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PC Engine / Turbo Grafx 16 - Guide zum Start einer Sammlung

Ein Exot mit einem sehr gesetzten Markt und ein paar Risiken, wenn es um Fälschungen geht.

Mein ganz persönliches Steckenpferd, es war schon immer die Konsole, die mich mehr faszinierte als alle anderen, und gleichzeitig mit der größte Exot in diesem Land. Ganz viel Japan, hier nie erschienen und selbst in der US-Version der Turbo-Geräte ein Außenseiter. Das heißt auch, dass Import hier ein essenzielles Thema ist, vor allem beim Bieten. Es gibt immer wieder auch Bietangebote aus Deutschland, aber ihr könnt davon ausgehen, dass diese für die gleichen Spiele in der Regel weit höher ausgehen, als es bei Angeboten aus den USA, Japan oder selbst Frankreich oder Italien der Fall ist, zumindest was die B-Riege der Titel angeht. Mein erstes New Zealand Story - kennt heute keine Sau mehr, war auch damals nicht der große Hüpfrenner - ersteigerte ich für fast 35 Euro in Deutschland, das nächste inklusive Porto für 15 aus Japan. Das Phänomen ließ sich so oft bewundern, dass ich es mittlerweile bei vielen Spielen aufgab, in Deutschland mitzubieten.

Dann ist da das Problem der vielen, vielen japanischen Rollenspiele. Mehr als auf allen anderen Konsolen, zumindest gemessen an der Gesamtzahl der Spiele für das System, habt ihr hier sehr gute und leider für die meisten von uns hier sehr unspielbare Titel. Das geht einem Großteil der Welt so und dementsprechend könnt ihr diesen Teil der Sammlung sehr schnell abhaken. Praktisch keines dieser Spiele wird euch mehr als 5 Euro kosten, mit praktisch keinem werdet ihr viel anfangen können. Ist ein Spiel also günstig zu ersteigern, guckt lieber noch mal nach, ob es nicht ein J-RRP ist, die Chancen liegen fast bei 100 Prozent. Der große Unterschied ist dann auch nicht mal, ob CD oder Modul - Hu-Card, um in der Engine-Terminologie zu bleiben -, sondern für alle spielbar oder nicht. Selbst schlechte Hüpfspiele gehen dann schon für ein Minimum von 10 Euro weg.

Dieses werdet ihr lange suchen: Sapphire. Gern gespielt und gern gefälscht. Als Original selten unter 500 zu haben, als Repro um die 50 und als Fälschung das, für was auch immer ihr euch über den Tisch ziehen lasst. 150 in meinem Falle.

Bekannte und beliebte Spiele können auf diesem System echte Konstanten sein. Die Soldier-Serie von Hudson geht immer gut weg, ein Parodius wird immer seine 40 Euro bringen und auch wenn ich schon ein Dutzend Mal probierte, Castlevania X für mein Limit von 100 Euro zu bekommen, es hat nicht funktioniert. Da kann man auch schon mal die 140 Euro für den Sofortkauf auf den Tisch legen, so groß ist der Unterschied nicht. Andere, weniger bekannte oder qualitativ hochwertige Titel solltet ihr aber probieren zu ersteigern. Sie werden auch hochgehen, aber in der Regel landet ihr immer noch bei der Hälfte oder weniger des Sofortkaufpreises. So konnte ich die auf so viele Arten peinliche Lücke in der Sammlung namens Strip Fighter zuletzt für etwas über 30 Euro schließen, den Sofortpreis von 80 hätte ich auch nie freiwillig für dieses Machwerk gezahlt. Ein Sonderthema sind die US-Versionen. Oft sind sie teurer als ihre Japan-Kollegen, und das nicht nur bei den paar Rollenspielen, die überhaupt mal übersetzt wurden. Es gibt einfach weniger davon, da weder Grafx noch Turbo Duo sonderlich erfolgreich waren. Fragt euch also, ob es bei einem Shooter die US-Version sein muss oder ob die japanische nicht eh das viel hübschere Cover hat. Mehr als bei Nintendo und SEGA müsst ihr hier wissen, was realistisch ist, um Erfolg haben zu können. Schnäppchen sind möglich, aber weit seltener, was das Sammeln entweder deutlich teurer oder anstrengender macht.

Dafür bekommt ihr in aller Regel gute Qualität. Die Hu-Card-Hüllen sind stabil und selbst bei den CD-ROMs hatte ich selten mal eine mit Sprung in der Hülle. Das macht auch nichts, schließlich lässt sich eine CD-Hülle leicht ersetzen. Die Hu-Cards sind unverwüstlich und auch die CDs wurden von der überwiegenden Zahl ihrer Nutzer anscheinend besser behandelt, als es später bei Xbox- oder PS2-Games der Fall war. Wirklich kratzige CDs hatte ich noch keine einzige. Lediglich die Handbücher sind ein Thema. Verblasstes Cover kommt vor, zerknickt vom häufigen Herausnehmen kann sein, da müsst ihr genau auf die Bilder gucken und bei teuren Titeln auch mal nachfragen.

Ein weder seltener noch so teurer, aber sehr bekannter Klassiker. Nur ob ich ihn dann für unter 100 Euro eines Tages doch noch bekomme bleibt abzuwarten.

Die Konsolen sind hier eine Wissenschaft für sich. Es gibt fast ein Dutzend Varianten, die teilweise auch nur bedingt untereinander kompatibel sind. Wenn ihr nur Module spielen wollt, ist die weiße PC-Engine euer bester Freund. Mit Zubehör und Pad, manchmal sogar ein paar Spielen landet ihr hier bei 60 Euro, ohne zu lange mitbieten zu müssen. Soll sie in der robusten und in der Regel ordentlich erhaltenen Packung sein, müsst ihr etwa 100 und etwas Zeit beim Suchen einplanen. Das US-TurboGrafx ist nicht mein Favorit, zum einen, weil es auch Region-locked ist, die US-Spiele teuer sind, vor allem aber, weil es praktisch die einzige Variante mit einem eigenen Pad-Anschluss-Format ist. Es gibt weit mehr Pads für alle anderen PC-Engine-Sorten, also sind diese deutlich günstiger. Euer bester Freund, wenn es darum geht, alles abzuspielen, sind die Duo-Varianten aus Japan: Duo, Duo-R und Duo-RX. Das US-Turbo-Duo ist in der Regel etwas teurer, braucht ebenfalls für Module einen Umbau - so wie die japanischen Geräte für US-Spiele -, was aber hier mehr nervt. Um die Aracde-CD-Spiele wie Strider oder Fatal Fury laufen zu lassen, braucht ihr eine Arcade-Card (eine Art Betriebssystem plus RAM-Erweiterung in Form eines Moduls), die das Turbo-Duo nur nimmt, wenn es umgebaut wurde oder ihr einen Adapter nutzt. Plant ihr eh den Umbau, ist das nicht ganz so relevant. Eine gut erhaltene Duo-R ließ sich für 170 Euro ergattern, in der Verpackung sind es so um die 250, eine Turbo-Duo für deutlich unter 300 zu bekommen ist dagegen selten, aber möglich. Die Preise sind etwas mehr tagesformabhängig als bei anderen Konsolen.

Wie bei allen CD-ROM-Konsolen müsst ihr darauf achten, dass ihr die Konsole im Idealfall wieder zurückgeben könnt. Die Duos sind zwar nicht so anfällig, aber wenn ihr eine habt, die nur jede dritte CD liest, macht das auch keinen Spaß. Kommerzielle Anbieter sind da in der Regel recht präzise bei den Angaben, aber dafür natürlich auch teurer. Ich hatte selbst bei dem etwas anfälligeren CD-ROM2 Glück mit Privatverkäufern, aber das heißt nicht, dass das immer der Fall sein muss.

Ignorieren könnt ihr übrigens Angebote, die euch für viel Geld einen tollen Spannungswandler anbieten. Im gleichen Zug sind Angebote, die etwas niedriger liegen, weil das Netzteil fehlt, super, da ihr eh nichts mit den japanischen oder US-Netzteilen (110 Volt) anfangen könnt. Kauft einfach für 15 Euro ein Universalnetzteil mit Wechselsteckern. Achtet auf die Voltzahl und die Ampere, für die Duos braucht ihr beispielsweise 5 Volt und 1000 mA. Gibt es überall zu kaufen.

Die PC-Engine ist für Fortgeschrittene insoweit, als dass die Preise für viele Spiele recht definiert sind und echte Schnäppchen sind zwar möglich, aber entsprechend selten. Eine relevante Sammlung, in der zumindest ein paar der großen, beliebten Klassiker wie Castlevania X liegen, wird euch was kosten. Dazu kommt ein Wust an Möglichkeiten bei der Technik selbst, der ebenfalls nicht billig zu haben ist. Das ist nicht das System, wenn ihr schnell Erfolge und große Sammlungen in kurzer Zeit für wenig Geld feiern wollt. Mehr eine Art Lebensaufgabe.

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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