusammenspiel mit einem CRT- oder HDMI-Scaler wie dem Retrotink 5X Pro?

Bevor wir diese Frage beantworten, werfen wir einen kurzen Blick auf die vorgenommenen Änderungen. Zuerst werdet ihr feststellen, dass ausgewählte Charaktermodelle verbessert, die Charakter-Artworks neu gezeichnet und die Hintergründe mit einer Art KI-Upscaling bearbeitet wurden. Alle diese Änderungen lassen sich mithilfe eines einzelnen Schalters im Front-End-Launcher aktivieren oder deaktivieren, indem ihr zwischen dem neuen und dem klassischen Modus umschaltet. Leider könnt ihr die verschiedenen Optionen nicht einzeln aktivieren. Entweder alles oder nichts.

Unabhängig davon, welchen Modus ihr wählt, hat das Remaster von Chrono Cross universelle Verbesserungen zu bieten. Erstens wurde die legendäre Eröffnungs-FMV-Sequenz geändert. Es wird nun eine höher aufgelöste Version verwendet, bei der das Rauschen entfernt wurde und der Text klarer ist - eine sehr willkommene Verbesserung gegenüber dem PS1-Original. Der Nachteil ist jedoch, dass die Verbesserungen hier enden und die späteren FMVs unbearbeitet bleiben. Bedauerlich ist auch, dass die Musik in allen FMVs stark komprimiert ist und anscheinend in ähnlicher Qualität wie im PS1-Original abgespielt wird. Wie sieht es im Spiel selbst aus? Die gute Nachricht ist, dass Yasunori Mitsudas wunderschöner, samplebasierter Soundtrack glänzt. Er ist nach wie vor ein echtes Highlight des Chrono-Cross-Erlebnisses und obwohl die Arrangements unverändert geblieben sind, wurden dem Front-End-Launcher dieses Remasters zumindest neu orchestrierte Stücke hinzugefügt.

Und was ist mit der Grafik? Die größte Neuerung ist die KI-Bearbeitung der 2D-Hintergründe, um sie an die erhöhte Auflösung anzupassen. Aufgrund des Dithering der originalen PS1-Hintergründe, die anscheinend als Ausgangsmaterial für dieses Projekt verwendet wurden, führt dies jedoch zu einigen Artefakten in Bereichen mit reinen Farbelementen (z. B. das Blau des Himmels). Das Ergebnis ist bisweilen angenehm und erzeugt einen Aquarell-Effekt, der zur Ästhetik von Chrono Cross passt. An anderen Stellen werden jedoch neue Details hinzugefügt, die nicht beabsichtigt waren. Artefakte wie eine sich wiederholende Welle und Color Banding sind manchmal sichtbar, während Ladenschilder mit einem ungewöhnlichen Muster erscheinen. Insgesamt lohnt es sich, die hochskalierten KI-Hintergründe des neuen Modus zu bevorzugen, vor allem aus Gründen der Konsistenz mit den neuen 3D-Modellen - aber das ist nicht immer eine ideale Lösung.

Es gibt noch weitere Änderungen. Sowohl im neuen als auch im klassischen Grafikmodus messen wir für alle 3D-Elemente (Charaktermodelle und 3D-Kampfsequenzen) eine native Auflösung im Bereich von 900p bis 936p. Die neuen Charaktermodelle sind allerdings nur für den neuen Grafikmodus reserviert, der zudem ein gestochen scharfes 1080p-HUD-Overlay verwendet. Diese überarbeiteten 3D-Modelle sind sowohl auf PS4 als auch auf Switch in gleicher Qualität zu finden. Im klassischen Modus werden die ursprünglichen PS1-Modelle verwendet und auch die 240p-Hintergründe und -Porträts werden wieder eingesetzt, wobei der Text auf dem Bildschirm klobiger ist. Das sieht auf einem 1080p- oder 4K-Bildschirm nicht so toll aus, vor allem in der Oberwelt, wo wir somit scharf dargestellte 3D-Elemente auf einer pixeligen Karte haben. Auch hier ist es ratsam, den neuen Modus auf größeren Bildschirmen zu verwenden.

Ein klarer Problembereich des Remasters ist die Leistung. Um es unverblümt zu sagen: Die Bildraten auf PS5 und Switch sind genauso niedrig wie beim PS1-Original - und manchmal sogar schlechter, wenn der "neue" Grafikmodus ausgewählt ist. Die Probleme sind von Anfang an offensichtlich: Schon der erste Abschnitt fällt auf 20 Bilder pro Sekunde. Im Vergleich dazu haben wir 30 Bilder pro Sekunde im PS1-Original. Das ist auch nicht der niedrigste Wert, denn in anspruchsvolleren Szenen kann die Bildrate auf 20, 15 oder sogar 10 fps sinken. Das soll nicht heißen, dass die ursprüngliche Version perfekt war - auch auf der originalen PlayStation lief das Spiel mit einer stark schwankenden Bildrate zwischen 10 und 30 Bildern pro Sekunde -, aber es ist beunruhigend, dass ein Remaster auf modernen Konsolen in einigen der gleichen Szenen eine niedrigere Bildrate aufweist.

Auf der PS5 läuft es teils schlechter als auf der PS1.
Ein weiteres Beispiel für die schlechtere Performance.

Die Auswahl des klassischen Modus im Remaster-Menü verbessert die Situation zwar, garantiert aber keine 30 fps. Im Großen und Ganzen scheint es die Bildrate wieder auf das Niveau des PS1-Originals zu bringen, wobei die Kämpfe immer noch auf 15 fps und darunter fallen. Unabhängig vom verwendeten Modus treten in der Neuauflage jedoch zusätzliche Probleme während der Kämpfe auf - zum Beispiel während der Siegespose nach dem Kampf -, die im PS1-Original nicht vorhanden waren.

All diese Performance-Probleme werfen eine Frage auf: Wie ist eine so geringe Leistung so viele Jahre nach der Veröffentlichung des Originals im Jahr 1999 möglich? Eine Möglichkeit ist, dass das Remaster als emuliertes PS1-Spiel läuft und nicht von Grund auf für moderne Systeme neu entwickelt wurde. Für diese Theorie spricht das Vorhandensein von virtuellen PS1-Speicherkarten im Speichermenü, während das PC-Installationsverzeichnis sogar zwei Archivdateien für jede physische Disc anzeigt. Richtige Remakes sind zweifellos zeitaufwändiger als das Hinzufügen von grafischen Verbesserungen und zusätzlichen Modi in einer emulierten Version, aber es ist schwer vorstellbar, dass Square Enix sich diese Inkonsistenz als Endresultat vorgestellt hat.

Angesichts der Performance-Probleme auf PS5 und Switch haben wir uns gefragt, ob das Spiel auf dem PC vielleicht besser läuft und mehr Spaß macht. Leider ist das Ergebnis dessen, was wir testen konnten, ziemlich ähnlich. Der Eröffnungsabschnitt bleibt im neuen Grafikmodus bei 20 fps und die Kämpfe fallen auf 15 fps und weniger, selbst auf einem Titan-RTX-Rechner. Es ist klar, dass die allgemeine Systemleistung hier keine Grenze darstellt, aber es muss ein Problem mit der Emulation geben, das zu diesen eklatant niedrigen Bildraten beiträgt. Der einzige Unterschied zu den Konsolenversionen ist, dass man auf dem PC die Escape-Taste drücken kann, um ein Grafikmenü aufzurufen. Dieses zeigt an, dass das Spiel mit MSAA und FXAA läuft und ermöglicht den Zugriff auf höhere Auflösungen, was aber nicht wirklich eine Lösung für die Probleme des Remasters darstellt.

Ihr könnt zwischen neuem und altem Look wechseln.
Insgesamt sind die Einstellungsmöglichkeiten beschränkt.

Unsere abschließende Empfehlung lautet also: Wenn ihr das Glück habt, das Originalspiel und die Originalhardware zu besitzen, dann ist das nach wie vor die beste Art zu spielen. Der Einsatz von Tools wie dem RetroTink 5X HDMI-Scaler kann eine clevere Option sein, das Spiel auf modernen Bildschirmen besser aussehen zu lassen, ohne seinen Look zu verändern. Und die wenigen Auserwählten, die noch Röhrenfernseher oder Monitore in ihrem Besitz haben, können die ursprüngliche Präsentation genießen.

Wenn ihr das Original von Chrono Cross nicht zur Hand habt, dann hat das Remaster immer noch einen gewissen Wert. Wenn ihr die Switch-Version kauft, wird die Auflösung im Handheld-Modus auf 720p reduziert, was die 2D- und 3D-Elemente in der Präsentation näher zusammenbringt. Und unabhängig von der Plattform hinterlassen die Geschichte, das Gameplay und die Atmosphäre von Squaresofts klassischem JRPG auch im Jahr 2022 noch einen Eindruck - trotz einiger technischer und künstlerischer Einschränkungen.

Letztlich ist dieses Remaster also eine Enttäuschung. Chrono Cross ist zweifelsohne ein Kultklassiker, aber die Radical Dreamers Edition ist sowohl in Bezug auf die Grafik als auch auf die Performance unterdurchschnittlich. Auch wenn einige Probleme nach der Veröffentlichung behoben werden könnten, sollte man sich bei Square Enix die Frage stellen, ob ihr Ansatz bei der Portierung von PlayStation-Klassikern sinnvoll ist.


Im englischen Original von Thomas Morgan, Senior Staff Writer, Digital Foundry

Über den Autor

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur und seit 2006 bei Eurogamer.de. Er schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps. Benjamin spielt Videospiele hauptsächlich auf Konsolen. Seine Expertengebiete sind breit gefächert, von Shootern und Action-Adventures über RPGs bis hin zu Sportspielen und Rennspielen. Zu seinen Hobbys gehören Lego, Science Fiction, Bücher, Filme und Serien sowie Star Wars und Star Trek.

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