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Dragon Age 2

Einsame Helden bluten besser

Die Entscheidungsvielfalt wurde sogar noch weiter gesteigert. Verkraftete Origins bis zu sechs Optionen, sind es nun bis zu zehn verschiedene Reaktionen auf den Gesprächspartner. Damit ihr besser einschätzen könnt, was letztlich eine mitunter etwas verklausulierte Antwort für eine Wirkung haben könnte, finden sich neben jeder Antwort kleine, halbwegs aussagekräftige Emoticons. Wer auf die rote, geballte Faust klickt, muss sich nicht wundern, wenn es nicht friedlich bleibt. Das Feigenblatt wäre besser für Harmonie gewesen. Das kreisförmige Menü wirkt übersichtlich und wer zur richtigen Zeit den richtigen Begleiter dabei hat, bekommt sogar ein paar Extra-Optionen, welche die Gefährten deutlich aktiver in die Gespräche einbeziehen.

Ein neuer Held bedeutet allerdings auch, dass die alte Figur nur geringen Einfluss haben wird. Um nicht zu sagen: Euer alter Held taucht überhaupt nicht mehr auf. Natürlich liest das Spiel eure Origins-Spielstände aus und bekannte Figuren werden den Weg von Hawke kreuzen. Viel mehr als Andeutungen auf das, was sie früher in Origins taten, wird es aber nicht geben. Ich nehme an, dass dies der Preis einer Story mit vielen Möglichkeiten ist und vielleicht erfahre ich so doch, was aus Morrigan wurde, nachdem ich ihr unmoralisches Angebot annahm.

Zuerst heißt es allerdings, dass Hawke als Stufe-1-Held nicht allzu viel reißen kann und jeder frisch ins das Spiel einsteigen darf. Kompletten Neulingen wird eine Einleitung in die Geschehnisse des Vorgängers geboten und keiner bleibt außen vor. Habt ihr Origins bisher nicht gespielt, ist das zwar euer eigener Verlust, von Teil 2 muss euch das jedoch nicht abhalten. Veteranen werden damit bei Laune gehalten, dass die Charakterentwicklung deutlich zügiger verläuft und ein hochstufiger Held hier wesentlich mächtiger sein soll. Und gefährlicher, schon allein durch das stark erhöhte Kampftempo.

Blut. Überall Blut. Und noch mehr Blut. In der Mitte durch. Keine Änderung hier. Nur mehr davon. Inklusive Einzelteilen.

In Origins musste man ein Weilchen warten, bis sich ein Zauber aufgeladen hat, um ihn endlich wirken zu können. Krieger schienen für Sekunden den Kampf vergessen zu haben und standen herum, bis endlich der nächste Schlag folgte. So verhalten sich die meisten auf Rundenzeit basierenden Systeme, aber das missfiel BioWare nun endgültig. Das Gefecht läuft deutlich dynamischer ab, die Bewegungen gehen fließend ineinander über, es herrscht ein natürlich wirkender, blutiger und kraftvoller Rhythmus.

Sprüche laden sich beinahe sofort auf, schnelle Schlagfolgen prasseln ausfeinander ein, der Dieb bewegt sich wie ein Geist zwischen den Kontrahenten. Es stellt sich die Frage, wie bei solchem Tempo, solcher Macht angesichts rasanter Abfolgen die Balance gewahrt bleiben wird. BioWare sieht das gelassen. Man bastelt halt noch, andere Werte werden verändert und wie ein guter P&P-Meister jonglieren sie die Zahlen ihres Systems. Das wenige, was ich bisher sah, wirkte trotz der hohen Geschwindigkeit und Beweglichkeit der Kontrahenten gut gewichtet und strukturiert. Schaut ihr dagegen nur unbeteiligt zu, seht ihr ein Actionspiel, keinen Rundenkampf. Der Alptraum aller BioWare-Fantasy-Fans. Dieser Eindruck täuscht schwer. Über das Menü-Rad lässt sich das martialische Geschehen wie gehabt ausbremsen und jeder Charakter nimmt seine Befehle entgegen.

Habe ich eigentlich schon die wirklich erstaunliche Menge an Blut erwähnt?

Auch der sehr feine Aufbau der KI-Steuerung wird nicht geopfert. Wer möchte, darf nach wie vor bis in das Kleinste definieren, was wer wann tun soll. Für die PC-Spieler gibt es aber möglicherweise – die finale Entscheidung zu diesem Thema wurde noch nicht gefällt – einen kräftigen Schock und ich bin mir absolut sicher, sollte es wirklich passieren, dass viele aufheulen und „Kaufe ich niemals!"" rufen werden.

BioWare will das komplette Herauszoomen, in Origins bis auf die Baldur´s-Gate Sicht-ziehbar, streichen. Und zwar ersatzlos. Die sogenannte Taktik-Ansicht: Einfach weg. Die Gründe, die dafür bisher angeführt werden, dienen nicht gerade dazu, den PC-Jünger friedlich zu stimmen. Dragon Age 2 ist in seinem Kern eine Konsolenentwicklung, auch wenn man betont, es nicht aufgrund dessen „verdummen" zu wollen. Der PC wird sich diesmal also mehr als zuvor an 360 und PS3 orientieren und diese haben nun einmal deutlich weniger Power unter der Haube.

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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