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GTA 5 auf PS5: Ich muss Grand Theft Auto nicht mögen, um Los Santos zu lieben

Auf PS5 in 4K und optionalen 60fps - was Alex aber wichtiger ist: Man muss nicht einmal den Gangster spielen, um sich in dieser Stadt wohlzufühlen

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich mit GTA so meine Probleme habe. Ich bin nicht der dankbarste Abnehmer für Gangstergeschichten und in Games mit realistischen Szenarien spiele ich einfach nicht gerne als unverbesserlicher Drecksack. Und dieses Spiel hat gleich zweieinhalb davon. Tiefschwarze Seelen, die rauben, töten, plündern und allgemein kein Problem damit haben, andere mit Füßen zu treten.

Es ist einfach nicht so richtig meins, was auch der Grund ist, dass das hier kein Test der Next-Gen-Versionen von Grand Theft Auto 5 ist. Denn den liefert euch dieser Tage Martin, der moralisch offensichtlich deutlich weniger zartbesaitet ist. Warum ich trotzdem das Gefühl habe, ein paar Zeilen zu dieser neuen Version zu Papier zu bringen? Nun, weil ich irgendwie trotzdem regelmäßig für ganze Nachmittage den speziellen Reizen dieser Spiele verfalle.

Dieses Gefühl von Weite beherrschen sie bei Rockstar wie niemand anderes...

Das Ding ist ja: Ich muss ja nicht als "cooler" Verbrecher Whack-a-mole-mäßig stur - linker Trigger, rechter Trigger - virtuelle Polizisten im Dutzend über den Haufen schießen - in einer Sekunde ein Cop, wenn es hochkommt. Ich kann auch einfach nur hier sein, in dieser Klebstoff schnüffelnden Version unserer echten Welt und hier sorglos Touristenluft schnuppern. Na gut, ein bisschen Chaos - komplett sinn- und rechtfertigungsbefreit richte ich dann doch immer mal wieder an, wenn ich Autobahnbrücken mit einem Motorrad herunterspringe und auch sonst allerlei hirnverbrannte Stunts hinlege. Aber ich tue dabei nicht so, als wäre ich der Held dieser Geschichte.

Denn wenn man mal ehrlich ist, ist das eben noch vor ihren Geschichten und Büchern Rockstars wahre Stärke: Ihre Art, eine Welt zu gestalten und mit Leben zu füllen ... da kommt einfach wenig heran, in dieser Branche. Los Santos und Liberty City strahlen und pulsieren einfach, fühlen sich organisch gewachsen an. Wie der nicht immer schöne und oft genug auch selbstzerstörerische Triumph des Menschen in dem Projekt, der Natur mit Trotz und Erfindergeist das Sorgerecht über diesen Planeten abzuringen.

... und ich denke, die Lichter haben viel damit zu tun, warum das so gut funktioniert.

Man erfährt in einem GTA schon viel über die Welt an sich, wenn man einfach nur in einem beliebigen Bezirk auf dem Bürgersteig steht und der Stadt beim Atmen zuhört. Ihr undefiniertes Wuseln, Surren, Plappern - das immerwährende Leerrauschen eines Raumes, den es eigentlich nicht gibt. Nichts klingt wie ein GTA. Außerdem sieht nichts so aus, was schon damit beginnt, dass vom Hauptcharakter bis zu unbedeutenden Passanten alle Menschen einer Gravitation und Trägheit unterworfen sind, die andere Spiele mit offenen Welten nur selten kennen.

Und es endet auch nicht bei den Autos, deren Scheinwerfer man auch in kilometerweiter Ferne noch ihre Bahnen auf den Highways ziehen sieht - verschwommen zwar, aber da, immer und unentwegt. Sie signalisieren uns, diese Welt dreht sich auch an Orten weiter, die Franklin, Trevor oder Michael gerade nicht unsicher machen. Weite bekommt in einem GTA einen ganz anderen Begriff, den andere Spiele für gewöhnlich nur mit virtuellen Metern beziffern.

Drei Grafikmodi warten auf euch: Der 4K-Qualitätsmodus, Raytracing-Performance und ein reiner Performance-Modus. Der mittlere ist der, den ihr nehmen solltet. 10 Euro Für das Upgrade auf die Next-Gen-Version sind fair!

Kurzum: Ich bin hier, weil ich das Gefühl habe, diese Welt verdiente irgendwie meine Anwesenheit. Und sei es nur, weil es herrlich ist, ihr (fast komplett unschuldig, ich schwöre!) dabei zuzuschauen, wie sie ihr eigenes, wahnsinniges Ding macht. Zum Beispiel, nachdem ein Bus eine Ampel umgefahren hat, was oft genug einen Rattenschwanz an noch irrsinnigeren Un- und Anfällen nach sich zieht, die an Slapstick kaum zu überbieten sind. Auch ohne große Bankräuberambitionen ist GTA5 einfach herrlich verdichteter, großer Blödsinn, den man sich auch neun Jahre später noch gut geben kann. Diesmal in 4K und mit Raytracing, wenn man denn will - ab sofort auf PS5- und Xbox-Series-Konsolen.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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