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Final Fantasy IV: The After Years

Finale 2D-Fantasie

Ist Final Fantasy IV: The After Years tolldreistes Recycling, oder ein 2D-Geschenk an die alten Fans aus lang vergangenen 16-Bit Zeiten? Tatsächlich sorgte vor Kurzem die Ankündigung des Download-Nachfolgers von Final Fantasy IV für jede Menge Erstaunen unter den Fans. Denn das Abenteuer, das demnächst exklusiv für Nintendos WiiWare-Service erscheint, hat mit den modernen Final Fantasy-Spielen eigentlich so gar nichts zu tun.

Euch erwarten keine üppigen Rendervideos, keine Polygonfiguren, keine Detail verliebten Hintergründe, stattdessen setzt Square Enix und Entwicklerstudio Matrix auf Sprites und Szenarien, wie Ihr sie das letzte Mal bei den GBA-Remakes der Teil 4, 5 und 6 gesehen habt. Und im Gegensatz zu den GBA-Spielen ist The After Years eben kein Remake, sondern ein völlig neues Abenteuer in einer allerdings nicht ganz so neuen Welt.

17 Jahre nach den dramatischen Ereignissen von Final Fantasy IV (nachzuspielen wahlweise auf SNES, PSone, Wonderswan Color, GameBoy Advance und DS...) scheint die Welt friedlich zu sein. Held Cecil und seine Magier-Freundin Rosa haben geheiratet, den Thron von Baron bestiegen und einen feschen Sohn gezeugt. Der weinerliche Edward regiert das Königreich Damcyan und wird von seinem Volk geliebt, die grünhaarige Rydia baut ihr zerstörtes Heimatdorf wieder auf... schöner könnte es kaum sein.

Die hochauflösenden Textkästen sind der deutlichste Unterschied zum Ur-Final Fantasy IV.

Doch der Frieden ist nicht von Dauer. Cecils Sohn Ceodore, die neue Hauptfigur, leistet bei Barons Redwing-Flotte Dienst, als diese von einem mysteriösen neuen Feind angegriffen und nahezu komplett ausgelöscht wird. Ceodore ist der einzige Überlebende der hinterhältigen Attacke. Und das ist erst der Auftakt einer geheimnisvollen Offensive gegen Baron und die anderen Königreiche. Im Verlaufe seines Abenteuers trifft Ceodore nicht nur eine Menge neuer Verbündeter, auch Cecils alte Kampfgefährten spielen eine große Rolle.

Final Fantasy IV: The After Years ist die Umsetzung eines episodischen, in Japan bereits seit Anfang 2008 erhältlichen Handy-Abenteuers. Noch ist nicht bekannt, wie umfangreich die WiiWare-Fassung werden soll – enthält sie alle japanischen Handy-Episoden, oder wird The After Years auch auf WiiWare Stück für Stück veröffentlicht? Da erfahren wir hoffentlich bald mehr. Ich tippe auf ein episodisches Erscheinen, die Dramaturgie der einzelnen Abenteuer mit ihren Rückblenden und Cliffhangern legt das durchaus nahe. Und mehr Geld ist so natürlich auch zu machen.

Was dagegen bereits sicher ist: Im Vergleich zum Original-Final Fantasy IV bietet The After Years ein paar echte Neuerungen. Durch das sogenannte Band-System sind in den obligatorischen Zufallskämpfen jetzt Team-Manöver á la Chrono Trigger möglich. Zwei oder mehr Kämpfer kombinieren ihre Fähigkeiten zu einer besonders mächtigen Spezialattacke. Ebenfalls neu: Die Mondphasen beeinflussen die Kampffähigkeiten von Helden und Monstern, jede Übernachtung in einem Gasthaus verändert diese Phasen leicht. So sind manche Monster nur zu bestimmten Zeiten anzutreffen.

Ceodore und ein geheimnisvoller Fremder führen gemeinsam eine Team-Attacke durch.

Die meisten Musikstücke kennen Fans bereits, aber Nobuo Uematsus wunderbare Kompositionen zu Final Fantasy IV sind nicht umsonst zeitlose Klassiker. Grafisch wird das Spiel die Fangemeinde spalten, soviel ist jetzt schon sicher. Während die einen sich über den klassischen 16-Bit-Look freuen, schlagen andere die Hände über dem Kopf zusammen. Klar, die Sprites sind etwas größer und detaillierter, das Spiel kommt im 16:9-Format daher, und die Hintergründe sind nicht ganz so kahl wie damals in der SNES-Fassung. Aber trotzdem bietet The After Years nicht unbedingt das, was man als zeitgemäße Grafik bezeichnen würde.

Aber genau aus diesem Grund freue ich mich richtig auf Final Fantasy IV: The After Years. Denn mit Polygongrafik und Renderexzessen hat die Final Fantasy-Serie vielleicht an Schauwert und Prestige gewonnen, gleichzeitig aber auch an Dynamik und Spielbarkeit verloren. Ohne dicke Rendervideos sind die Autoren umso stärker gefragt, ohne Kämpfe mit wilden Kamerafahrten sind die Zufallsbegegnungen gleich weit weniger lästig. Und eine Geschichte kann man auch mit blinzelnden, lachenden und winkenden Sprites erzählen, da braucht es nicht immer Sprachausgabe.

Die Entwicklung zurück zu 8- und 16-Bit-Qualitäten, die im Sommer 2008 mit Capcoms Mega Man 9 begann, hat endlich auch ihren Weg zu Square Enix gefunden. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass weniger in diesem Fall tatsächlich mehr ist und Final Fantasy IV: The After Years inhaltlich und spielerisch überzeugen kann. Es wäre zu schade, wenn sich das erste neue 2D Final Fantasy seit 1994 als billiger Abzock-Schnellschuss entpuppt und damit gleich wieder das Letzte seine Art wäre.

Final Fantasy IV: The After Years soll in den nächsten Monaten auf Nintendos WiiWare-Service erscheinen.

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Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

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