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Digital Foundry vs. Medal of Honor

Die Beta auf dem Prüfstand

Da Call of Duty das First-Person-Shooter-Genre in den letzten Jahren eindeutig dominiert, braucht es schon etwas sehr Spezielles, um das allmächtige Activision-Franchise zu übertreffen. Electronic Arts' Antwort darauf ist ein Angriff an zwei Fronten: Einerseits über das einfach sensationelle Battlefield: Bad Company 2 und nun mit einem Reboot des klassischen Medal of Honor für PC und HD-Konsolen.

Das Medal-of-Honor-Paket besteht im Grunde genommen aus zwei Spielen in einem. EAs Studio in Los Angeles verwendet die Unreal Engine für den Singleplayer-Part, während die Battlefield-Veteranen von DICE sich in Schweden mit ihrer eigenen Frostbite-Engine um den Multiplayer-Bereich kümmern. Einladungen für die geschlossene Beta wurden kürzlich versandt und gewährten uns abseits der vorgefertigten Szenen und den Singleplayer-Ausschnitten von der E3 einen ersten Blick auf das Spiel.

Eurogamer selbst hat bereits eine Vorschau zur Beta von Medal of Honor verfasst, aber man kann durchaus sagen, dass die Beta die Dilemmas verkörpert, mit denen DICE bei seinem jüngsten Projekt zu kämpfen hat. Bei Battlefield: Bad Company 2 ist es klar, dass das Team unglaublich hart daran gearbeitet hat, ein Multiplayer-Spiel zu produzieren, dass sich deutlich von der Call-of-Duty-Vorlage unterscheidet, gleichzeitig aber auch ein Gameplay offeriert, das Modern-Warfare-Veteranen zum Wechsel verleitet.

Bei Medal of Honor lässt sich aber nur schwierig ausmachen, wie denn nun die einzigartigen Features aussehen, die das Spiel in dem am härtesten umkämpften Bereich der Industrie hervorheben sollen. Tatsächlich erinnert es stark an das jüngste Battlefield-Meisterwerk von DICE. Auf der positiven Seite beommt man also standardmäßig schon mal ein tolles Multiplayer-Spiel: Durch die Einflüsse von DICE ist das schon so gut wie selbstverständlich.

Es erweckt definitiv den Eindruck, dass das Spiel hier zu sehr mit Bad Company 2 konkurriert, anstatt Infinity Wards Angebot direkter anzugreifen - oder, was noch besser wäre, sich eine gänzlich eigene Identität zu schaffen. DICE ist einer unserer Lieblingsentwickler und Battlefield: Bad Company 2 ein Kandidat für das Spiel des Jahres von DF. Wir hoffen einfach, dass das Team sich hier nicht zu viel gleichzeitig vornimmt.

Machen wir mit eher DF-spezifischeren Sachen weiter. Zieht man in Betracht, dass die Frostbite-Technologie sehr ausgereift ist, überrascht es kaum, dass die allgemeine Performance sich ähnlich wie in Battlefield: Bad Company 2 verhält, wie man in diesem ersten Video der Helmand-Provinz sehen kann.

Die Helmand-Provinz zeigt Medal of Honors Alternative zu den großen, epischen Kämpfen an mehreren Fronten, die man in den Bad-Company-Spielen sieht.

Dadurch erhalten wir also die DICE-Frostbite-Standards: Natives 720p ohne Anti-Aliasing, hohe Detailfülle, weitläufige Areale, die Integration des Dynamic Destruction Models und eine auf 30 FPS beschränkte Performance. Da es eine Beta ist, werdet ihr bemerken, dass die Framerate noch weit entfernt davon ist, solide zu sein. Es gibt mehr Bildrateneinbrüche und Tearing als man man sich wünschen würde und ebenso eine merkwürdige Pause, wann immer man gefragged wird. Daher die anhaltenden Täler in der Frameraten-Kurve: Das Spiel friert an diesem Punkt buchstäblich ein.

Der Code von Medal of Honor ist wohl die "Beta-artigste" Beta, die wir seit langer Zeit auf der PS3 gespielt haben, und reicht sicherlich nicht an die Qualität des Bad-Company-2-Multiplayer-Tests heran, der Ende letzten Jahres gestartet wurde. In wenigen Stunden Spielzeit erlebten wir Abstürze im Ladebildschirm, bei Killstreaks und zufällige Hänger, die praktisch an jeder Stelle auftreten können. Lag war auch deutlich häufiger zu spüren als in Bad Company 2, wie ihr in dem Video oben erkennen könnt.

Im zerbombten Kabul kommt es einzig auf Nahkämpfe und strategisches Snipern an.

Im Kabul-Straßenabschnitt gibt es deutliche Verbesserungen, allen voran bei der Performance: Bildschirmfüllende Gebäude verdecken den Großteil der Hintergrunddetails und verringern dadurch die Beanspruchung der Engine. Die Bugs fühlen sich hier auch weniger aufdringlich an. Nichtsdestotrotz gibt es LoD-Probleme mit Teilen der Umgebung und Steinen auf dem Boden, die deutlich erkennbar vor euch aus dem Nichts aufpoppen. Was das Gameplay anbelangt, zeigt die Variation der notwendigen Taktiken in diesen beiden Levels, dass die Basis für ein großartiges Leveldesign auf jeden Fall vorhanden ist, genauso wie es in Bad Company 2 der Fall war. Die Frage ist, ob sich Medal of Honor von dieser ungeschliffenen Beta in etwas wirklich Großartiges verwandeln kann.

Kurz gesagt: DICE hat noch viel Arbeit vor sich, um ein interessantes Multiplayer-Spiel in etwas zu verwandeln, das so heraussticht und spektakulär ist, wie es Bad Company 2 war, ist und mit der kommenden Veröffentlichung der Vietnam-Erweiterung vermutlich auch weiterhin bleiben wird. Performance und Bugs sind nicht das Hauptproblem, eine gute Qualitätssicherung wird diese ausmerzen. Die vermutlich größte Sorge ist, dass die Medal-of-Honor-Beta von einem Unternehmen, das Spieler von Modern Warfare 2 weglocken will, den Eindruck hinterlässt, dass es vielleicht zu sehr ein Konkurrent für Bad Company 2 wird, das seinerseits zum Ende des Jahres ein großes Multiplayer-Upgrade bekommt.

Natürlich, es ist DICE, von denen wir hier sprechen, und Medal of Honor ist ein äußerst wichtiger Titel für EA, von dem wir lediglich einen geringfügig repräsentativen Teil von deutlich unfertigem Gameplay gesehen haben. Die Ressourcen sind vorhanden, das Talent ebenso - da gibt es keine Zweifel. Wenn das Spiel im Oktober aufschlägt, wird es interessant sein, wie sich der Titel hinsichtlich Umfang, Eigenständigkeit und Qualität in der fertigen Version behaupten kann.

Über den Autor

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Richard Leadbetter

Technology Editor, Digital Foundry

Rich has been a games journalist since the days of 16-bit and specialises in technical analysis. He's commonly known around Eurogamer as the Blacksmith of the Future.

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