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Happy Birthday, Game Boy

20 Jahre Spielspaß in Grün

Vier Grüntöne, ein 8-Bit-Prozessor und ein einfacher Soundchip, der immerhin schon Stereo-Ton zustande brachte - damit trat Nintendos Game Boy am 21. April 1989 seinen Siegeszug an.

In der Welt der Videospiele sind 20 Jahre eine fast schon astronomische Zeitspanne. In 20 Jahren haben wir die Entwicklung von 8-Bit-Spielen mit ein paar Sprites und wenigen Farben zu komplexen 3D-Welten und kinoreifer Präsentation erlebt. 20 Jahre, das sind vier Hardware-Generationen. Und 20 Jahre ist es auch her, dass Nintendo mit dem Game Boy den Handheld-Markt gleichzeitig etablierte und sich zum Alleinherrscher über das tragbare Videospiel krönte.

Es war mal wieder Gunpey Yokoi, der sich die clevere, graue Kiste ausgedacht hat und bei der Entwicklung der Hardware konsequent seinen eigenen Weg einschlug. Ein Farbbildschirm mit Hintergrundbeleuchtung ist natürlich eine schöne Sache - aber auch ein extrem teurer Stromfresser –, da tut’s doch auch ein monochromes LCD-Display mit 4 Grünstufen und einer Auflösung von 160x144 Pixel! 16-Bit? Damals für ein Handheld undenkbar. Ein kleiner 8-Bit-Prozessor langt doch auch!

Und so war der Game Boy technisch nicht die stärkste Hardware auf dem Markt, wohl aber die günstigste und die sparsamste. Und der Game Boy hatte einen großen Vorteil gegenüber seinen Mitbewerbern Game Gear und Lynx: Er hatte „Tetris“. Der Erfolg des Game Boy und das brillante Knobelspiel des Russen Alexej Pajitnov sind untrennbar miteinander verbunden. Wüsste man es nicht besser, man könnte schwören, das Spiel sei Nintendos tragbarem Alleskönner auf den Plastikleib geschrieben worden.

Wer Ende der 80er einen Game Boy kaufte, der kam um Super Mario Land nicht herum.

Und somit entwickelte sich der Game Boy zum stetigen Begleiter unzähliger Kindheiten. Der Game Boy war unerlässlich als Rücksitz-Unterhaltung bei endlosen Autofahrten, infizierte sogar skeptische Eltern mit dem Tetris-Virus und war Anlass zu mancher Sorge: „Kind, du machst dir noch die Augen kaputt!“.

Aber sind wir ehrlich – für den Spielspaß, den der Game Boy bot, war man gerne bereit, seine Sehstärke zu riskieren. Waren Handheld-Spiele früher mehr oder minder simple, abwechslungsarme LCD-Spielereien, mussten sich die Game Boy-Titel in Sachen Komplexität und Spielspaß schnell nicht mehr vor den großen NES-Modulen verstecken. Und was gab es da alleine in den ersten Jahren für famose Titel...

Da war zum Beispiel Super Mario Land. Klar, Marios erstes Hosentaschen-Abenteuer war mit vier Welten á drei Levels nicht allzu umfangreich und wollte stilistisch so gar nicht in die vom NES bekannte Mario-Welt passen. Trotzdem konnte dieser, nicht von Mario-Vater Shigeru Miyamoto entwickelte Hüpfer überzeugen. Mit kreativen Levels und Gegnern von Gunpei Yokoi und einem Ohrwurm-Soundtrack von Hirokazu „Hip“ Tanaka war für viele Spieler Super Mario Land tatsächlich die erste Begegnung mit dem fülligen Schnauzbart.

Präsentation und Anspruch sind bei Link´s Awakening auf höchstem Niveau.

Capcoms Ghosts´n´Goblins Spin-Of Gargoyle´s Quest schlug in eine ganz andere Kerbe – famose Präsentation, ein knackiger Schwierigkeitsgrad, ein Held mit innovativen Fähigkeiten und eine stattliche Dosis Adventure-Elemente zerstreuten jegliche Zweifel an Qualität und Anspruch der kleinen Handheld-Spiele.

Mit R-Type bewies derweil Irem, dass selbst ein hochgezüchteter Arcade-Shooter auf dem kleinen Game Boy-Display funktioniert. Und Irem war nicht der einzige Entwickler, der auf dem Game Boy ein Laser-Inferno anrichtete, auch Konami lieferte famose Adaptionen der Gradius-Reihe (unter dem Namen Nemesis) ab und legte mit dem fulminanten Parodius die technische Messlatte ein gutes Stück höher.

Komplexität war derweil bei Square geboten. Auf dem Game Boy nahm die SaGa-Serie ihren Anfang: Drei Episoden erschienen, bevor die Reihe den Sprung auf das SNES wagte. In Deutschland konnte man davon keinen in den Händlerregalen vorfinden, in USA kamen sie als „Final Fantasy Legend“ auf den Markt. Ebenfalls auf dem Game Boy begann die Mana-Serie. Was bei uns als Mystic Quest Legend das Licht das Spielewelt erblickte, war in Amerika als Final Fantasy Adventure und in Japan als Seiken Densetsu bekannt und ist der Vorgänger des SNES-Hits Secret of Mana.

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Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

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