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Genre-Special: Rollenspiel

Jeder spielt hier nur seine Rolle

Nicht jeder Mensch lebt ein aufregendes Leben, in dem er immer neue Erfahrungen macht und sich ständig weiterentwickelt. Manchmal zwingt uns die Gesellschaft - oder gar wir uns selbst - , ein Leben in geordneten Bahnen auf. So wird aus einem festen Job, einer Familie und einer Wohnung in einem kleinen Dorf in Süddeutschland schnell eine lebenslängliche Haftstrafe. Deshalb ist der Wunsch legitim, einfach mal der Realität zu entfliehen und Urlaub von sich selbst zu nehmen.

Der Spaß an einer neuen Persönlichkeit

Die Erstausgabe von Chainmail wirkt noch amateurhaft.

Manche stürzen sich ins Nachtleben, eine Drogensucht, ihren Sexualtrieb oder ein sinnloses Hobby, nur um für einen Moment aus der eigenen Haut zu fahren. Genau dieser Trieb liegt auch der Erschaffung der Rollenspiele zu Grunde. Denn im Vergleich zu anderen Spielerfahrungen bekommt man nicht nur eine packende Geschichte und im Idealfall jede Menge Spielspaß geschenkt, sondern auch für eine kurze Zeit eine andere, aufregendere Persönlichkeit. Im Prinzip ist es mit Schauspielerei zu vergleichen, nur schreibt sich jeder seine Rolle selbst auf den Leib.

Auch wenn das Rollenspiel in Form von Schauspielerei schon seit Jahrtausenden existiert, wollen wir uns hier natürlich nur auf das moderne Rollenspiel konzentrieren, das im zwanzigsten Jahrhundert sein Debüt feierte. Als Grundlage diente, wie schon beim gesamten Fantasy-Genre, J.R.R. Tolkiens Herr der Ringe-Saga. Dieser Fantasybackground wurde in den 60er Jahren erstmals mit Militär-Strategiespielen verknüpft, um dem Genre eine komplett neue Richtung zu geben.

Das Rollenspiel in seiner heutigen Form hatte also von Beginn an eine starke Verbindung zu strategischen Elementen, die trotz der Konzentration auf die Charakterentwicklung noch immer eine große Rolle spielen.

Vom Stift zur Tastatur

Dungeons & Dragons löste in den USA einen Begeisterungssturm aus.

Das erste Szenario, das sich in Richtung Rollenspiel bewegte, war noch streng an die klassischen Brett-Strategie-Spiele angelehnt. Unter dem Namen „Chainmail“ schufen Jeff Perin und Gary Gygax ein System für mittelalterliche Schlachten, die aber nach und nach durch Fantasy-Material ergänzt wurden.

Anstelle der sonst komplett menschlichen Einheitenauswahl gab es auf einmal auch Zwerge, Elfen und Orks, die sie aus der Tolkien'schen Vorlage entliehen hatten. Als das Werk dann im Jahre 1971 veröffentlicht wird, sind die Spiele begeistert und reißen ihnen die selbst gedruckten Regelbücher aus den Händen - dabei steht das Genre erst am Anfang seiner Entwicklung.

Seltsamerweise erreichen nicht Gary Gygax oder Jeff Perin die nächste Evolutionsstufe, sondern der Spieldesigner David Arneson. Ausgestattet mit den Chainmail-Regeln entwirft er eine spezielle Kampagne, die einzelne Spielfiguren in das Zentrum des Spielgeschehens stellt.

Statt ganzer Horden befehligen die Spieler nur wenige Helden durch das Szenario von Blackmore Castle. Nachdem sich die Existenz dieser Kampagne unter den Fans wie ein Lauffeuer herumgesprochen hat, lädt Gary Gygax seinen Kollegen David Arneson zu sich nach Genf ein und sie überarbeiten gemeinsam das komplette Regelwerk.

Allein schon aus Platzgründen werden die Regeln vom Tabletop mit seinen gigantischen Ausmaßen – oft Spielfeldlängen von bis zu 2 Metern – auf einfache Papierzeichnungen reduziert und damit die Fantasie der Spieler gefordert. Außerdem wird durch die Konzentration auf eine Spielfigur die Anzahl der möglichen Mitspieler drastisch erhöht.

Im Jahr 1974 kommt dann ihr neues Pen & Paper-Rollenspiel auf den Markt. Es heißt „Dungeons & Dragons“.

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