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Der neue Predator: Spinn' ich, oder ist Prey fast ein richtig guter Film?

Auch wenn das CGI viel kaputt macht.

Lose SPOILER zu Themen und zum Verlauf der Handlung im Folgenden.

Dass selbst Monsterfilme Anti-Woke-Kulturkrieger anziehen, die ihr Männerbild in Gefahr sehen, ist nicht erst seit der jüngsten (und missratenen) Resident-Evil-Verfilmung kein Geheimnis mehr. Auch Prey bekommt jetzt seine Ladung Internet-Schimpfe ab, weil es ja unmöglich sein kann, dass “eine junge Frau den Predator besiegt”, während das starke Geschlecht das Kanonenfutter gibt.

Das verkennt natürlich, dass auch schon der erste Predator die Botschaft hatte, dass alle Muskelkraft und bärbeißiger Machismo manchmal nichts wert ist. Dass es riskant ist, sich für die Krone der Schöpfung zu halten und dass offenkundige Aggression oft genug den Untergang bedeutet. Was das angeht, ist Prey beinahe deckungsgleich mit dem Original. Die fragil wirkende Aufregung ist in meinen Augen also nicht ehrlich und läuft eigentlich ins Leere.

Amber Midthunder gibt die Heldin Naru durchaus überzeugend.

Ich muss dabei sagen, auch für mich hat Prey nicht durchweg funktioniert. Ich fand ihn nett, er ging ein gutes Tempo und hatte einige wunderbare gemeine Kills, aber über “ruhig mal gucken” kommt er nicht hinaus. Gerade das CG der vielen Tiere – und unnötigerweise vom Gesicht des Predators –, zerstörte einiges und ich hätte mir gewünscht, der Film wäre nicht in perfektem, zeitgenössischem Englisch, sondern in authentisch-indigener Sprache gedreht worden. Ja, es gibt einen indigenen Cut, aber der wurde "nur" synchronisiert und das merkt man schon. Vor allem aber ist das Finale nicht durchweg glaubwürdig und ein wenig antiklimaktisch. Aber sonst: Der Film ist schwer O. K., und das kann man bei dieser Reihe nicht so häufig sagen.

Worum es geht? Comanche-Frau Naru wird Anfang des 18. Jahrhunderts von den meisten ihrer männlichen Stammesmitgliedern als Kriegerin nicht ernst genommen. Eine Ausnahme bildet ihr Bruder, Chef-Krieger Taabe, der große Stücke auf sie hält. Naru warnt ihre Stammesgenossen mehrfach vor der fremdartigen Präsenz in den Wäldern, aber das fällt auf taube Ohren – bis es zu spät ist. Aber sonst hätten wir vermutlich auch keinen Film.

Besonders irritiert mich an der Kritik der Anti-Woke-Crowd, dass sie den Film konzeptionell kritisieren und ihn nicht für sich genommen bewerten. Schaut man aufmerksam zu, ist das Männerbild der Zeit entsprechend eigentlich nicht allzu mies. Narus männliche Kollegen belächeln sie, werden ihr gegenüber aber erst ruppig, als sie sich zuerst mit Gewalt über die Befehle der Stammesoberen hinwegsetzen will. Beinahe jeder Mann in diesem Film liefert dem Predator fast ausnahmslos einen besseren Fight als Arnies Crew im mittelamerikanischen Dschungel.

Ein paar Upgrades hat auch dieser Low-fi-Predator noch. Die Tarnung hatte er aber schon Anfang der 1700er bereits.

In der besten Szene des Films erledigt ihr Bruder den außerirdischen Superkiller, mit dem Invisibility-Hack, im offenen Kampf fast im Alleingang. Dass die französischen Trapper als ungewaschene Primitivlinge gezeichnet werden, kann man durchaus durchgehen lassen (vielmehr gestört hat mich der CG-Rauch an der Zigarre des Chef-Fallenstellers), da war Revenant vor sieben Jahren auch nicht schmeichelhafter. Und auch sie landen noch ein paar Treffer.

Das Monster ist also schon vor dem Endkampf mit der smarten Naru, die wir über den kompletten Verlauf des Films immer wieder trainieren und Dinge über ihren Gegner haben lernen sehen, nicht mehr auf der Höhe seiner mörderischen Leistungsfähigkeit. Und auch sie besiegt ihn nicht im offenen Kampf, sondern mit Überraschungstaktiken, Fallen und letzten Endes mit seinen eigenen Waffen. Allein die Choreografie des Finales hat für mich nicht gepasst, einige Moves waren unglaubwürdig. Aber im Verlauf eines Films, in dem das Monster die Heldin bis kurz vor Schluss nicht als Bedrohung wahrnimmt – ein schöner Spiegel für das Verhalten der Männer Naru gegenüber – ist der Sieg nach Actionfilm-Spielregeln jetzt nicht so weit hergeholt.

Starkes Geschwister-Duo: Naru und Taabe.

Wie gesagt, vieles hat nicht funktioniert: Die beinahe magischen Eigenschaften der orangen Blüten waren ein sehr bequemes Plot-Element, der Akzent und das Gehabe der Schauspieler ist bisweilen zu urban. Auch hätte es gerne noch dreckiger und eine Spur härter zugehen dürfen und immer wieder reißen die Effekte kurz aus dem Erlebnis. Aber man kann diesen Film durchaus gucken, ohne sich zu ärgern. Es sei denn, man will unbedingt.

Wo er sich einordnet, in der Predator-Nahrungskette? Fangen wir unten an: Über AvP müssen wir nicht reden, Upgrade ist die Schicht Bodensatz über dem schlimmen Crossover, Predators hatte ich nach einer Woche schon wieder vergessen. Die sind schon mal schlechter als Prey. Gefühlt würde ich den neuen Teil knapp unter Predator 2 einordnen, den wohl nicht nur ich für unterschätzt halte. Aber ich glaube, das liegt nur daran, dass ich den schon gut 15 Jahre nicht mehr gesehen habe. Und ich denke, ist auch erst mal besser so. Gebt ihm eine Chance, aber erwartet nicht zu viel.

Prey ist auf Disney Plus in der Star-Rubrik zu finden. Regie führte Dan Trachtenberg ("10 Cloverfield Lane")

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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