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Final Fantasy XIV

Was ist der Wert eines Schafs?

Wer Interesse an MMOs hat und auch den Vorbereitungen zu diesem Spiel ein wenig folgte, vielleicht sogar an der Beta-Phase teilnahm, der wird ohne Frage mitbekommen haben, dass nicht alles mit Final Fantasy XIV so steht, wie man sich das wohl mal erhoffte. Ich will das auch nicht groß schönreden. Dazu aber gleich mehr. Was mich faszinierte, war der teilweise tollwütige Schaum in einigen Postings diverser Foren, auf dem man fast ausrutschen konnte.

Das einzige MMO, das ich persönlich wirklich lange spielte und in dem ich mehr tat, als ein wenig zu Erkunden und zu Leveln, war Ultima Online - und das seinerzeit zu Beginn noch über eine ISDN-Leitung. Insoweit habe ich da vielleicht andere Dinge im Hinterkopf, wenn ich das hier spiele und mir FFXIVs Probleme angucke. Nein, FFXIV hat nicht den besten Start, den man haben kann, und verrennt sich bei einigen Designentscheidungen geradezu spektakulär, aber Aussagen wie „Es ist eine Missgeburt." oder „Das schlimmste Stück Dreck, dass ich je spielte!" erscheinen mir doch arg rau.

Es gibt viel Gutes zu entdecken in diesem Rohdiamanten und er hat sogar ein paar starke Konzepte zu bieten, die man weiter ausbauen kann und sie zu echten Gewinnern im Genre etablieren könnte. Es gab – und gibt – eine Kontroverse, dass man in FFXIV nicht jeden Tag endlos Quests gereicht bekommt und demnach nicht simpel endlos leveln kann, auch wenn man die Zeit dafür hätte. Das Spiel tut dies aus einer Art elterlichen Sorge-Komplex heraus und erinnert euch bei jedem Start daran, dass es ja auch noch andere Sachen im Leben gibt. Womit es ja auch Recht hat.

BEWARE THE DODO!

Die einen schreien Bevormundung. Ich dagegen, als jemand, der privat eher selten zum Spielen kommt, weiß, dass ich mich einfach zwei-, dreimal in der Woche für zwei oder drei Stunden einloggen kann, ein paar Missionen abarbeitete und nicht endlos in meinem FF-Bekanntenkreis nach hinten falle, weil sie eben auch nicht den ganzen Tag Riesen-Dodos schlachten können. Übrigens: Wusstet ihr, dass die Dodos extrem gefährlich und aggressiv sind? Kein Wunder, dass man die ausrottete. Kann ich jetzt voll verstehen. Videospielen bildet. Aber zurück zum Thema.

Dieses Quest-Cap, das euch alle 35 oder so Stunden acht neue Kampf- und acht Sammelaufgaben bietet, finde ich gut und das ist eine Frage des Standpunktes. Auch, dass dieses Leveln in der Regel nicht unbedingt eine Gruppenaktion sein muss, gefällt mir. Ich versuchte mich ein Weilchen an AD&D, musste aber schnell feststellen, dass ich dort als Gelegenheitsspieler ohne einen festen Raiding-Terminplan wenig zu melden hatte. Die Quests erforderten schlicht und einfach eine Horde von Leuten, um eine Überlebenschance zu haben.

Final Fantasy XIV umgeht diesen Frustfaktor. Jede einzelne Mission wird in fünf Schwierigkeitsabstufungen angeboten. Habt ihr gerade ein paar Freunde dabei, dann wählt ihr den entsprechenden Grad aus und keiner fühlt sich unterfordert oder kommt bei den Erfahrungspunkten zu knapp weg. Ist grad keiner in der Gegend, mit dem man die Ausrottung der Todes-Dodos vorantreiben könnte, nimmt man den leichtesten Grad und spielt halt solo. Ist man suizidal veranlagt, kann man sogar allein auf selbst gewählt extraharte Quests gehen. Ein sinnvoller Aspekt, der es deutlich leichter macht, in das Spiel hineinzukommen und auch drinzubleiben, ohne schnell streng zu riechen und Sozialkontakte komplett nach Facebook auszulagern.

Das Quest-System hat aber noch mehr als diese eher simpel aufgebauten Sammel- und Schlachtereien zu bieten. Jede der drei großen Städte hat eigene, recht umfangreiche und sogar interessante Storys zu erzählen. Diese bieten eine schöne Abwechslung zum üblichen Tagesgeschäft und geben der sowieso schon reizvollen Welt noch mehr Tiefe.

Bleiben wir noch bei den guten Seiten für einen Moment und zu denen gehört die Idee hinter dem Level-System und dem Aufstieg eines Charakters durch die einzelnen Klassen hindurch. 18 verschiedene davon gibt es, unterteilt in ein paar Kämpfer, erstaunlicherweise gerade mal zwei eher schwache Magie-Klassen, und fast ein Dutzend Handwerker, Fischer, Minenarbeiter und Farmer. Ihr wählt eine davon zu Beginn des Spiels bei der Charaktererschaffung. Solltet ihr jedoch auskundschaften, dass diese Wahl sich nicht als die Beste herausstellte, könnt ihr jederzeit wechseln, indem ihr den Helm der Marauders gegen die Angel des Fischers tauscht.

So weit, so normal. Das Nette dabei ist jedoch, dass die Figur die Werte für Klassen und die Figur selbst getrennt steigert. Egal was ihr macht, der Körper des Avatars verbessert sich und levelt hoch. Diese Level bleiben euch erhalten, selbst wenn ihr in eine völlig neue Profession schlüpft. Auch die Stufen jeder Klasse bleiben bei euch, sobald ihr euch wieder umzieht. Auf diese Weise bringt ihr in die neue Berufswahl wie im richtigen Leben zuvor gesammelte Lebenserfahrung mit ein und steigt schneller auf. Dass zum Wechseln das schlichte Umziehen reicht, macht die Sache auch herrlich einfach und man probiert gerne einfach mit verschiedenen Sachen herum, weil man weiß, dass die Spielzeit nicht verloren ist, auch wenn man sich am nächsten Tag doch wieder anders entscheidet.

Ein klein wenig relativiert dieses Konzept einen anderen Vorwurf, nämlich den, dass es doch etwas dreist sei, drei Euro zusätzlich pro Monat für jeden weiteren Charakter zu verlangen. Ja, das ist nicht nett. Ich denke, dass zwei Charaktere schon im Paket drin sein sollten. Schließlich gibt es fünf Rassen und auch wenn ich nicht mit meinem einen Charakter auf eine Klasse festgelegt bin, würde ich vielleicht doch gerne eine andere Rasse in einer anderen Startstadt versuchen. Da von der Optik abgesehen die Rassenunterschiede weit geringer - gerade nach einiger Spielzeit - als die Klassenunterschiede ausfallen, verpasst man mit nur einem Charakter wenig. Aber ein Zweiter wäre trotzdem ein netter Bonus gewesen.

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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