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Gotham Knights: Robin ist kein Sidekick mehr, sondern ein Badass

Ann Lemay und Lloyd Colaco im Interview.

Die DC-Fans unter euch brauchen noch etwas Geduld, bis euch Gotham Knights einmal mehr ins virtuelle Gotham schickt. Diesmal ohne Batman, denn der ist tot. An seine Stelle rücken andere Mitglieder der Batman-Familie: Robin, Nightwing, Red Hood und Batgirl übernehmen die Aufgabe, die Stadt vor den Bösen zu schützen.

Wie sich die Charaktere voneinander unterscheiden? Und warum Robin mehr ist als nur ein Sidekick? Über diese und andere Themen sprach ich mit Ann Lemay (Narrative Director) und Lloyd Colaco (Animation Director).

Wodurch sticht Robin gegenüber den anderen Charakteren hervor?

Ann Lemay: Jeder von ihnen sticht auf seine eigene Art hervor, das ist das wirklich Bemerkenswerte daran. Wir haben vier verschiedene Knights, wir haben vier sehr unterschiedliche Charaktere, sowohl im Hinblick auf die Persönlichkeiten als auch auf die Stile. Wir hoffen, dass wir auf diese Art sicherstellen können, dass wir mindestens eine oder zwei Figuren haben, in die sich jeder verlieben wird. Was das Herausstechen aus der Masse betrifft, bin ich mir sicher, dass Lloyd dazu etwas zu sagen hat.

Lloyd Colaco: Robin ist mein persönlicher Favorit, weil ich einfach seinen Kampfstil und das, was wir mit ihm machen durften, liebe. Das Einzigartige an ihm ist, dass er unser Ninja im Spiel ist. Er ist der Jüngste, er ist der Schnellste, er ist am meisten auf Stealth ausgerichtet. Viele seiner Fähigkeiten drehen sich darum, dass er seine Gegner täuscht und überrascht. Seine Stöcke sind sehr Ninjutsu-artig. Wenn er mit seinem Bō-Stab kämpft, ist er sehr Wushu-orientiert. Diese Moves sehen hübsch aus, sind aber gleichzeitig auch sehr gefährlich. Wie ich schon sagte, hatte ich viel Freude bei der Arbeit an Robin und es hat einfach Spaß gemacht, sich mit ihm in die Action zu stürzen.

Lloyd Colaco
Ann Lemay

Sprechen die einzelnen Charaktere unterschiedliche Spielertypen oder Spielstile an?

Ann Lemay: Absolut. Das war ein Teil dessen, wie wir sie für das Spiel konzipiert und aufgebaut haben. Sie haben unterschiedliche Persönlichkeiten und unterschiedliche Stile, die diese Persönlichkeiten widerspiegeln. Red Hood ist eher der Schläger des Teams. Robin ist unser heimlicher Charakter. Nightwing ist akrobatisch und extravagant und Batgirl ist umwerfend effektiv und eine gute Allrounderin.

Lloyd Colaco: Wirklich sehr effektiv.

Wie schwierig war es, die Charaktere gleichzeitig unterschiedlich, aber auch ähnlich genug zu gestalten, um direkt mit ihnen zurechtzukommen, wenn man wechselt?

Lloyd Colaco: Du hast die Möglichkeit, zum Belfry zurückzukehren, was unsere Basis darstellt. Du kannst jederzeit zurückgehen und deinen Charakter wechseln, wenn du Lust darauf hast. Du kannst dich für jeden der vier Charaktere entscheiden und anschließend einfach weitermachen. Wir sorgen dafür, dass es nahtlos ist. Du kannst jederzeit ein- und aussteigen. Was das Gameplay anbelangt, konzentrieren wir uns, wie Ann bereits sagte, darauf, dass sie sich durch ihre eigenen Fähigkeitenbäume auszeichnen. Alle Fähigkeiten sind auf einen bestimmten Knight ausgerichtet und wir stellen sicher, dass sie sich unterschiedlich anfühlen.

Nightwing hat etwa mehr Reichweite in Bezug auf die Art, wie er sich strecken und Leute erreichen kann. Red Hood schießt hauptsächlich, aber er hat auch eine Menge Nahkampfangriffe, die hohen Schaden verursachen. Batgirl ist schnell, beschäftigt sich mit Hacking in der offenen Welt. Ich würde sagen, sie es effektiver darin, Verbrechen zu lösen. Und Robin ist unser Ninja, sehr auf Stealth ausgerichtet.

Ein Blick auf Gotham.

Gibt es abhängig von der Wahl des gewählten Charakters Unterschiede beim Verlauf der Story oder von Zwischensequenzen? Oder ist es im Grunde nicht mehr als ein Tausch von Charakter-Skin und Moves?

Ann Lemay: Wir haben für alle Charaktere eine übergreifende Geschichte, die immer gleich ist. Aber innerhalb dieser Geschichte haben wir einiges angepasst, um die Persönlichkeiten der Charaktere widerzuspiegeln. Jeder Knight hat also seine eigenen individuellen Texte, seine eigene Stimme, seine eigene Art, auf Dinge zu reagieren und Informationen aufzunehmen. Und das ist definitiv individuell angepasst.

Lloyd Colaco: Wenn es um die Animationsdaten geht, wird nichts untereinander geteilt. Jeder Frame der Animationen ist für jeden Charakter anders und einzigartig. Also ja, wir haben eine große Datenbank mit Bewegungen, die mit den jeweiligen Figuren verbunden sind.

Wenn man alleine spielt, ist man immer alleine oder auch mal mit den anderen Hauptcharakteren unterwegs, zwischen denen man im Kampf wechseln kann?

Ann Lemay: Wenn man alleine spielt, hast du auf jeden Fall Kontakt mit dem Belfry, das kann variieren. Du sprichst nicht immer mit der gleichen Person. Jeder ist also immer ein bisschen omnipräsent, es gibt vielleicht Telefonanrufe und solche Dinge. Wenn du im Koop-Modus bist, kannst du natürlich entscheiden, mit wem du spielen willst.

Ihr habt vier Charaktere, der Koop-Modus unterstützt zwei Spieler. Warum nur zwei, wäre es mit vier zu chaotisch, zu einfach geworden?

Ann Lemay: Tatsächlich war es eine ganz klare Entscheidung, die auf der Tatsache beruht, dass es immer um Batman und Robin ging. Es war schon immer ein Zwei-Personen-Team und wir wollten diese Ästhetik und diesen Ansatz beibehalten.

Lloyd Colaco: Ja, wir wollten, dass es mehr um dynamische Duos geht. Darum dreht sich seit langer Zeit diese ganze Batman-Fantasie. Wir waren auch der Meinung, dass die Spieler die beste Erfahrung mit zwei Charakteren machen würden, wenn diese zusammenarbeiten.

Jeder der vier Charaktere hat unterschiedliche Fähigkeiten und spielt sich anders.

Gilt der erzielte Fortschritt für beide Koop-Spieler gleichermaßen oder nur für den Host?

Ann Lemay: Wenn der Host das Spiel spielt, ist das der Fortschritt, der gespeichert wird. Sagen wir also, der Host befindet sich einem bestimmten Punkt der Geschichte des Spiels. Das ist der Punkt, an dem sich der Gast, der dem Spiel im Koop beitritt, ebenfalls befindet. Der Fortschritt des Hosts wird später bei diesem gespeichert.

Wie sieht es mit Dingen wie Items aus, die sie dort bekommen?

Ann Lemay: Ich glaube, dass sie alles behalten, was sie in diesen Sessions erhalten haben.

Welcher von diesen vier Charakteren ist euer Favorit und warum?

Ann Lemay: Ich liebe sie alle, weil wir sie alle geschrieben haben und ich mit den Figuren, an denen wir gearbeitet haben, sehr verbunden bin. Nightwing ist charismatisch und liebenswert, er kümmert sich um jeden und möchte unbedingt, dass es allen mit dem, was sie durchmachen, gut geht. Und sie machen harte Zeiten durch. Selbst dann, wenn es ihm aufgrund des Todes von Bruce nicht gut geht. Batgirl, Barbara, ist standhaft und zuverlässig und einfach die beste Freundin. Sie hält zutiefst an ihrem Glauben fest, was, wie ich finde, ein fantastischer Charakteraspekt ist.

Robin, Tim, ist unser Jüngster, und er hat sich immer als der Partner von Batman gesehen. Und jetzt es gibt keinen Batman mehr. Er muss herausfinden, wer er sein wird und wie er das in Zukunft macht. Red Hood, Jason, erholt sich von so vielen Dingen, die ihm passiert sind. Er war von der Batman-Familie entfremdet. Jason versucht nicht nur, sich selbst zu finden, sondern auch seinen Platz in der Batman-Familie, was wirklich schwer zu bewerkstelligen ist. Ich sehe das aus der Sicht einer Autorin, weswegen ich jeden einzelnen von ihnen liebe. Je nachdem, wo ich mich im Spiel befinde, welche Szene ich gerade spiele, welcher Dialog abgespielt wurde, ändert sich mein Favorit von einem Moment auf den anderen, denn sie haben alle ziemlich außergewöhnliche Dinge zu bieten. Ich weiß, dass Lloyd einen Favoriten hat.

Lloyd Colaco: Ja, das stimmt. Im Grunde genommen haben wir natürlich in alle Charaktere gleich viel Liebe und Schmerz gesteckt. Aber wenn ich mich für einen entscheiden müsste, würde ich sagen, dass Robin leicht im Vorteil ist. Weil es das erste Mal ist, dass Robin nicht mehr nur ein Sidekick ist. Batman ist tot. Er entwickelt sich alleine weiter. Er macht seine eigenen Fortschritte. Also sah ich es als persönliche Herausforderung an, dafür zu sorgen, dass er ein Badass ist. Er ist eine komplexe Figur. Er ist jung, er ist emotional, er ist schnell. Er ist ein Ninja. Aber wenn er mit seinen Waffen kämpft, ist er gefährlich. Ich denke, dass ich, wie ich schon sagte, Robin einfach wegen dieses Gesamtpakets mag.

Red Hood in Gotham Knights.

Ihr habt diese vier Charaktere mit unterschiedlichen Spielstilen. Wie habt ihr sichergestellt, dass sich das auch in ihren Bewegungen widerspiegelt?

Lloyd Colaco: Das ist eine wirklich gute Frage. Es ist meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es unterhaltsam ist, dass es dich anspricht und dass es Spaß macht, damit zu spielen. Aber wir fangen immer am Zeichenbrett an. Wir sprechen mit dem Autorenteam und finden heraus, wie ihre Persönlichkeit aussieht. In der nächsten Phase geht es dann darum, die Schauspieler zu finden, die diese verrückten Bewegungen tatsächlich ausführen können. Ich bin ein großer Fan davon, Bewegungen ohne Drähte aufzunehmen. Nicht, dass ich grundsätzlich etwas dagegen hätte. Es ist nur so, dass, besonders bei jemandem wie Robin irgendwelche Drähte an den Schuhen die ganze Geschwindigkeit und den Flow verlangsamt. Manchmal wirkt es so, als würden sie schweben.

Daher riet ich ihnen bei den Aufnahmen davon ab. Ich habe es geschafft, echte Ninjas aufs Set zu bekommen. Ich habe mit einigen meiner Kollegen gesprochen und Tests durchgeführt, bei denen ich ganz nah am Geschehen war. Und der Typ, der Robin spielte, schlug wirklich schnell zu. Ich fragte: 'Ist er fertig?'. Es sah so aus, als ob er sich gerade nach vorne bewegt. Und er sagte: 'Ja, ich bin fertig.' Und ich daraufhin 'Okay, Mann, das war verdammt schnell.' Ich musste mich etwas deutlicher ausdrücken, damit der Spieler letztlich versteht, was gerade passiert ist. Am Ende haben wir darüber gelacht.

Für Nightwing hatten wir diese erstaunlichen Akrobaten. Hier gilt das Gleiche. Viele dieser Sprünge und Bewegungen wurden nicht mithilfe von Drähten bewerkstelligt, sondern hauptsächlich mit Trampolinen. Also buchstäblich das, was man beim Turnen benutzen würde. Wir hatten Leute, die aus ganz Kanada eingeflogen wurden, um hierher zu kommen und mitzumachen. Ich musste nie jemanden überzeugen, an diesem Spiel mitzuarbeiten, vor allem nicht für die Stunts. Sobald sie wussten, wer sie waren, die Charaktere und was wir mit ihnen vorhatten, waren alle begeistert.

Bei Red Hood war es nicht anders. Wir suchten Leute, die jemanden durch einen Tisch oder durch den Boden schmettern können. Die Schauspieler fragten: 'Kann ich das wirklich tun?' Ich sagte: 'Ja, das Red Hoods Stil.' Er kämpft mit Reichweite. Und als es um Batgirl ging, hatten wir eine Menge Schauspieler mit Capoeira-Erfahrung dabei, viele Kampfsportler, die sich mit Kickboxen und Jiu Jitsu auskennen. Das war meine beste Erfahrung bei diesem Projekt. Das hat mir am meisten Spaß gemacht.

Klingt nach einer Menge Spaß… und nach einer Menge Arbeit.

Lloyd Colaco: Ja, absolut. Ich hoffe, das wird sich auszahlen. Ich kann es kaum erwarten, dass die Spieler den Controller in die Hand nehmen und diese verschiedenen Charaktere spielen können.


Gotham Knights erscheint am 25. Oktober 2022 für PC, Xbox Series X/S und PlayStation 5.

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur und seit 2006 bei Eurogamer.de. Er schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps. Benjamin spielt Videospiele hauptsächlich auf Konsolen. Seine Expertengebiete sind breit gefächert, von Shootern und Action-Adventures über RPGs bis hin zu Sportspielen und Rennspielen. Zu seinen Hobbys gehören Lego, Science Fiction, Bücher, Filme und Serien sowie Star Wars und Star Trek.

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