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gamescom angespielt: The Last Guardian

Das gibt's doch gar nicht!? Man kann es spielen!

Was ist das überhaupt?

Das Spiel, von dem wir wissen, dass es mit Tränen enden muss. Der dritte Titel von Team Ico und auch neun Jahre nach Beginn der Entwicklung und sieben Jahre nach der Ankündigung noch eine absolute Augenweide. Das gelingt nur Designern mit einem ganz eigenen Look.

Warum sollte es mich interessieren?

Auf der gamescom konnte ich die erste gut Dreiviertelstunde spielen und stellte schnell fest: Spielerisch ist's genau das, was man von diesen Leuten erwartet. Mit allem, was dazugehört. Wirklich allem. Der kindliche Protagonist erwacht an einem fremden Ort, eine alte Stimme aus dem Off gewährt Einblicke in das Innenleben des Jungen. Es ist der Junge selbst, viele, viele Jahre später, wie er auf seine Begegnung mit dem gigantischen Chimärenwesen Trico zurückschaut.

Sie packt einen direkt wieder, diese melancholische, fremdartige und doch aus den früheren Spielen des Studios vertraute Stimmung. Das hier dürfte dasselbe Universum sein, wie Ico und Shadow of the Colossus, nur eben eine andere Ecke. In der Eröffnung geht es in erster Linie darum, Trico aus seinen Ketten und aus seiner Rüstung zu befreien. Offenkundig werden diese Biester als Kriegsgerät ausgenutzt, denn der Katzenadler liegt schwer verletzt und mit Speeren gespickt darnieder und ist über die zweibeinige Gesellschaft zunächst gar nicht erfreut.

Es geht los damit, dem Tier einige Fässer mit Nahrung zuzuwerfen, für die man einen Schalter ziehen muss, um ein Tor zu öffnen und etwas später die Ruine am Rand der Szene hinaufklettert. Anschließend zieht man Trico die Speere aus dem Schenkel und der Schulter. Dazu klettert man an ihm empor, wie man es aus Shadow of the Colossus kennt. Nur noch die Kette am Hals gelöst, dann sind die beiden Freunde. Der Junge kann Trico rufen oder sich auf ihn setzen. Das haushohe Tier bewegt sich dann mehr oder weniger selbstständig in den nächsten Abschnitt, wo es weiter daran geht, mit seiner geballten Körperkraft nach dem weiteren Weg zu suchen. Ihr nutzt es als Treppe, als Reittier und findet später einen Spiegel, mit dem ihr das Wesen einen Blitz aus seiner Schwanzspitze entfesseln lasst, der marode Mauern einreißt und so weiter.

Das klingt vielleicht sehr mechanisch und videospielig, das alles herauszufinden und umzusetzen fühlt sich aufgrund des durchaus autonom agierenden Trico allerdings tatsächlich nach einem vorsichtigen Abtasteten und Kennenlernen dieses ungleichen Duos an. Wie die ersten Interaktionen mit einem fremden, vorsichtig zutraulichen Hund, spricht The Last Guardian Ur-Empfindungen an. Es rührt in beinahe jedem Austausch, ob sich der Junge nun streichelnd an den Hals des Biestes schmiegt oder Trico ratlos über einer nicht allzu tiefen, aber breiten Pfütze kauert, völlig verunsichert, ob es nun hinunterspringen sollte oder nicht. Einfach schön, obwohl die Technik alles andere als berühmt ist. Das hier stammt sichtlich aus einer Ära, als man noch für PS3 plante. Das ändert aber nichts daran, dass ich mir mehrfach absolut sicher war, hier tatsächlich eine lebendige, atmende und empfindungsfähige Kreatur vor mir zu haben.

Aber, und das muss man leider betonen, man hat nicht das Gefühl, das Team Ico rein mechanisch viel gelernt hätte, seit 2005 Shadow of the Colossus herauskam. Die Kamera ist eine Katastrophe, was nicht weiter verwunderlich ist, wenn in schmalen Gängen und kleinen, verwinkelten Räumen ein kleiner Junge und ein Fabeltier von der Größe zweier aufeinandergestapelter Schulbusse miteinander interagieren müssen. Das führt dann zum Beispiel dazu, dass man beim Klettern und Kraxeln auf Trico hinauf oft nicht weiß, ob man den Stick nun nach oben, unten, links oder rechts drücken soll. Bei dem Gespielten handelte es sich allerdings um den mehrere Monate alten E3-Build und Sony arbeitet nach eigenen Angaben schon seit einer ganzen Weile unter Hochdruck an diesen Aspekten.

Was kann noch schiefgehen?

Kamera und Steuerung könnten zum Beispiel so bleiben oder sich nicht maßgeblich verbessern. Das wäre schade, weil sich so unter die mühelos erzeugten Emotionen auch ein wenig Wut und Kopfschütteln mischen dürfte. Aber das war vor elf Jahren bei Shadow of the Colossus nicht maßgeblich anders. Das Spiel gilt heute bei vielen als Meilenstein. Mir fiel es jedenfalls schwer, am Ende dieser 45 Minuten loszulassen. Die Taschentücher liegen bereit.

Wann kommt es und wofür

Am 26.10.2016 für PS4.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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