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Ghostbusters Retrospektive

Was bisher geschah....

Bevor Dr. Peter Venkman, Dr. Raymond Stantz, Dr. Egon Spengler und Winston Zeddemore nach einem jahrelangen Hiatus die Geisterjagd auf PS3, Xbox360 und Wii wieder aufnehmen, werfen wir mal einen angestrengten Blick in die Vergangenheit. Welche Abenteuer haben die Ghostbusters bisher auf PC und Konsole erlebt, und wie haben sie sich da so geschlagen?

Überraschenderweise ist die Auswahl an Ghostbusters-Umsetzung überaus überschaubar. Eigentlich seltsam, bedenkt man, welch ein gewaltiges Potenzial nicht nur in Sachen Vermarktung, sondern vor allem in Hinsicht auf spielerische Möglichkeiten in der Lizenz schlummert.

Ghostbusters (C64)

1984 erschien die erste Umsetzung des Films über Activision. Niemand geringeres als David Crane (Pitfall, A Boy and his Blob) war für das Design des ehrgeizigen Projekts verantwortlich. Anstatt den Film wie damals üblich in ein mäßig inspiriertes Jump’n’Run-Korsett zu quetschen, schuf Crane einen originellen, ziemlich knackigen Genre-Mix, der zwar gelegentlich an den eigenen Ambitionen scheiterte, trotzdem aber die Fans ´84 absolut zufrieden stellte.

Als mittelloser Geisterjäger beginnt Ihr das Spiel und nehmt bezahlte Jobs an, um Eure Ausrüstung nach und nach zu verbessern. Dafür fahrt Ihr zunächst mit Eurem Ecto1 (das auch regelmäßig betankt werden will) zum Einsatzort und schließt die Geisterjagd dort hoffentlich erfolgreich ab. Seid Ihr stark genug geworden, öffnet sich schließlich der Weg zum Finale. In einem nervenaufreibenden, oft auch frustigen Level erklimmt Ihr das Hochhaus und liefert Euch dort schließlich ein kniffliges Finale mit Fiesling Gozer. Ghostbusters wurde damals auf so ziemlich jede denkbare Plattform portiert und wird von den einstigen Spielern noch heute nicht zuletzt dank digitalisierten Sprachsamples in positiver Erinnerung gehalten.

The Real Ghostbusters (Arcade, Heimcomputer)

Ein namenloser Geisterjäger ballert sich durch langweilige Levels.

Was Data East 1987 da ablieferte, war schon beschämend. Während die Zeichentrickserie in der ersten Staffel mit überaus cleveren Skripts von Babylon 5-Autor J. Michael Straczinsky überzeugen konnten, entpuppte sich die Konvertierung als eine durch und durch uninspirierte Angelegenheit, die das Potenzial der Vorlage spielerisch kaum aufgreifen konnte.

The Real Ghostbusters ist ein generischer Shooter, in dem sich ein charakterloser Geisterjäger in typischer Shooter-Manier vergleichbar mit Capcoms Commando durch dröge Levels ballert.

Anstatt Geister zu jagen, werden austauschbare Monster ins Nirwana geschossen, rumfliegende Seelen könnt Ihr per Protonentrahl aufsammeln. Einziges Highlight ist der Dreispielermodus, ansonsten ist The Real Ghostbusters durch und durch lieblos und deckt sich kaum mit der Serie. Wenn Slimer der Spielfigur aus Sidekick zu Hilfe eilt, wird er lediglich als „Green Ghost“ bezeichnet, über der Tür des Ghostbusters-Hauptquartiers steht groß „Ghost House“ zu lesen. Und zu allem Überfluss wurde dieser Murks auch noch auf C64, Amiga und die anderen damals gängigen Heimcomputer portiert. Auweia...

Ghostbusters (Mega Drive)

Überraschend, wie gut das kleine Sprite Bill Murrays Gesichtszüge trifft!

Auch wenn es 1990 vielleicht etwas spät war für eine Umsetzung des ersten Ghostbusters-Films, so kann das Mega Drive-Spiel zumindest qualitativ überzeugen. SEGA setzte nicht wie David Crane auf einen Genre-Mix, sondern programmierte ein recht flottes Jump’n’Shoot mit großen, verzweigten Levels und Extrawaffen, die Ihr bei einem Händler kaufen könnt.

Dank 16-Bit-Power könnt Ihr zudem erstmals auch die Figuren tatsächlich erkennen: Die großkopferten Venkman, Stantz und Spengler-Sprites (Winston Zeddemore fehlt aus unerklärlichen Gründen) sehen ihren Film-Vorbildern tatsächlich ähnlich, ein echtes Novum, mussten bisher doch immer persönlichkeitslose, generische Geisterjäger an den Start gehen. Auch wenn sich klassische Elemente wie die Falle eher selten blicken lassen, so können wir die 16-Bit-Geisterjagd doch guten Gewissens in die „ordentlich“-Schublade einordnen. Für den nächsten Titel kann man das leider so nicht sagen...

Ghostbusters II (NES)

Was ist schlechter? Grafik oder Steuerung? Spaß macht´s auf alle Fälle keinen.

Denn 1990 erlebten die Videospiel-Ghostbusters auf dem NES mit tatkräftiger Hilfe von Activision ihren absoluten Tiefpunkt. Kurz gesagt: Diese Umsetzung von Ghostbusters II ist eine absolut unzumutbare Angelegenheit. Mit verkorkster Steuerung, seltsamen Design-Entscheidungen und einem unfair-frustigen Schwierigkeitsgrad kann dieser schwache Genremix in keinster Weise überzeugen.

Egal ob Euer Futzelsprite von rechts nach links durch langweilige Hüplevels rennt, Ihr mit Ecto1 Rennsequenzen bestreitet, oder – und das ist besonders nervig und frustig – mit der Freiheitsstatue in Galaga-artigen Levels in Richtung nicht vorhandener Showdowns marschiert, diese Gurke vergisst man am besten ganz, ganz schnell wieder und freut sich, dass kurz darauf die Kirby-Erfinder Hal eine weitaus bessere Filmumsetzung ablieferten.

Über den Autor

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Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

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