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Europa Universalis: Rome

Spartanisch, praktisch, gut?

Micks Einschätzung „Europa Universalis 3 ist nichts für Einsteiger und selbst fortgeschrittene Strategen werden sich schnell die Zähne daran ausbeißen“ behält auch im Jahr 2008 im Fall des Nachfolgers Europa Universalis: Rome noch ihre Gültigkeit.

Das gilt nicht nur deshalb, weil es sich dabei um eine lediglich leicht aufgebohrte beziehungsweise angepasste Version des Anfang 2007 erschienenen Spiels handelt. Hobby-Strategen, die gerne in optisch anspruchsvollen 3D-Welten ihre Armeen in die Schlacht befehligen, aber vor allzu vielen Details zurückschrecken, werden selbst mit Rome keineswegs glücklich.

Wie der Titel schon vermuten lässt, liegt der Fokus des Geschehens diesmal auf der antiken Supermacht - allerdings einige Jahrhunderte, bevor diese im 1. und 2. Jahrhundert ihre Blüte erreichte. Ihr übernehmt in einem Zeitraum von 250 Jahren vor Christi Geburt das Zepter über dieses in der Entstehung befindliche Riesenreich, habt aber auch die Möglichkeit, Euch etwa für Kathargo oder eine der vielen kleineren Provinzen Europas zu entscheiden.

Wer aber bereits bei der Wahl der Römer sehr viel Geduld und Geschick benötigt, steht bei kleineren Mächten aufgrund der deutlich schlechteren Ausgangslage praktisch auf verlorenem Posten. Für Strategen, die ein offenes Spiel bevorzugen und eine große Herausforderung suchen, muss das nicht unbedingt von Nachteil sein. Denn schließlich gibt es bei Europa Universalis: Rome kein Spielziel oder etwaige Siegkonditionen, die es zu erreichen gilt. Wenn die Spielzeit des RTS abgelaufen ist, erscheint eine reichlich unspektakuläre Meldung und das wars dann.

Viele Völker auf engstem Raum.

Bis es soweit ist, haben Fans von Echtzeitstrategiespielen allerdings einen Haufen Arbeit vor sich. Ja, Rome artet tatsächlich in Arbeit aus, denn es ist mehr als nur ein Strategiespiel. Es ist eher eine Art geopolitischer Simulator, bei dem es allerlei Feinheiten zu beachten und managen gilt. Die Vielzahl an Möglichkeiten ist bisweilen erdrückend und grenzt aufgrund des spartanischen und gleichzeitig zu fisseligen Interfaces an Unübersichtlichkeit. So wird man immer noch regelmäßig mit Pop-up-Meldungen zugeschüttet, von denen die meisten für den Spielablauf nur von marginaler Bedeutung sind - oder zu wenige Details enthalten.

Sobald man es wagt, den Zeitraffer einzuschalten, was bei den mehrwöchigen Reisen eurer Truppen oft der Fall ist, treffen mehr Meldungen ein, als man verarbeiten kann. Glücklicherweise ist es möglich, die hektischen Momente des Spiels mithilfe der Pausenfunktion zu entschärfen und in dieser Zeit auch jede Menge Befehle zu erteilen. Die unterschwellig aufgebaute Unruhe wird man damit aber nicht los.

Die Pauseneinstellung ist aber zugleich auch eine der wichtigsten Funktionen überhaupt, da man den vielen gleichzeitig ablaufenden Situationen sonst nicht Herr wird. Ob man seine vielen Armeen koordiniert, neue Handelswege erschließt, den technologischen Fortschritt überwacht, die Angriffe von Barbarenhorden abwehrt, Belagerungen organisiert, mit Seestreitkräften Blockaden aufbaut, religiöse Omen erbittet, Aufstände niederschlägt, Nachfolger für verstorbene Heeresführer und Politiker sucht oder sich der Diplomatie zuwendet - es ist mehr als genug zu tun. Dummerweise sind die Anzeigen nur unzureichend umgesetzt: In den viel zu kleinen Fenstern werden zu wenige Infos bereitgestellt. Beispielsweise hat man auf die im Mittelpunkt des Spielgeschehens stehenden Schlachten nur äußerst wenig Einfluss.

Diplomatie kann man entweder mit Worten oder mit Schwertern führen.

Ihr verschiebt Eure Armeen auf der animierten Landkarte Europas und schickt sie so auf wochenlange Märsche. Da leider eine vernünftige Synchronisierungsfunktion fehlt, treffen Armeen aus unterschiedlichen Landesprovinzen leider häufig erst dann ein, wenn ein Truppenteil bereits geschlagen wurde und sich bereits wieder auf dem Rückzug befindet. Der Ausgang der Schlachten ist dabei häufig dem Glück geschuldet, obwohl auch das Terrain und ein Zufallsgenerator daran teilhaben.

Letztendlich ist es jedoch schwer nachvollziehbar, wenn man Schlachten trotz fünffacher Überlegenheit nicht siegreich beendet und dabei trotzdem nur einen Bruchteil seiner Männer verliert. Legt man verschiedene Teile seiner Armee zusammen, gehen aber gelegentlich auf mysteriöse Art und Weise plötzlich Hunderte Kämpfer verloren.

Nervig ist auch, dass man keinen Einfluss darauf hat, wohin sich die eigenen Truppen zurückziehen. Häufig laufen sie genau dorthin, wo man sie gar nicht haben will oder benötigt. Ähnlich störend ist jedoch, dass es sehr schwer fällt, den Feind vollends aufzureiben: Wenn die Chancen schlecht stehen, zieht dieser seine Truppen zurück und eine Jagd über halb Europa oder Nordafrika ist die Folge. Zumindest, sofern man dieses Ziel erreichen will.

Diese Beispiele zeigen, dass all jene, die nicht mit einer Engelsgeduld und sehr viel Zeit gesegnet sind oder opulente Grafikschlachten bevorzugen, an Europa Universalis: Rome nur wenig Freude haben werden. Wie schon die Vorgänger bietet auch der neueste Ableger der Reihe RTS-Liebhabern ein sehr tiefgehendes Spielerlebnis, das jedoch mit einer ganzen Reihe von Unzulänglichkeiten erkauft wird.

So überzeugen weder Interface und Menüs noch die häufig merkwürdig agierende KI. Und auch die geringen Einflussmöglichkeiten auf die Schlachten sowie die ständigen Verfolgungsjagden sind auf Dauer eher frustrierend. Zudem fällt die Einarbeitung aufgrund von Einstiegshürden eher steinig aus. Mitunter ist dafür mehr Zeit erforderlich, als man zum Durchspielen anderer Titel benötigt. Wer sich davon jedoch bereits bei den Vorgängern nicht abschrecken ließ, wird auch diesmal wieder mit wochenlangen Taktikspielchen belohnt.

Europa Universalis: Rome ist bereits im Handel erhältlich.

6 / 10

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