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Everlight

Weckt Erinnerungen (und dreckige Fantasien)

Als ich noch ein Kind war, faszinierte mich eine Erzählung, bei der sich ein Underdog-Knabe in einen Bücherladen verirrt und plötzlich in eine "Unendliche Geschichte" verwickelt wird. Die Erinnerung an dieses etwas eingestaubte Werk in meinem Bücherregal wurde gestern bei einem Besuch beim Berliner Publisher The Games Company (TGC) belebt, wo ich dank unserer Chefredakteurin Tanja eigentlich gehofft hatte, mit nackten Nymphomaninnen und "fluffigen" Dildos konfrontiert zu werden. Dies hatte sich jedoch alsbald als fieses Ablenkungsmanöver entpuppt, denn der eigentliche Zweck meines Außendiensteinsatzes war das in der Entwicklung befindliche klassische Point & Click-Adventure Everlight. Dass ich aber trotzdem nicht enttäuscht wurde, lag zum einen an einer doch noch aufgetauchten Nymphomanin und zum anderen an Melvin......

Stefan Hoffmann (links) und Martin Krämer mit Everlight.

Der Protagonist von Everlight verirrt sich nämlich wie der Bastian von Michael Ende in einen Laden. Dieser verkauft aber keine Bücher, sondern Kerzen - von denen einige magische Kräfte beherbergen. Sehr schnell bemerkt Melvin, dass der geheimnisvolle Verkäufer nicht übertrieben hat und findet sich unverhofft in einer ihm fremden Fantasy-Umgebung wieder, wo er sich zum rettenden Helden emporquestet.

Was uns die Spieleschmiede Silver Style in Person von Stefan Hoffmann (Projektleiter, Game Design) präsentierte, befindet sich zwar aktuell noch "im Alphastatus", soll aber trotzdem schon Ende August auf die wartende Adventure-Community losgelassen werden. Etwaige Sorgen, den Terminplan nicht einhalten zu können, sind allerdings nicht vorhanden. Warum auch? Die kreativen Bastler besitzen reichlich Erfahrung auf ihrem Gebiet. Zuletzt zeichneten sie für Simon the Sorcerer 4 verantwortlich.

Fee Fenny ist Eure ständige Begleiterin.

Everlight basiert technisch auf einer deutlich weiterentwickelten Engine von Simon the Sorcerer 4, wie betont wird. Das soll sich dementsprechend auch am Gameplay bemerkbar machen und zudem "erwachsener" daher kommen als Simon, ohne humorlos zu sein. "Im Vordergrund stehen immer die Story und die damit im Zusammenhang stehenden Puzzles. Wir wollen aber trotzdem humorvoll sein, haben jedoch sicherlich nicht solche Schenkelklopfer drin", bemerkt Martin Krämer, PR-Mann von TGC. In der Tat scheint unser Ersteindruck das zu bestätigen, und oft blitzt uns Spielwitz entgegen, der häufig erst auf den zweiten Blick oder "hintenrum" zu verstehen ist und die Einstufung "erwachsener" schnell verständlich macht.

Vieles erklärt sich beispielsweise durch den Aufbau des Spiels. Melvin gelangt durch seine zauberhafte Reise in die Fantasy-Dimension in eine Stadt, in der alle Bewohner auf den ersten Blick ganz normal zu sein scheinen. Allerdings haben sie (fast) alle ein Problem: Nachts verändert sich ihr Wesen und sie werden zu anderen Menschen.

"Die Charaktere ticken aus, wenn es dunkel wird", beschreibt Hoffmann diese Schizophrenie, bei der sich etwa der notorisch blanke Schmied des Nachts am Spieltisch um sein sauer verdientes Geld bringt, Tags aber mit so etwas nichts zu tun haben will. Oder die brave Verkäuferin im Magiegeschäft, die in der Dunkelheit plötzlich "bizarren Drogenexperimenten gegenüber aufgeschlossen ist". Den Vogel schießt aber ein anderer der ca. 20 Charaktere des Spiels ab - und hier schließt sich der Kreis zur obigen Einleitung: Eine tagsüber als alternde Jungfer agierende Miesepeterin mutiert zur "spät berufenen Nymphomanin". Wie geil!

Der Humor des Adventures entsteht also oft durch skurrile Situationen. Zum Beispiel wenn man beim Hausmeister die Wartenummer 9998 erhält, die aktuell angezeigte Zahl im Wartesaal allerdings 13 lautet. Außerdem trägt Melvins Sidekick Fenny, die gute, aber auch fiese Fee, zur allgemeinen Atmosphäre bei und kommentiert das Geschehen auf ihre Weise.

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