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Dissidia: Final Fantasy

Prügler meets Rollenspiel

Cosmos, die gut aussehende Göttin der Ordnung, des Guten und der schönen Blumenwiesen im Mai, und Chaos, gehörnter Herrscher über das Böse, der Finsternis und Dokusoaps im Privatfernsehen liegen aufgrund unüberbrückbarer ideologischer Differenzen miteinander im handfesten Clinch. Um sich die vier klauenbewährten Hände nicht selbst schmutzig machen zu müssen, holt sich Chaos schlagkräftige Unterstützung: Zehn ausgewählte Bösewichte vom Kaliber eines Kefka (leicht durchgedrehter Experte für schauerliche Lache, übertriebende Schminke und Zerstörung von Welten), Exdeath (überzeugter Nihilist pflanzlichen Ursprungs) oder Sephiroth (langhaariger Lederscherge, dessen XXL-Katana primär der Kompensation dient) sollen Cosmos zeigen, wo der Hammer hängt.

Aber auch Cosmos weiß sich zu helfen: Zehn tapfere Helden wie Terra Branford (leicht komplexbeladene Zauberin), Squall Leonhard (schwer komplexbeladener Jung-Söldner) oder Cloud Strife (für ihn wurde das Wort Komplex überhaupt erst erfunden) sollen es mit Chaos frisch angeheuertem Schlägertrupp aufnehmen. Problematisch nur: Offensichtlich hat Cosmos keine große RPG-Erfahrung, denn sonst wüsste sie, dass die klassischen RPG-Bösewichte so mächtig sind, dass auch der strahlendste Held ihnen nur nach vielen, vielen Abenteuern mit einer gut ausgewogenen Party das Wasser reichen kann.

Und so kommt es wie es kommen muss, das Team Chaos wischt mit den guten Jungs den Boden auf und bläst zur fröhlichen Apokalypse. Aber eine Hoffnung besteht noch: Wenn die zehn Helden die zehn Kristalle finden, dann lässt sich die Situation vielleicht noch einmal rumreißen und das drohende Ende aller Existenz könnte verhindert werden. Also stürzen sich die neun guten Jungs und das eine gute Mädel frisch ins Abenteuer.

Dissidia: Final Fantasy – Gameplay-Trailer

Groß angelegte Crossover-Projekte haben ja oft die unschöne Tendenz, bestenfalls belanglos (Mortal Kombat vs. DC-Universe) und schlimmstenfalls grausig (Castlevania Judgement) auszufallen. Dementsprechend war auch mein Misstrauen gegenüber Dissidia anfangs durchaus beträchtlich. Nachdem ich das Spiel bei Square Enix aber Probe spielen und mich ausführlich mit Produzent Yoshinori Kitase und Director Takeshi Arakawa unterhalten konnte, sind die schon etwas verflogen - und nach etlichen Stunden mit der fertigen Version lässt sich kurz und knackig sagen: Saubere Arbeit, Square Enix!

Der gut informierte Final Fantologe weiß bereits: In Dissidia: Final Fantasy dreht sind um Grunde alles darum, dass sich die zwanzig plus zwei Helden und Schurken aus den ersten 10 Final-Fantasy-Episoden mit Magie und brachialer Gewalt gegenseitig verhauen. Aber Dissidia ist alles andere als ein klassisches Beat’em-Up und hat auch mit Spielen wie Nintendos famos guter und famos erfolgreicher Super Smash-Bros.-Reihe wenig bis gar nichts gemeinsam. Der Vergleich hinkt stärker als der grummelige Dr. House bei RTL.

Wenn man schon einen Vergleich zu Dissidia sucht, dann bietet sich am ehesten die Kingdom-Hearts-Reihe an – mit dem entscheidenden Unterschied, dass man nicht mehr gegen Massen an Gegner, sondern nur gegen einen einzigen Antagonisten kämpft und die einzelnen Menüpunkte im Kampf nun direkt den verschiedenen Knöpfen zugeordnet wurden. Und für Fans von Kingdom Hearts dürfte sich der Einstieg auch am einfachsten gestalten, alle anderen haben erst einmal ein paar ausführlichere Tutorial- und Einspiel-Sessions vor sich, bis sie mit dem ungewöhnlichen Kampfsystem zurecht kommen.

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Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

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