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Final Fantasy Countdown: Final Fantasy IX

Das letzte seiner Art

Kennt ihr Vivi? Den kleinen, schwarzen Magier aus Final Fantasy IX? Vivi ist neun Jahre alt, tollpatschig, hat leuchtend gelbe Augen, trägt eine weite, gestreifte Hose und einen spitzen gelben Hut mit breiter Krempe. Und Vivi weiß, dass er sterben wird. Er wird sich nicht opfern wie Aerith in Final Fantasy VII, sein Tod ist keine bewusste Aktion und keine große Geste, er ist schlicht und ergreifend unvermeidlich. Als schwarzer Magier ist er in der Welt von Final Fantasy IX eine künstlich geschaffene Waffe des Königreichs Alexandria und hat als solche eine ungewisse, auf jeden Fall aber begrenzte Lebenserwartung.

Vielleicht stirbt Vivi in einem Jahr, vielleicht in zehn Jahren, vielleicht in der nächsten Minute – er weiß es nicht. Doch im Verlauf der Handlung von Final Fantasy IX lernt Vivi, diese Realität zu akzeptieren, er lernt, nicht daran zu verzweifeln und das Beste aus seinem vielleicht kurzen Leben zu machen. Und als Held Zidane, eigentlich ein Frauenheld, Draufgänger und unverbesserlicher Optimist, schließlich erfährt, dass er auch ein künstlich geschaffenes Wesen ist, ist es Vivi, der ihn aus seiner Depression zieht.

Tod und Verlust sind in Final Fantasy IX ständige Begleiter. Zidane, Vivi, Steiner, Garnet... all die Protagonisten erfahren ihre eigenen Verluste, sie alle wachsen und verändern sich durch ihre Erfahrungen. Bei einer solch wunderbaren Charakterisierung der Figuren ist es kein Wunder, dass Serienerfinder Hironobu Sakaguchi selbst Final Fantasy IX regelmäßig als sein liebstes Final Fantasy bezeichnet.

Final Fantasy IV lässt grüßen: Die Helden kämpfen gegen den Ameisenlöwen.

Das macht es besonders schade, dass Final Fantasy IX seit jeher unter vielen Fans nicht allzu hoch geschätzt und oft sogar vergessen wird. Die Gründe dafür sind dabei allemal zahlreich. Der einfachste ist das ungünstige Timing. Final Fantasy IX erschien sehr spät im Lebenszyklus der PSone – als das Spiel in Japan, den USA und Europa auf den Markt kam, war die PS2 in allen drei Regionen bereits in den Läden und nahm den letzten PSone-Hits gewaltig den Wind aus den Segeln.

Dann litt Final Fantasy IX ganz extrem unter der gespaltenen Fanbasis. Die neuen Fans, die Final Fantasy erst mit Teil VII und VIII kennenlernten, konnten sich weder mit dem comichaften Look noch dem Fantasy-Setting anfreunden. Gleichzeitig fühlte sich so mancher Altfan nach Final Fantasy VII und VIII (schon damals war es in versnobteren Spielerkreisen ziemlich en vogue, über die beiden Spiele die blasierte Nase zu rümpfen) bereits so entfremdet, dass er Teil IX einfach ignorierte.

Eine traurige Entwicklung, da genau Final Fantasy IX eigentlich die Episode sein sollte, die noch einmal die komplette Fanbasis begeistert und als großer Knaller die klassische Final-Fantasy-Serie beschließen sollte, bevor sie mit Final Fantasy X zu inhaltlich und spielerisch neuen Ufern aufbrach. Final Fantasy IX erlaubte euch noch einmal, mit einer Viererparty ins Feld zu ziehen, Monster in klassischen Active Time Battles zu verhauen, bot die guten, alten Kristalle als zentralen MacGuffin der Handlung und war an allen Ecken und Enden gespickt mit Anspielungen auf frühere Episoden.

Das regnerische Burmecia ist auch nach zehn Jahren noch wunderschön anzusehen.

Und auch wenn man zu dem Zeitpunkt, als Final Fantasy IX erschien, eigentlich schon von diversen Dreamcast-Grafikbomben der Marke Shenmue und Soul Calibur verwöhnt war, kommt man damals wie heute nicht umhin, ob der beeindruckenden technischen Leistung, die Square in Final Fantasy IX bot, staunend den Hut zu ziehen. Im Gegensatz zu den Vorgängern legt Square bei den Kämpfen grafisch noch mal eine ordentliche Schippe drauf und erweitert gleichzeitig noch einmal das Kämperfeld um eine weitere Figur – man meint schon so manches mal, den geplagten PSone-Prozessor leise stöhnen zu hören...

Ein Faszinosum für sich ist dabei das Artdesign. Kritiker werfen Final Fantasy IX immer wieder seinen „extremen Japano-Look“ vor und schießen damit gezielt an der Sache vorbei – optisch waren die beiden Vorgänger mit ihren Tetsuya-Nomura-Designs doch weitaus japanischer als Teil IX. Tatsächlich wirken viele Szenen und Umgebungen eher westlich inspiriert.

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Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

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