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FIFA 23 - Test: Kommt das Beste wirklich zum Schluss?

Erwartungsgemäßes Ende einer Ära.
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FIFA 23 birgt keine großen Überraschungen, macht aber trotz der wiederkehrenden FUT-Lootboxen erneut eine Menge Spaß.

Das Beste kommt doch zum Schluss, oder? Sagt man zumindest. Wobei das bei Electronic Arts' Fußballspielen ja nur für den Namen gilt, ab dem kommenden Jahr steht dort EA Sports FC auf der Verpackung. Spielerisch dürfte sich wohl nicht allzu viel ändern, so wie es im echten Fußball der Fall ist. Trotzdem fühlt es sich nach einem besonderen Moment an. Es ist eine Spielereihe, die ich von Anfang an begleitet habe. Und jetzt gibt es diesen bekannten Namen in der Spielewelt nicht mehr, oder zumindest nicht mehr von EA. Wer weiß, welche Pläne die FIFA dahingehend verfolgt…

Wie ihr es aus den vergangenen Jahren kennt, stellt FIFA 23 keine große Umwälzung dar, sondern geht mit allerlei feinen Änderungen vielmehr ins Detail, dreht hier und da an Schrauben und poliert die Technik weiter auf. Kurz: Das, was zu erwarten war.

Wie sieht's auf dem Platz in FIFA 23 aus?

Insgesamt präsentiert sich FIFA 23 als ein etwas langsameres Spiel, wenngleich das Tempo nicht irrelevant ist. Dafür sorgt EA Sports' neue Sprintmechanik, die auf den tollen Namen AcceleRATE hört. Irgendwer bekommt viel Geld, um sich solche Namen, auszudenken, oder? Das neue System sorgt für noch mehr Individualität, weil manche Spieler einfach deutlich schneller zu einem Sprint ansetzen können als andere, vorausgesetzt das Timing stimmt.

Die Stimmung in den Stadien fängt das Spiel mittlerweile richtig gut ein. Das beginnt bei Choreografien und Gesängen an und hört auf, wenn ein Tor erzielt wird. Wenn in der Allianz-Arena die bekannte Torhymne von Jacques Offenbach oder im Weserstadion das Nebelhorn erklingt, fühlt man sich mittendrin im Geschehen und freut sich noch ein Stückchen mehr über seinen Torerfolg. Erst recht, wenn man die Kommentatoren abschaltet und nur den Stadionton genießt.

Ein realistisches Ergebnis in FIFA 23.
Ein realistisches Ergebnis, wenn ihr mich fragt.

Überarbeitungen gab es in diesem Jahr bei den Standardsituationen, also Elfmeter, Freistöße und Eckbälle. Ihr könnt etwa bei Freistößen und Eckbällen den Spin direkt sichtbar anhand eines kleinen Ball-Symbols in der Mitte festlegen, ebenso fällt das Fadenkreuz weg und wird durch eine Linie ersetzt, die auf kurze bis mittlere Distanz die erwartete Flugbahn anzeigt. Was letztlich natürlich immer noch davon abhängt, wie viel Schusskraft ihr zum Beispiel aufwendet, aber es gibt euch eine gute Vorstellung davon, wie der Ball fliegen wird, wenn ihr ihn normal trefft.

In der Offensive soll der neue Powerschuss für gefährlichere Situationen sorgen. Richtig ausgeführt, sind Powerschüsse eine extrem gefährliche Waffe. Technisch gesehen kann jeder beliebige Spieler einen solchen abgeben, wenngleich bessere Werte natürlich nicht verkehrt sind. Wie bei so vielem auf dem Spielfeld kommt's auch hier wieder auf das richtige Timing an und äußerst gute Präzision. Ihr braucht Platz und etwas mehr Zeit für die Ausführung, also noch mehr risk and reward auf dem Spielfeld, wenn ihr es nutzen möchtet. Es ist kein übermächtiges Werkzeug, in fähigen Händen kann es aber im entscheidenden Moment den Unterschied machen.

Mehr Frauen, und was ist mit der WM?

Begrüßenswert ist, dass FIFA 23 den Frauenfußball etwas stärker integriert, wenngleich hier weiterhin noch viel Luft nach oben ist. Jahrelang hat sich hier nach der Einführung in FIFA 16 wenig getan, es gab nur Nationalmannschaften, Freundschaftsspiele und generische Turniere, nicht mehr. Diesmal ist es ein wenig mehr, denn mit den höchsten Spielklassen in England und Frankreich kamen zwei Ligen hinzu, wenngleich ihr keine Karriere dort starten könnt. Es sind einfach die Teams und die jeweiligen Spielerinnen vorhanden.

FIFA 23 überzeugt mit seiner Stadionatmosphäre.
EA bringt die Stadionatmosphäre in FIFA 23 überzeugend rüber.

Die Weltmeisterschaft wird noch folgen, ebenso wie die kommende WM der Männer ist sie zum Launch noch nicht im Spiel. Wie gesagt, das ist ein Schritt in die richtige Richtung, in Zukunft kommt da hoffentlich noch mehr. Ich denke da an die Frauen-Bundesliga und die vielen anderen Ligen, die es auf der Welt noch gibt, ebenso die UEFA Women's Champions League. Potenzial ist noch viel da und wenn sich EA schon die Mühe gibt, individuelle Animationen für Spielerinnen aufzunehmen, wird es das wohl hoffentlich nicht gewesen sein.

Was hat sich in Ultimate Team getan?

Andere große Änderungen betreffen den umstrittenen Ultimate-Team-Modus. An den Lootboxen hat sich dabei nichts getan, die sind weiterhin vorhanden. Theoretisch müsst ihr nie einen Cent investieren, um FUT zu spielen, aber das ist eben deutlich anstrengender. Und es gibt viele Verlockungen...

Bei den Änderungen geht es vielmehr um einzelne Aspekte eurer Mannschaft, das Chemie-System wurde angepasst und soll es euch nun einfacher machen, euer Traumteam zusammenzustellen. Kurz gesagt: Die Chemie beruht nicht mehr auf Spielern, die sich nebeneinander befinden, sondern auf der Zusammenstellung des gesamten Teams. Das macht es übersichtlicher und unkomplizierter, wenngleich die vielen kleinen Icons, die das anzeigen, zuweilen einen anderen Eindruck erwecken können. Im Großen und Ganzen aber eine willkommene Änderung.

Bei den Moments, einem neuen Modus, habt ihr es mit verschiedenen Szenarien zu tun, für die ihr als Belohnung Sterne erhaltet. Und diese Sterne lassen sich gegen Packs und andere Belohnungen eintauschen. Manche dieser Momente sind aber nur zeitlich begrenzt verfügbar oder haben bestimmte Voraussetzungen (etwa eine gewisse Zahl an Spielern aus einem angegebenen Team), was es wiederum einschränkt und Auswirkungen auf den Transfermarkt haben könnte, wenn einzelne Spieler mehr gefragt sind.

Die Standards in FIFA 23 wurden verändert.
Die Standardsituationen kommen jetzt ohne Fadenkreuz aus.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Modus mit der Zeit entwickelt. Wird er eine echte Alternative oder verhält es sich wie mit den späteren Squad Bulding Challenges, bei denen man häufig den Eindruck hat, dass sie einen eher dazu anspornen sollen, mehr Geld für Packs auszugeben? Für den Anfang ist es okay, es könnte aber auch in die falsche Richtung gehen.

Wie in jedem Jahr wird sich auch allgemein noch viel ändern. Dinge, die sich erst mit der Zeit im Normalbetrieb unter Live-Bedingungen zeigen. Manches wird gestärkt, manches wird abgeschwächt. So ist es bei jedem FIFA, aber im Hier und Jetzt habe ich viel Spaß mit FIFA 23. Ultimate Team lasse ich wie immer links liegen und habe in der Karriere oder bei einem schnellen Spiel meinen Spaß, ohne jemals mit Mikrotransaktionen in Berührung zu kommen. Und das ist der entscheidende Punkt: FIFA 23 ist mehr als nur Ultimate Team. Keiner zwingt euch, diesen Modus zu verwenden und auch ohne ihn gibt es viel zu tun.

Technisch zeigt sich das Spiel in sehr guter Form, es sind wie immer neue Animationen hinzugekommen, die Spieler und Stadien detaillierter geworden. Auch hier gilt: Es ist das, was zu erwarten ist. Schön ist, dass die PC-Version technisch endlich auf den Stand von PS5 und Xbox Series X/S gehievt wurde. Was nicht heißen soll, dass alles perfekt wäre. Das ist es in FIFA nie. Hier und da seht ihr eine komische Animation, bei den Wiederholungen in Nahaufnahme ein paar merkwürdige Gesichtsausdrücke. Es gibt immer kleine Dinge, die einem auffallen können. Aber darunter ist nichts Drastisches, was den Spielspaß ruinieren würde. Insgesamt ist FIFA 23 einfach ein tolles audiovisuelles Erlebnis.

Übrigens: Die Switch-Version von FIFA 23 ist erneut nur eine Legacy Edition, kommt also ohne große Neuerungen aus.

FIFA 23 - Fazit

Also wenig Überraschendes bei FIFA 23, aber das war ja nicht anders zu erwarten. Es ist die x-te Verbesserung des ursprünglichen Spielprinzips, bei dem EA Sports alle paar Jahre mal wieder etwas anders macht (Freistöße, Elfmeter, etc). Der neue Powerschuss ist eine schöne Ergänzung und ich freue mich über mehr Frauen-Teams, wenngleich es nur ein kleiner Schritt nach vorne ist. FUT bietet zwar willkommene Änderungen an der Teamchemie, bleibt aber voller Lootboxen. All das lässt sich nach wie vor getrost ignorieren, wenn ihr euch nicht damit beschäftigen möchtet. Mir macht FIFA 23 auch ohne FUT großen Spaß. Es ist schade, dass die Karriere wenig Änderungen erfahren hat, aber das reine Spielen ist einfach eine große Freude und ich sauge die Atmosphäre in den virtuellen Stadien mit Freude ein, besonders bei Torerfolgen. Das bringt Stimmung in die Bude.

Und doch könnte die Zukunft der Reihe spannender werden als in den vergangenen Jahren. EA hatte sich zuvor über mangelnde Freiheiten beschwert, ohne den Namen FIFA und die lizenzrechtlichen Einschränkungen im Hintergrund könnte EA Sports FC 24 (oder wie auch immer es heißen mag) ein großer Schritt nach vorne sein. Letztlich ergibt es Sinn, dass sich EA größere Neuerungen für seine neue Marke aufsparen würde, um gleich hervorzustechen. Ob es dazu kommt? Kriege ich endlich wieder meinen Hallenmodus? Hahaha, bleiben wir realistisch: Vermutlich nicht, aber man wird ja noch träumen dürfen. Warten wir es ab.

FIFA 23 - Pro und Contra

Pro:

  • Tolle Atmosphäre in den Stadien
  • Powerschüsse bringen noch mehr Varianz aufs Spielfeld
  • Mehr Frauen-Teams
  • PC-Version ist jetzt technisch auf dem Niveau von PS5 und Xbox Series X/S

Contra:

  • FUT baut weiterhin stark auf Lootboxen auf
  • Kaum Änderungen im Karrieremodus
  • Keine Karriere oder neue Modi mit Frauen-Teams

Entwickler: EA Sports - Publisher: Electronic Arts - Plattformen: PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch, Google Stadia - Release: 30.9.2022 - Genre: Sportspiel - Preis (UVP): 59,99€ (PC), 69,99€ (Xbox One, PlayStation 4), 79,99 Euro (PlayStation 5, Xbox Series X), 34,99€ (Nintendo Switch)

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor
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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.

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