Drakensang: Am Fluss der Zeit

Bigpoint kauft Radon Labs

Drakensang 3 für 2011 geplant

Das Berliner Entwicklerstudio Radon Labs ist gerettet. Bigpoint hat den insolventen Drakensang-Entwickler und dessen 35 Mitarbeiter übernommen.

Drakensang: Am Fluss der Zeit

Drakensang: Am Fluss der Zeit

Das neue Manifest und die alte Liebe

Es wurde vor ein paar Jahren mal etwas erdacht, was sich milde hochtrabend das Manifest des Neuen Spielejournalismus nennt. Der Gedanke, der hier ausgedrückt wird, ist sehr einfach. Ein Spiel ist ein Medium, wie Musik oder ein Film. Es wirkt auf jeden anders. Sicher, ein paar Kriterien lassen sich festmachen. Wie gut die Aufnahmequalität der Songs ist, um ein Beispiel zu nennen. Aber selbst das ist kritisch. Man muss eigentlich das Werk in einen kulturellen Gesamtkontext stellen und dann noch seine persönlichen Gedanken einfließen lassen. Intermediale Kreuzreferenzierung ist ausdrücklich erwünscht, genau wie subjektive, wenn auch begründete Eindrücke. Es sollte klar sein, dass es natürlich nicht reicht, "Find ich doof!" zu sagen. Es gehört natürlich immer ein "weil..." hinter das "doof".

Der Spielejournalismus, gerade in Deutschland, ging häufig genug den Ansatz, ein Spiel wie ein Anwendungsprogramm im Sinne von Office zu analysieren. Sind bestimmte Funktionen vorhanden, erfüllen sie ihren Zweck oder was ist umständlich? Das ist bei einem Spiel auch nicht ganz unwichtig. Drastische Mängel in der Steuerung können die besten Intentionen verderben, technische Schlampereien dürfen nicht unerwähnt bleiben und man sollte auch generell erzählen, wie denn das Gameplay funktioniert. Schließlich soll der Leser sich ja ein Bild von der Gesamtlage machen können. Aber das eigentlich Wichtige, der persönliche Eindruck, die Emotionen, die das Spiel auslöst, und wie sie begründet sind, kam (und kommt) oft zu kurz. Ob dann jemand diesen Einschätzungen folgt, bleibt dem geneigten Leser selbst überlassen. Aber der Versuch, ein Spiel wie Drakensang: Am Fluss der Zeit rein und absolut objektiv zu bewerten, fällt mir nicht schwer, es ist fast unmöglich.

Dafür liebe ich einfach die dienstälteste Welt des deutschen Pen&Paper zu sehr. Es war mein Erstkontakt vor über 20 Jahren. Selbst wenn ich mich am Spieltisch schon vor langer Zeit von Aventurien abwandte, haben Havena, Al Anfa oder Der Große Fluss nie ganz den magischen Klang verloren. Es ist kein verlorenes Paradies, mehr ein Ort, an dessen Existenz man nicht glaubt, aber an den man zurückkehren kann, indem man kurz ein paar alte Bücher hervorholt und ein wenig in die Kindheit eintaucht. Mich von diesen Eindrücken zu lösen, während ich das neue Drakensang von Radon Labs spielte, sah ich überhaupt nicht ein. Es war eine sehr persönliche Erfahrung, die ich mit all den anderen DSA-Nerds teile. Und für uns lässt sich schon zum Start sagen: Das ist unser Spiel. Es fängt all das ein, was die Welt von DSA ausmacht, sogar noch ein wenig besser als der Vorgänger es tat.

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Drakensang: Am Fluss der Zeit

Mit Excel zu mehr Spielspaß

Das Excelsheet, das uns Chefdesigner Bernd Bayreuther zu Beginn unseres Lokalbesuches in Radon Labs neuen, geräumigen Studios am Alexanderplatz zeigt, vermittelt das typische Bild vom pflichtbewussten, beflissenen deutschen Spiele-Entwickler. Mit nur einem Ausdruck dieser Tabelle könnte man vermutlich die Rückwand meines Wohnzimmers lückenlos tapezieren.

Drakensang: Am Fluss der Zeit

Vorwärts in die Vergangenheit

Für die einen ist es die geilste Rollenspielerfahrung seit der Erfindung der SM-Studios, für die anderen die wahrscheinlich längste Geduldsprobe der Welt: Das Schwarze Auge: Drakensang aus dem Hause Radon Labs. Keine Frage, wenn sich ein Titel allein in unserem Land über 100.000 mal verkauft und dann auch noch bei einer Veranstaltung wie dem Deutschen Computerspielepreis doppelt abräumt, haben die Macher vermutlich wenig falsch gemacht. Und dennoch …