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Genshin Impact: Bitte gebt euch mehr Mühe mit der deutschen Übersetzung!

Die neuen Abenteuer des Google-Übersetzers

Ja, Genshin Impact ist ein Spiel aus China und es ist an sich klasse, dass es zahlreiche Vertonungen in anderen Sprachen gibt, darunter etwa englische oder japanische Synchronisation. Eine deutsche Vertonung gibt es zwar nicht, dafür aber Texte und Untertitel der teilweise sehr ausgiebigen Dialoge, von denen viele gar nicht gesprochen werden. Es gibt also ordentlich was zu Lesen.

Es ist ja an sich eine prima Sache, dass es überhaupt deutsche Texte gibt, mit den letzten Story-Updates hat die Qualität aber finde ich immer mehr gelitten. Wie die Dialoge in der Originalsprache klingen, kann ich nicht beurteilen, aber sperriges, unverständliches und zum Teil sehr unechtes deutsches Palaver hat mir seit den neuen Inhalten im Januar immer mehr die Freude an der Story genommen - und mit dem April-Update ist das absolut nicht besser geworden.

Ab Enkonomiya ging es mit den Texten bergab - buchstäblich!

Klar, auch die bisherige Handlung von Genshin Impact war stellenweise kein Oscar-reifes Drehbuch, ein Schlag ins Gesicht à la Will Smith muss es dann aber auch nicht sein, denn so fühlen sich die Texte der neusten Storylines zunehmend an.

Das ging schon bei dem Gebiet Enkanomiya los, das im Januar ins Spiel kam und bei dem leider nicht nur die Lage unterirdisch war. Bei der zugehörigen Story handelte es sich um einen sehr kryptischen Plot mit mystischen, unterirdischen Geheimnissen und sehr, sehr vielen komplizierten Eigennamen. Das ist vielleicht ohnehin nicht so zugänglich wie spannende Schlachten, Intrigen oder aufregende Schatzsuchen.

Optisch kann das neuste Genshin-Impact-Update mit dem Gebiet "Große Kluft" schon verzaubern, sprachlich aber weniger.

Der Hauptgrund, weshalb mich diese Story nicht abgeholt hat, war aber eine anderer: Die Texte waren schlecht geschrieben. Viele Dialoge bestanden aus extrem sperrigen, aufgesetzten Textwänden, die kein echter Mensch jemals so in einem Dialog verwenden würde. Und klar, wir haben es in Genshin auch mit magischen Wesen, Zauberkundigen und Fantasiefiguren zu tun, aber auch pathetische Reden kann man so schwingen, dass sie nicht nach Google-Übersetzer klingen.

Schon der Januar-Plotline stimmte das Timing in der Dialoge so gar nicht und es wurde teils stundenlang in ungeschickten Formulierungen um den heißen Brei geredet, ohne auf den Punkt zu kommen. Das hat mich wirklich gar nicht gepackt, vor allem, da ich manchmal vor lauter komplizierter Schachtelsätze nicht mehr verstanden habe, was Genshin mir da sagen wollte (sagte sie in einem Schachtelsatz).

Ääähm... wie meinen?

Dieser spaßverderbende Trend setzt sich jetzt in der "Großen Kluft" fort, dem neusten Genshin-Gebiet mit eigener Haupthandlung. Hier versteht man zwar zumindest, worum es grob in der Story geht, Spaß machen die Texte aber trotzdem nicht. Nach dem ersten, schlechten Eindruck der Dialoge habe ich Genshin zuliebe noch einmal kritisch ins Spiel reingeguckt, um zu sehen, wie schlimm es wirklich mit den Texten bestellt ist und dieser Screenshot war gleich eines der ersten Ergebnisse:

Die neuen Texte in Genshin Impact sind gewöhnungsbedürftig - aber wenn mir mal wieder eine Unterhaltung führen tun will, können wir wohl zu diesem Kerl kommen...

In vielen Spielen und Filmen gibt es ja wenigstens noch die lustige, trashige Art von schlechten Texten, aber hier nervt es mehr, als dass es ein Meme-Potenzial liefert. Manchmal geht mein Gehirn nach einer Weile Genshin schon genervt in den Standby-Modus, weil es sich unterfordert fühlt. Das gilt primär für vereinzelte Texte, die so stumpf klingen, als wären sie es eine Trump-Rede noch mal durch einen Online-Übersetzer gedreht.

Da wäre etwa eine tiefgründige Dialog-Perle zwischen der Hauptfigur und Paimon, die gerade erklärt, dass sie eine gruselige Aura in der Höhle fühlt: "Dieses große Ding, echt unheimlich" - Hast du etwas gespürt, Paimon?" - "Hmm... Alles in allem echt unheimlich." Ich lehne mich mal sehr weit aus dem Fenster und sage: Paimon fand wohl etwas unheimlich.

Solche Unterhaltungen lösen gerade bei mir als Fan feingeistigerer Dialoge nur akuten Fremdscham und gestresstes Gehirnkribbeln aus. Mitreißen tun sie mich jedenfalls nicht

Manche NPC-Kommentare in der großen Kluft aus Genshin Impact wirken schräg und zusammenhanglos und man weiß nicht so genau, warum sie uns das überhaupt mitteilen.

Das sorgt dafür, dass ich die neuen Dialoge mittlerweile fast nur noch genervt wegklicke, statt mich mit der Story beschäftigen zu wollen - besonders stark fallen die schlechten Dialoge nämlich auf, wenn man sie im Stream laut vorliest. Und ich bin eigentlich jemand, der auf Story steht und sich selbst bei den stumpferen Handlungssträngen des Spiels bisher zumindest gut unterhalten gefühlt hat - das ist jetzt leider vorbei. Bei so einer umfassenden Welt mit vielen Charakteren und eigentlich zahlreichen netten Ideen ist das einfach nur schade.

Demnach mein großer Aufruf an mihoyo als Story-Fan: Gebt euch bitte wieder mehr Mühe mit der Übersetzung oder der Spaß an der Handlung geht mir völlig flöten - und da bin ich vielleicht nicht die Einzige. Bisher kann mich das Gameplay noch gut bei der Stange halten, trotzdem wünsche ich mir wieder Dialoge, die es auch wert sind, gelesen zu werden.

Der neue Plot in der "Großen Kluft" von Genshin Impact: Alle echten Bösewichte sagen jetzt "Oh."
Über den Autor
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Judith Carl

News-Redakteurin

Judith Carl ist Volontärin für News und Social Media bei Eurogamer.de. Judith hat Medienwissenschaften studiert. Sie streamt begeistert am liebsten Rollenspiele und Adventure Games auf Twitch. Ihre weiteren Leidenschaften sind LARP, Pen and Paper, und Trash-Filme.

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