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FIFA 10

Königsklasse

„Der größte Wunsch ist wohl die Verfeinerung, der weitere Fokus auf das Gameplay“, erklärte Produzent David Rutter im Juli in unserem FIFA-10-Interview die Wünsche der Fans. Schon damals machte FIFA 10 einen rundum gelungenen Eindruck, wurde in vielen Bereichen überarbeitet, was dem Realismus sehr zugute kam. Etwas mehr als einen Monat später rotiert das Spiel nun endlich in der Redaktions-PS3 und bestätigt seine zurecht erteilten Vorschusslorbeeren.

Einen wesentlichen Beitrag zum gelungenen Gameplay leistet das 360-Grad-Dribbling. Das mag auf den ersten Blick etwas unscheinbar klingen und fällt in den ersten Minuten vielleicht auch gar nicht so richtig auf, aber je mehr Zeit verstreicht, desto mehr will man dieses Feature nicht mehr missen. Anstatt der zuvor üblichen acht Richtungen, in die man seinen Kicker lenken kann, schlägt er nun wirklich exakt den Weg ein, den man mit dem Analog Stick anpeilt. Das kommt dem Spiel sehr entgegen, bewegt man sich dadurch doch wesentlich freier und unabhängiger, kann deutlich feinere Änderungen am Laufweg vornehmen, die Akteure wesentlich präziser über den Rasen laufen und durch gegnerische Abwehrreihen dribbeln lassen.

Im Zusammenspiel mit den nochmals überarbeiteten Animationen und dem Verhalten der Teams entsteht somit ein völlig neues Spielgefühl, das dem von FIFA 09 spürbar überlegen ist. Es fühlt sich einfach echter, dynamischer, unberechenbarer an. Ob es nun ein blitzschneller und über mehrere Stationen gespielter Konter oder ein wildes Durcheinander im Strafraum ist, bei dem der Stürmer zufällig an den Ball kommt und die Kugel ins Tor hämmert, es geht schnell und rasant zur Sache. Je nach Situation muss man in Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen, um einen Vorteil für sich daraus zu ziehen oder einen Nachteil zu vermeiden.

Wer die richtigen Anspielstationen wählt, kann seinen Gegner beispielsweise mit etwas Glück und One-Touch-Fußball ganz schnell in Verlegenheit bringen. Für genügend Platz sorgen die eigenen Teamkollegen schon selbst. Sie laufen sich selbstständig frei, setzen zum Sprint an und warten auf die Pässe des Spielers, insbesondere über die Flügel, um das Leder dann hoch oder flach in den Strafraum segeln zu lassen, wo der eigene Stürmer das Spielgerät hoffentlich ins Tor jagt. Einfache Pässe nach vorne in den freien Raum sind dabei längst nicht mehr so häufig erfolgreich wie noch in FIFA 09 – meist bieten sich solche Gelegenheiten nur bei einem Konter. Ansonsten reagieren die Gegner gut auf solche Versuche, fangen die Kugel ab oder drängen den ballführenden Spieler weg.

FIFA 10 - gamescom-Trailer

Stichwort Zweikämpfe: Die werden in FIFA 10 wesentlich intensiver geführt. Über mehrere Meter hinweg drängeln und schubsen sich schon mal zwei Spieler, die um den Ball kämpfen. So lange, bis einer gewonnen hat oder einer einen Freistoß bekommt. Der Spielfluss wird im Übrigen nicht mehr zwingend durch Grätschen gestört. In FIFA 09 ließen sich die Spieler zumeist einfach von den Beinen holen, was oftmals in Unterbrechungen resultierte. Sofern man sie in FIFA 10 nicht wirklich ernsthaft erwischt, hüpfen sie über den am Boden heranrutschenden Spieler drüber und setzen ihren Weg relativ unbeschwert fort. Zudem hat man oftmals die Möglichkeit, nach einem Foul per Tastendruck einen schnellen Freistoß auszulösen und so eventuell einen überraschenden, gefährlichen Angriff einzuleiten. Das resultiert in weniger Unterbrechungen und mehr Spielfluss, zumal der Schiedsrichter die Vorteilsregel einwandfrei beherrscht.

Und um nochmal auf die Unberechenbarkeit zurückzukommen: Durch die Tatsache, dass Akteure gerne mal ihren Fuß in einen Schuss oder eine Flanke des Gegners halten, Bälle vom Keeper, dem Aluminium oder anderen Spielern abprallen, ergibt sich eben diese Dynamik. Ein Fehlpass kann im Handumdrehen zu einer gefährlichen Situation werden, da die Mitspieler darauf reagieren, umgehend die Beine in die Hand nehmen und sich auf den Weg nach vorne machen. Wer oftmals Bälle erobert und sofort geschickt nach vorne spielt, wird sich auf diese Art und Weise viele Chancen erarbeiten können.

Da ich in den letzten Wochen wieder vermehrt FIFA 09 gespielt habe, fallen die Unterschiede im direkten Vergleich natürlich umso deutlicher auf. Was die Entwickler hier in einem Jahr noch mit ordentlich Feintuning aus dem Gameplay des bereits sehr guten FIFA 09 rausholen konnten, ist wirklich beachtlich. Obwohl ich bis jetzt noch nicht sämtliche Aspekte (Manager-Modus, Custom Set Pieces) hundertprozentig genau beziehungsweise über einen längeren Zeitraum hinweg unter die Lupe nehmen konnte, freue ich mich schon alleine aufgrund des fantastischen Gameplays wahnsinnig auf das diesjährige FIFA. Für Fußball-Fans führt wohl kaum ein Weg daran vorbei.

FIFA 10 erscheint am 1. Oktober für PC, PlayStation 2, PlayStation 3, Xbox 360, Wii, PlayStation Portable und Nintendo DS.

Über den Autor

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur und seit 2006 bei Eurogamer.de. Er schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps. Benjamin spielt Videospiele hauptsächlich auf Konsolen. Seine Expertengebiete sind breit gefächert, von Shootern und Action-Adventures über RPGs bis hin zu Sportspielen und Rennspielen. Zu seinen Hobbys gehören Lego, Science Fiction, Bücher, Filme und Serien sowie Star Wars und Star Trek.

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