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Everybody's Golf - Test

Japano-Arcade-Golf Deluxe!
Eurogamer.de - Empfehlenswert Badge
Schnelles Arcade-Golfspiel, das nicht den geringsten Wert auf Realismus legt, teils etwas veraltet ist, aber dennoch viel Spaß macht.

Es ist schon komisch, wenn man sich mit einem PS4-Controller in der Hand auf einmal fühlt, als würde man irgendeine Nintendo-Konsole spielen. Ganz genau das ist mir aber bei der neuesten Variante von Everybody's Golf auf der PlayStation 4 passiert. Es ist die inzwischen zwölfte Iteration dieser Serie und ich möchte schon vorweg nehmen: Es ist eines der besten Golfspiele, das es auf der PS4 aktuell gibt. Nun mögen scharfzüngige Kritiker schreien, dass das ist, als wolle jemand Mario Kart mit Forza vergleichen, oder Kölsch mit richtigem Bier. Am Ende jedoch kommt es einfach darauf an, was Spaß macht. Und nachdem ich das neueste EA-Golf eher mit abschätzigem Mundwinkelzucken zur Kenntnis nahm und auch The Golf Club 2 es nicht wirklich vermochte, mich in seinen Bann zu ziehen, ist das hier erfrischend simpel und packend... es macht einfach Spaß.

Dieser Ball liegt relativ gut auf dem Fairway.

Everybody's Golf nutzt die klassische Drei-Klick-Steuerung für seine Abschläge: Drückt das erste Mal beim Ausholen, dann, wenn der Schläger gewissermaßen an seinem Zenit angekommen ist und zu guter Letzt, wenn er den Ball schließlich trifft. Während Fehler beim zweiten mal Drücken dazu führen, dass der Ball entweder zu weit oder zu kurz fliegt, sorgt ein zu spätes oder zu frühes Drücken beim letzten Mal dafür, dass ihr den Ball verzieht. Und so kommt es am Ende bei jedem Schlag darauf an, dass ihr scharfen Verstandes auf einen möglichst latenzfreien Bildschirm blickt. Diese Steuerung ist grundsätzlich kein völliges Fehlkonzept, sie führt aber doch dazu, dass ihr bei jeder kleinen Ablenkung (Vögel auf dem Baum, Halbwüchsige auf der Straße, Nachbarn auf Bier) dazu neigt, euren Schlag völlig zu vergeigen. Im schlimmsten Fall landet er dann in irgendeinem Wasserhindernis, was euch einen Strafschlag einbringt und somit schon mal über Sieg oder Niederlage in einer ganzen 9- oder 18-Loch-Partie entscheiden kann. Das ist ärgerlich und hat nicht nur einmal dafür gesorgt, dass ich die PlayStation 4 wutentbrannt ausgeschaltet und den Controller etwas härter auf den Tisch "gelegt" habe.

Aber Everybody's Golf will eben keine echte Golf-Simulation sein. Das wird schon beim ersten Start des Spiels deutlich. Die Entwickler präsentieren euch erst einmal eine Art Oberwelt, in der ihr als selbstgestalteter Golfer herumlaufen und Leute ansprechen könnt. Diese Welt besteht aus knuffigen Animé-Figuren, die allzeit freundlich zu euch sind. Und es sagt allen Einsteigern: "Kommt her, hier findet ihr ganz leichten Zugang zum Sport". Und das funktioniert auch. Das Spiel unterteilt sich in verschiedene Ligen, wobei jede von ihnen für einen unterschiedlichen Fertigkeitsgrad steht. In der Anfängerliga spielt ihr erst mal nur einen relativ unkomplizierten Platz in verschiedenen Variationen. Mal gespiegelt beispielsweise und manchmal mit besonderen Vereinfachungen. Mit größeren Löchern etwa oder solchen, die Bälle in ihrer näheren Umgebung via Mini-Tornado geradezu einsaugen. In solchen Momenten kommt einem Everybody's Golf fast vor wie die Mario-Kart-Variante einer Golf-Simulation, aber genau das hat der PS4 bislang ja irgendwie auch gefehlt.

Im Verlauf des Spiels müsst ihr euch immer wieder gegen einzelne Gegner beweisen. Hier: Ich gegen die Französin Cindy.

Den eher auf Zugänglichkeit ausgelegten Anspruch des Spiels in allen Ehren - ein bisschen besser hätte die Präsentation auch bei solchen Ambitionen trotzdem sein können. Himmel sei Dank ist der unsägliche Popsong, der den Startbildschirm untermalt, noch recht schnell wegzudrücken, aber die Grafik sieht dann halt doch das ganze Spiel über so aus, als sei sie aus frühen PlayStation-3-Tagen. Dass die Blätter von Bäumen bei näherer Ansicht verpixelter grüner Matsch sind, das ist eben einfach nicht mehr zeitgemäß, schon gar nicht für eine Konsole wie die PS4 und schon gar nicht für ein Spiel, das in seinen Optionen sogar extra HDR-Optionen für die PS4 Pro anbietet. Was soll sich dadurch verbessern? Deutlicherer Kontrast für die Pixel im Pixelmatsch? Am Ende ist die grafische Opulenz für ein Golfspiel vielleicht auch gar nicht so wichtig.

Ein Menü, wie man es aus anderen Golfspielen gewohnt ist, gibt es übrigens hier auch nicht. Stattdessen müsst ihr ein Turnier aus der Oberwelt heraus starten, indem ihr mit einer bestimmten Person sprecht. Habt ihr genug Turniere erfolgreich absolviert, könnt ihr gegen spezielle Gegner antreten. Schafft das ein paar Mal und ihr steigt in die nächste Liga auf. Nebenbei gewinnt ihr nach jeder Partie neue Klamotten für euren Golfer, aber beispielsweise auch bestimmte Bälle und Schläger. Die sind wahlweise besonders gut dafür geeignet, aus Sandbunkern oder hohem Rasen herausgeschlagen zu werden. Einzige Krux: Sie lassen sich nur jeweils in einer Partie einsetzen, danach gehen sie kaputt. Wenn ihr genug vom eigentlichen Golfspiel habt, könnt ihr auch über die Insel spazieren und euch von einem älteren Herren über das Wesen des Golfsports ausfragen lassen. Ist irgendwie unnötig, ist aber ein netter Bonus am Rande. Solltet ihr hier alle Fragen richtig beantworten, bekommt ihr auch hier wieder Klamotten oder neue Bälle.

Das Putten ist recht anspruchsvoll. Insbesondere die Höhen und Tiefen des Grüns lassen sich nicht immer gut lesen.

Das Spiel haben die Entwickler zusätzlich um ein paar Rollenspiel-Elementen angereichert. Zwar verbessert sich nicht eure Figur als solche, wohl aber deren Umgang mit bestimmten Schlägern. Kleines Beispiel: Wenn ihr beim Abschlag wiederholt besonders weit, kontrolliert und kraftvoll spielt, wird euer Driver im Level aufsteigen und ihr werdet mit ihm so ein paar Yards weiter spielen können. Das ist durchaus motivierend und kann in Turnieren den entscheidenden Vorteil bringen. Und: Es gibt euch einen gewissen Vorteil, wenn ihr euch auf eure Lieblingsschläger spezialisiert. Mit einer kleineren Auswahl davon werdet ihr letztlich besser sein als Spieler, die sich auf ein breiteres Repertoire stützen.

Und so wird nach und nach deutlich, dass in Everybody's Golf dann doch ein bisschen mehr Tiefe steckt, als zunächst angenommen. Spätestens in der dritten Liga lassen sich die Computer-Golfer nicht mehr ganz so leicht schlagen, sondern nötigen euch schon den ein oder anderen gewagten Birdie ab. Dazu führt das Spiel immer neue Möglichkeiten ein. Den Backspin beispielsweise, aber auch die Möglichkeit, einen zu lang oder zu kurz geschlagenen Ball nachträglich noch zu korrigieren, in dem ihr beim Abschlag am Ende nicht auf X, sondern auf Dreieck oder Kreis drückt. Zudem gibt's diverse Mehrspieler-Modi. Online könnt ihr im Rasenkrieg mit einem Team gegen ein anderes antreten oder euch frei auf einem Golfplatz herumlaufenden auf einzelnen Bahnen mit anderen Spielern messen. Zudem gibt's natürlich auch eine Offline-Mehrspieler-Option für alle Couch-Golfer.

Yay, mein erster Birdie!

Everybody's Golf ist sicher kein perfektes Golfspiel. Die Grafik ist stark veraltet, der Comic-Look sicher nicht jedermanns Sache. Hinzu kommt unrealistisches Beiwerk wie vergrößerte oder Tornado-Löcher. Allerdings: Wer die nicht spielen will, muss es ja auch nicht. Was ihr aber müsst: Die teilweise dann doch etwas nervige Drei-Klick-Steuerung akzeptieren. Trotz teils frustiger Momente kam ich damit nach und nach jedoch immer besser klar. Wer Golfspiele mag, eine lupenreine Simulation zur absoluten Glückseligkeit aber nicht unbedingt braucht, macht mit Everybody's Golf für 40 Euro nichts falsch.

Entwickler/Publisher: Clap Hanz/Sony - Erscheint für: PlayStation 4 - Preis: 39,99 Euro - Erscheint: 30. August 2017 - Getestete Version: PlayStation 4 - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

Markus Grundmann Avatar

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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