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Dragon Age 2 kommt in den Game Pass - Warum das Sequel viel besser ist als sein Ruf!

Von ungewöhnlichen Helden, geliebten Terroristen und Schlauch-Levels

Dass Dragon Age 2 Schwächen hatte, darüber muss man nicht reden: Immer wieder verbratene Hintergrundbilder in Schlauch-Levels und ein schwammiges Kampfsystem boten definitiv Grund für Kritik. Und trotzdem hat dieses Spiel einen ganz speziellen Platz in meinem Nerd-Herzen, den ein Inquisition einfach nicht füllen konnte. Zum Game-Pass-Start des Bioware-Rollenspiels verkünde ich also stolz: Dragon Age 2 ist ein absolut unterbewertetes RPG und genau das Richtige für Fans von Fantasy in Grautönen.

Ein Champion - so vielseitig, wie ihr wollt

Die Art und Weise, wie die Hauptfigur Hawke im Spiel präsentiert wird, fand ich schon immer genial. DA2 kam nämlich bereits 2011 auf die Idee, eine feste Hauptfigur einzubauen, die ähnlich wie später Eivor in AC Valhalla zwar eine fixe Rolle in der Handlung spielt, aber trotzdem flexibel ist: Geschlecht, Aussehen und Sexualität sind allein eure Entscheidung und trotzdem ist und bleibt es immer Hawke, der Champion von Kirkwall.

Daran zeigt sich auch eine weitere Stärke von Dragon Age 2 und zwar der Plot. Ja, in Dragon Age 1 seid ihr ein mächtiger, mutiger grauer Wächter, der die ganze magische Welt vor der Invasion der dunklen Brut bewahrt. Klar, da wirkt der einfache Held einzelnen Stadt wie ein ziemliches Downgrade, gerade dieses finde ich aber so großartig: Hawke zeigt, wie schwer es bereits sein kann, die Welt im Kleinen zu retten.

So kann eure Hauptfigur Hawke in Dragon Age 2 aussehen, aber auch ganz anders: Für männlich und weiblich gibt es jeweils ein mögliches Kanon-Design.

In DA2 ist kaum etwas einfach nur schwarz-weiß, immer wieder steht man vor Entscheidungen und Schicksalsschlägen und immer wenn man das Gefühl hat, man hat etwas Gutes getan, werden neue Steine in den Weg gerollt.

Ein Held zu sein ist ein schwerer Weg, der von Entbehrung, Opfern und Risiken gezeichnet ist und genau so erlebt es auch Hawke. Am Ende hat das Handeln des Champions in nur einer einzelnen Stadt trotzdem Einfluss auf die ganze Welt von Thedas und das macht Hawke so viel realistischer und menschlicher als viele andere Fantasy-Figuren.

Durch die Augen eines Schlitzohrs

Auch die Erzählweise von DA2 ist für die Reihe einzigartig und, wie ich finde, auch einzigartig clever. Die ganze Geschichte um Hawke besteht aus einer Erzählung des frechen Geschichtenerzähler-Zwergs Varric, mit allen Lügen und Flunkereien inklusive. Man wird immer wieder daran erinnert, dass wir die Story aus Kirkwall nicht 1:1 erleben, sondern Varric derjenige ist, der sie mit seinen eigenen Worten formt.

Ob das alles wirklich ganz genau so passiert ist? Man weiß es nicht genau, denn der Geschichtenerzähler zeigt immer wieder einen leichten Hang zu Übertreibungen und am Ende müssen wir uns eingestehen, dass wir eben nur Varrics Version der Ereignisse kennen.

Wenn man so will, fügt dieser Erzählmodus sogar den Wiederspielwert und unterschiedliche Entscheidungen innerhalb der DA-Community in eine Lore ein: Jeder Durchgang ist eben nur eine Version derselben Story. Nehmen wir etwa Liebesszenen zwischen Hawke und Piratenbraut Isabela - war Varric da dabei? Woher will er so genau wissen, dass es so abgelaufen ist? Weiß er eben nicht und das ist das schöne - das ganze DA2 ist nur eine bunte, ausgeschmückte Geschichte.

Dragon Age 2 wird komplett aus der Perspektive des schlitzohrigen Zwergen-Schurken Varric erzählt

Als RPG-Fan und Pen-and-Paper-Zockerin können mich außerdem Figuren, Dialoge, die kleinen Dramen, Romanzen und Gefühle zwischen den Fantasy-Charakteren auch oft mehr begeistern und fesseln, als der große, epische Hauptplot und genau das konnte Dragon Age ja schon im ersten Teil.

Sagen wir wie es ist: DA1 hat eine absolut generische Fantasy-Geschichte und trotzdem stört das gar nicht so sehr, wenn man gleichzeitig die vielen kleinen, toll erzählten Geschichten der Charaktere erlebt.

Das kann Dragon Age 2 besonders gut. Ihr müsst euch ja zum Beispiel nicht unbedingt auf Fan-Liebling und Emo-Prinz Fenris oder meinen heiß geliebten Lieblings-Anarcho Anders stürzen, auch mit den Charakteren, die keine Edge-Lords sind, gibt es großartige Dialoge, die nicht immer nur schwarz-weiß sein müssen.

Sei es die Ritterin Aveline, bei der in all dem Pflichtbewusstsein immer mal wieder unfreiwillig ihre sanfte Seite durchblitzt oder Elfen-Magierin Merrill, die in ihrer neugierigen Naivität plötzlich zu einer echten Gefahr werden kann. Die Entscheidungen und Romanzen bieten also echtes Potenzial für "richtige" Rollenspielgefühle mit Charakterentwicklung und knackigen Dilemmata.

Ein Herz für Schlauch-Levels

Dieser gelungene Fokus auf Story und auf die "kleinen" Geschichten, zeichnet sich auch in der Weltstruktur ab. Und klar, dass die Schlauch-Levels des Spiels oft wirken wie zusammengepuzzelte Reste vom Vortag, die in Dungeons endlos gleiche Gänge präsentieren, ist eher ein unschöner Teil des Rollenspiels. Das Prinzip des Schlauch-Levels an sich finde ich für Fantasy-Rollenspiele allerdings viel besser als unnötige offene Welten.

Gerade im Nachfolger Inquisition verlor sich für mich der Story-Fokus teils in endlosen Reisen durch eine riesige, relativ ereignislose Open World - weshalb ich DA 3 tatsächlich mit mehreren Anläufen nie komplett gespielt habe.

Dragon Age 2 ist mit zahlreichen Dilemmata und Grauzonen noch düsterer und ernster als der Vorgänger - aber auch Action und Humor kommen nicht zu kurz.

Das viele Gerenne, die wiederholt gleichen Kämpfe, die endlos-leeren Weiten, all das langweilte mich irgendwann meist zu sehr, um dranzubleiben. Und das, obwohl auch hier die kleinen Geschichten, die Dialoge, die Begleitfiguren großartig geschrieben sind.

Ich persönlich habe Dragon Age 2 dank des Fokus auf Plot und Figuren daher deutlich mehr gemocht als den Nachfolger. Der einzige Grund, weshalb ich das Sequel nicht sofort wieder anschmeiße ist, dass ich in Sachen Romanze und Fraktion ohnehin keine neuen Entscheidungen treffen würde: Es müssen einfach mein rebellischer Schwarm Anders (er ist so gefährlich, aber ich allein kann ihn ändern!11!) und die Magierbewegung sein.

Falls ihr es aber noch nicht gespielt habt und von den vielen "Naja"-Meinungen zu DA2 bisher abgeschreckt wart: Gebt Dragon Age 2 von Bioware und EA eine Chance und gönnt diesem unterbewerteten Rollenspiel etwas Zeit und RPG-Liebe - zum Beispiel im Game Pass.

Über den Autor

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Judith Carl

News-Redakteurin

Judith Carl ist Volontärin für News und Social Media bei Eurogamer.de. Judith hat Medienwissenschaften studiert. Sie streamt begeistert am liebsten Rollenspiele und Adventure Games auf Twitch. Ihre weiteren Leidenschaften sind LARP, Pen and Paper, und Trash-Filme.

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