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Goin' Downtown

Wie im Comic

Es gibt vermutlich dankbarere Aufgaben als ein Adventure vor einer Gruppe Journalisten zu präsentieren. Denn die Faszination des Genres liegt ja doch eher darin, die Rätsel selber gestellt zu bekommen, sie logisch zu analysieren, alle Inventory-Gegenstände und Locations im Kopf durchzugehen und dann die richtige Aktion auszuführen. Wird einem das Ganze tagsüber in einem nüchternem Raum mit zehn Leuten vorgespielt, überträgt sich das typische Adventure-Gefühl nur bedingt, wenn überhaupt.

Trotzdem. „Ich hol mir hier 'nen Einlauf ab, weil irgendeine Nutte aus deinem Fenster springt.“ Diese Dialogzeile aus Goin’ Downtown, dem neuen Adventure von Silver Style, begegnet dem Spieler innerhalb der ersten 15 Minuten und zeigt mehr als deutlich die klare Ausrichtung auf eine erwachsene Zielgruppe. Oder mit anderen Worten, weit weg von den vorhergehenden Adventures Simon the Sorcerer oder Everlight.

Goin’ Downtown spielt im Jahr 2072 und dreht sich um den New Yorker Cop Jake McCorly, der ein bisschen der Prototyp des modernen Anti-Helden ist. Und als solcher lebt er natürlich alleine. Seine Frau ist vor kurzem gestorben und das Ganze verarbeitet er mit einer ordentlichen Tablettenabhängigkeit.

Seinen Job und sein Mini-Apartement findet er auch richtig scheiße und am liebsten würde er sich so schnell wie möglich von dieser Welt verabschieden, um endlich wieder mit seiner Frau vereint zu sein. Wenig überraschend kommt es jedoch etwas anders.

Die Größe des Apartments fällt eher in die Kategorie 'Übersichtlich'.

Eines Abends findet er vor seiner Wohnung eine schöne, aber bewusstlose Frau namens Rose. Natürlich nimmt er sie mit zu sich in seine Wohnung.

Sie erzählt ihm gerade noch irgendwas von Gedächtnis verloren, bevor sie wieder einschläft. Auch Jake ist müde, auch er schläft ein und das wird ihm zum Verhängnis. Geweckt wird er von Sirenen und die Frau liegt schon wieder vor seiner Wohnung, diesmal tot. Sie ist aus seinem Fenster gesprungen. Aber war das wirklich Selbstmord?

An dieser Stelle greift das Dystopia-Szenario von Goin’ Downtown. Denn im New York der mittelfristigen Zukunft ist es folgendermaßen: Menschen erhalten Bürgerrechte in direkter Proportion zu ihrer Steuerklasse. Da die schöne und jetzt tote Rose offenbar eine Prostituierte war, machen Jakes Polizeikollegen keinerlei Anzeichen auch nur die geringsten Nachforschungen im Bezug auf ihr mysteriöses Ableben anzustellen. Und da geht die eigentliche Story los.

Das Fernsehprogramm ist auch in 65 Jahren immer noch frustrierend.

Silver Style hat sich mit Goin’ Downtown nach eigenen Aussagen ambitionierte Ziele gesteckt. Das offensichtlichste ist das sogenannte Cartoon-Shading, was für Grafik komplett im Comicstil sorgt. Bis hin zu einblendbaren Sprechblasen. Die dicken Outlines der Figuren, gepaart mit reduzierten einfarbigen Flächen, erinnern den Science-Fiction-Profi sehr an Richard Linklaters’ seltsame Philip K. Dick Verfilmung A Scanner Darkly. Was ja nichts Schlechtes ist.

So ist Goin’ Downtown ein eigener, markanter Look schon mal sicher. Bleibt die Frage, ob die eher harmlos wirkende Grafik neben der bewusst harten Hier-geht’s-Um-Leben-Und-Tod-Story nicht vielleicht doch etwas zu soft daher kommt, was aber erst am finalen Spielerlebnis zu beurteilen sein wird.

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